Gefahr durch "Freak" Schwere Sicherheitslücke bei Safari und Android-Browser

Experten warnen vor einer erheblichen Lücke in Browsern auf Apple- und Google-Geräten. Die Gefahr besteht, weil amerikanische Firmen jahrelang viel zu unsichere Software ins Ausland exportiert haben - auf Anweisung der Regierung.
Computercode (Symbolbild): Sicherheitsexperten haben einen Weg gefunden, Browsern die Nutzung einer antiquierten Verschlüsselungsform aufzuzwingen

Computercode (Symbolbild): Sicherheitsexperten haben einen Weg gefunden, Browsern die Nutzung einer antiquierten Verschlüsselungsform aufzuzwingen

Foto: KACPER PEMPEL/ REUTERS

Update, 6. März: Einen aktuelleren Text zur "Freak"-Lücke finden Sie hier. Mittlerweile sind weitere Browser betroffen.

Hamburg - Apple und Google haben angekündigt, in nächster Zeit Updates zu verteilen, die eine schwerwiegende Browser-Sicherheitslücke schließen. Das Problem betrifft Safari und den Android-Browser (sein Symbol ist eine blaue Weltkugel), somit sind Mobilgeräte und Mac-Computer gefährdet. Die aktuellen Versionen von Chrome, Internet Explorer und Firefox sind nicht betroffen.

Eine bereits seit Jahren bestehende Schwachstelle ermöglicht es Angreifern offenbar, die Kommunikation der Nutzer der genannten Browser auszuspionieren. Das neunköpfige Forscherteam, das die Lücke entdeckt hat , hat sie "Freak" getauft, angelehnt an das englische "Factoring RSA-EXPORT Keys".

Die Sicherheitsexperten warnen, dass sie einen Weg gefunden haben, Browsern die Nutzung einer antiquierten Verschlüsselungsform aufzuzwingen. Bis Ende der Neunziger hatte die US-Regierung amerikanischen Firmen verboten, Software mit starker Verschlüsselung zu exportieren. Ins Ausland mussten sie bis dahin Programme mit absichtlich geschwächter Verschlüsselung verkaufen. Erlaubt waren für das RSA-Kryptosystem maximal 512-Bit-Schlüssel, die bereits im Jahr 2000 als unsicher galten.

Hintertüren für Strafverfolger sind ein Sicherheitsdesaster

Wenn eine Internetseite die schwache Verschlüsselung anbietet, sei es möglich, die Verschlüsselung binnen einiger Stunden zu knacken, warnen die Forscher. Infolgedessen lassen sich Daten bei scheinbar sicheren Verbindungen mitschneiden oder bestimmte Elemente der aufgerufenen Website angreifen. Inwiefern solche Angriffe über die Jahre durchgeführt wurden, lässt sich nicht abschätzen. Bis heute allerdings ist die schwache Verschlüsselungstechnik in verschiedener Software zu finden.

Die "Washington Post" schreibt, das Problem zeige, welche gefährlichen Konsequenzen es für die Sicherheit haben kann, wenn die US-Regierung Tech-Firmen auffordert, für Strafverfolger und Geheimdienste Hintertüren in ihre Systeme einzubauen. Dass Verschlüsselung von Geheimdiensten wie der NSA systematisch unterminiert wird, ist längst bekannt. Doch die Lücke "Freak" zeigt, wie weitreichend die Folgen einer solchen Schwächung sein können - auch Jahre später noch.

Erst kürzlich hatten Politiker wie Thomas de Maizière, David Cameron und Barack Obama gefordert, dass Sicherheitsbehörden befugt sein müssten, Verschlüsselung zu knacken.

Von Apple heißt es, man werde kommende Woche ein Update ausliefern. Eine Google-Sprecherin sagt, man habe Partnern eine Software-Aktualisierung zur Verfügung gestellt. Gemeint sind damit Hersteller von Android-Geräten, die das Update dann an ihre Kunden weiterleiten.

Besucher der NSA-Webseite sind gefährdet

Wie lange es dauert, bis der Patch von den Herstellern bei den Gerätenutzern ankommt, ließ die Sprecherin offen. Google rät derweil allen Websites, die schwache Verschlüsselung nicht länger zu unterstützen. Zahlreiche Webseiten, darunter die Google-Suche, seien nicht von der Lücke betroffen.

Im Artikel der "Washington Post" heißt es , der Fehler habe über die Jahre Nutzer der Apple- und Android-Browser auf Hunderttausenden von Websites gefährdet, darunter die Seiten der NSA, des FBI und des Weißen Hauses. Auf den beiden letztgenannten Websites sei das Problem am Dienstag jedoch beseitigt gewesen.

Stand Dienstagnacht boten der Übersichtsseite FreakAttack.com  zufolge diverse bekannte Websites weiter die unsichere Verschlüsselung an - darunter etwa der Internetauftritt des Magazins "Business Insider" und die Websites von Motorola und American Express.

Anwender, die nicht sicher sind, ob auch sie von dem Fehler betroffen sind, können mit dem SSL-Test der Firma SSL Lab testen , ob der eigene Browser für die Angriffe anfällig ist. Wenn auf der Ergebnisseite in der Rubrik "Cipher Suites" Verschlüsselungsverfahren mit "RSA_EXPORT" auftauchen, unterstützt der Browser die veralteten Verschlüsselungsansätze.

Zusammengefasst: Eine Sicherheitslücke gefährdet Nutzer des Android-Browsers und des Apple-Browsers Safari. Chrome, Firefox und Internet Explorer sind offenbar nicht betroffen. Google und Apple arbeiten an Updates. Das Problem resultiert aus US-Gesetzen zur Verschlüsselungstechnik aus den Neunzigern.

mbö/juh/Reuters/AP