Amokläufer Cho Seung Hui Blazers letzte Shoppingtour

Bei seinen Geschäftspartnern kam Cho Seung Hui, der Amokläufer von Blacksburg, bestens an: Ein "fantastischer Ebayer" sei er, mit dem das Handeln Spaß mache. "blazers5505" lieferte prompt, zahlte pünktlich - zum Beispiel für gewaltverherrlichende Bücher und Waffenmagazine.

Die Profilseite von blazers5505 weist den Mann aus Blacksburg, Virginia, als guten Ebayer aus. Seit dem 19. Januar 2004 handelte er als registrierter Nutzer auf der Auktionsplattform Ebay, kaufte und verkaufte Neuwaren und Gebrauchtes.

Manches davon war ganz profan (Taschenrechner), manches vielleicht nicht gerade geschmackvoll (gewaltverherrlichende Trivialliteratur), und manches in Rückschau gespenstisch bis erschreckend: So wie die Ersatzmagazine für die Handfeuerwaffen, die blazers5505 am 22. März ersteigerte.

Sie erweiterten seine Möglichkeiten mit der Waffe. Zwanzig Schuss mehr, ohne nachladen zu müssen.

Dass er - wie es am rechten Seitenrand seines Profils steht - "nicht länger ein registriertes Mitglied" bei Ebay ist, hat direkt mit diesen letzten Einkäufen zu tun. Mit Hilfe der für 38,99 Dollar zuzüglich 5,75 Dollar erstandenen Magazine tötete blazers5505 alias Cho Seung Hui am 16. April 2007 erst 32 unschuldige Menschen, bevor er sich selbst ins Gesicht schoss.

Chos schwer zu findende Spuren im Netz werden im Rahmen der Untersuchung des Massakers nun nach und nach offenbar. Primär sucht die Polizei nach Spuren von Online-Kommunikation, beantragte am Ende der Woche auch die Einsicht in sämtliche Telefonabrechnungen sowie seine Krankenakten. Die Fahnder suchen nach Hinweisen dafür, ob Cho möglicherweise irgendjemanden vorab gewarnt hat, vor allem in der Hoffnung, die Motive des Amokläufers aufzuklären.

Zutage förderten sie bisher vor allem Normalitäten, die erst in Rückschau gespenstisch wirken. Dass Cho gewaltverherrlichende Bücher kaufte und verkaufte, ist nur bedeutungsvoll, wenn man sein gewaltsames Ende kennt - obwohl das weit ungewöhnlicher ist als die Beschäftigung mit gewalthaltigen Videospielen, mit denen Cho aber nichts zu tun hatte. Bisher hat sich jedoch kein Kriminalpsychologe oder Politiker gemeldet, um nach einem Verbot von Büchern zu rufen.

Dass Cho hingegen Teile des Equipments, die ihm den Amoklauf erst möglich machten, Online ersteigerte, dürfte die Diskussion um solche Dinge zumindest hierzulande noch einmal anstacheln. In den Staaten wird das keine Rolle spielen: Ebay erlaubt nur den Handel mit Werkzeug und Zubehör, nicht aber mit Waffen oder Munition. Das, was blazers5505 da online kaufte, hätte er in jedem Eckladen erstehen können - inklusive des Waffenladens, in dem er die Handfeuerwaffen gekauft hatte. So gespenstisch der Vorgang also scheint, offenbart er wohl nur ein Motiv, dass Cho mit Millionen Ebayern teilte: Er suchte den bequemen Einkauf - und günstige Angebote.

pat/AP

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