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Russisches Satirikerduo Merkel telefonierte offenbar mit Fake-Poroschenko

Zwei dem Kreml nahestehende Satiriker behaupten, Angela Merkel ein Gespräch mit dem ehemaligen ukrainischen Präsidenten vorgetäuscht zu haben. Es wäre nicht der erste Coup des Propagandaduos.
Angela Merkel: Die frühere Bundeskanzlerin informierte das Auswärtige Amt über das Telefonat mit dem Anrufer, der sich als Petro Poroschenko ausgegeben hatte

Angela Merkel: Die frühere Bundeskanzlerin informierte das Auswärtige Amt über das Telefonat mit dem Anrufer, der sich als Petro Poroschenko ausgegeben hatte

Foto: Thomas Trutschel / photothek / IMAGO

Nach Angaben der auf Desinformation spezialisierten russischen Satiriker Vovan und Lexus ist die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf ein inszeniertes Telefonat zum Ukrainekonflikt hereingefallen. Die beiden Pro-Kreml-Komiker veröffentlichten am Montag Auszüge aus dem Gespräch.

Merkels Büro in Berlin bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass es ein Telefongespräch gab. »Ich kann ein Telefonat mit einem Anrufer bestätigen, der sich als der frühere (ukrainische) Präsident Petro Poroschenko ausgegeben hatte«, teilte eine Sprecherin Merkels auf Anfrage der Nachrichtenagentur mit. Während ihrer Amtszeit hatte Merkel häufig mit Poroschenko zu tun.

»Das Telefonat fand am 12. Januar 2023 statt, unterstützt mit deutsch-ukrainischer Übersetzung des Sprachendienstes des Auswärtigen Amtes«, heißt es in einer Stellungnahme von Merkels Büro. »Die Bundeskanzlerin a.D. informierte das Auswärtige Amt anschließend über den Eindruck, den sie von dem Anrufer während des Telefonats gewonnen hatte.«

Erste Anrufe kurz nach Kriegsbeginn

Die beiden Russen haben schon mehrfach Prominente hereingelegt, indem sie sich ihnen gegenüber als wichtige Persönlichkeiten ausgaben. Schon kurz nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hatten die Satiriker, die mit bürgerlichen Namen Wladimir Kusnezow und Alexej Stoljarow heißen, den britischen Verteidigungsminister Ben Wallace getäuscht. Ihm gegenüber hatten sich ein Anrufer als der ukrainische Ministerpräsident Denys Schmyhal ausgegeben. Tage später wurde eine Aufzeichnung des Gesprächs auf YouTube hochgeladen.

Im Juni vergangenen Jahres wurden die Berliner Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) und mindestens vier weitere Bürgermeister großer europäischer Städte zu Videogesprächen mit einem vermeintlichen Vitali Klitschko verleitet. Damals hatten Kusnezow und Stoljarow in einer E-Mail an den SPIEGEL angedeutet, auch hinter diesen Anrufen zu stecken.

Satire im Dienst russischer Propaganda

Wenig später gaben sich die beiden dem US-Bestsellerautor Stephen King gegenüber als der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj aus. In einem Video, dass die Komiker daraufhin auf der russischen Videoplattform Rutube veröffentlichten, wird der 74-Jährige unter anderem nach dem ukrainischen Nationalisten und Antisemiten Stepan Bandera gefragt. Kings Antwort: »Im Großen und Ganzen ist Bandera ein großartiger Mann, denke ich.«

Der Fall des Buchautors zeigt deutlich das Vorgehen der beiden Russen, die stets versuchen, den Betroffenen verfängliche und der staatlichen russischen Propaganda dienliche Aussagen zu entlocken. Für wie hilfreich der Kreml die beiden offenbar hält, zeigte sich, als Russlands Außenministerium den beiden im vergangenen Jahr einen Preis verlieh – ein sicheres Telefon. Bei der Preisverleihung wurden sie dafür gelobt, »die Telefone so vieler Politiker und weltbekannter Persönlichkeiten erobert« zu haben.

mak/dpa