Angespielt Die wichtigsten Spiele im August

In "Gish" klebt sich ein Teerklumpen durch ein Labyrinth. Die "Fantastic 4" sind im Spiel genauso wenig unterhaltsam wie auf Leinwand. Für "Prison Tycoon" sind schon 60 Minuten zu viel. Die Computer-Spieler hoffen, dass der veröffentlichungsarme Sommer bald vorbei ist.


Real World Golf

Golf ist ein elitärer Sport: Wer nicht zu den oberen Zehntausend gehört, wird selten in die Nähe eines Greens gelangen. Weshalb Golfsimulationen an PC und Spielekonsole äußerst beliebt sind. Doch bisher konnte keines dieser Spiele auch nur annähernd Realismus erreichen.

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Real World Golf: Elitesport für Arme

Was vor allem an der Steuerung liegt, denn mit Maus oder Controller lässt sich einfach kein richtiger Abschlag ausführen. "Real World Golf" löst dieses Problem. Denn das bringt sein eigenes Steuergerät mit, an das sich der Spieler mit Seilen anschließt. Damit wird Stärke und Richtung des Schwungs gemessen. Jetzt muss man nur noch den beiliegenden Schläger in die Hand nehmen und durchziehen.

Das Eisen - oder genauer gesagt: Plastik - ist knapp dreißig Zentimeter lang und nicht mit dem Vorbild zu vergleichen. Das ist aber von Vorteil, denn so wird das Mobiliar geschont und man vermeidet unerfreuliche Diskussionen mit der Hausratsversicherung. Wer möchte schon erklären, wie das 9er-Eisen im Fernseher gelandet ist.

Dennoch gibt das Spiel ein gutes Schlaggefühl wieder - und sorgt auch für Muskelkater in der Schulterpartie. Und weil Golf auch an der Konsole etwas exklusiver ist, kostet das Spiel etwas mehr. Dafür liegt der Controller bei.

Für Bürogolfer und Videospieler mit Bewegungsdrang.

"Real World Golf" von Atari für PC und PS2, ca. 90 Euro inkl. Controller, USK: ohne Altersbeschränkung

Gish

Teerklumpen haben unangenehme Seiten, die jeder kennt, der schon mal barfuß einen Strandspaziergang gemacht hat: Sie sind schwarz und kleben - besonders gerne zwischen den Zehen. Diese etwas lästigen Eigenschaften von Teer lassen sich aber im Spiel sehr gut nutzen.

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Gish: Einmal Matsche sein

Weshalb mit dem kleinen Gish jetzt ein Teerklumpen Held eines Videospieles geworden ist. Der hat seine Freundin Brea verloren und muss auf der Suche nach ihr durch ein Labyrinth rollen, kleben und hüpfen. Denn die Liebste will ja wiedergefunden werden. Und so klebt er sich an Wänden fest, um sie zu erklimmen, oder hüpft physikalisch korrekt.

Das ist eine Herausforderung, denn als Spieler muss man hier den richtigen Punkt zum Absprung finden: Dann nämlich, wenn der Teerball sich am kräftigsten zusammengestaucht hat. Das ist anfangs ungewohnt und lässt einen schon bald verzweifeln.

Doch wenn man den Hüpfer erstmal raus hat, vergisst man die etwas altbackene Grafik und versteht, warum das Spiel einen Preis für innovatives Gameplay beim Independent Game Festival gewonnen hat: Es macht einfach Spaß, einmal ein Teerklumpen zu sein.

Für Spieler ohne Grafikfetisch.

"Gish" von Halycon Media für PC, Mac und Linux, ca. 20 Euro, Demo hier, USK: ohne Altersbeschränkung

Fantastic 4

Vielleicht muss es einfach so sein, dass zu jedem Film das entsprechende Spiel erscheint. Das schafft zumindest ein weiteres Glied in der Wertschöpfungskette - neben DVD und Actionfiguren. Für Kritiker hat das sogar gewisse Vorteile: Denn die können sich ihre Textvorlage heraussuchen und Mustersätze variieren, denn meist folgen die Games einem simplen Schema: Sie picken sich die Actionsequenzen des Vorbilds raus und bauen diese zu einem Schieß-, Renn- oder Prügelgame zusammen.

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Fantastic 4: Gimmi Gummi

Damit das Spiel auch tatsächlich was mit dem Film zu tun hat, wird dessen Geschichte in kurzen Filmausschnitten erzählt. Das ist nur in seltenen Fällen erbaulich.

Zu diesen gehört "Fantastic 4" nicht. Denn das ist eine harmlose und auf Dauer etwas ermüdende Prügelorgie, bei der es kaum einen Unterschied macht, welchen der fantastischen Vier man jetzt steuert: Hauptsache man haut so schnell wie möglich auf die Tasten, dann wird man die auftauchenden Monster schon irgendwie besiegen.

Das ist ungefähr so erfreulich wie den Film zu anschauen. Und darüber wurde schon an anderer Stelle genug gesagt.

Für Fans des Films mit kräftigen Daumen und Durchhaltevermögen.

"Fantastic 4" von Activision für PC, PS2, Xbox, Gamecube, ca. 50 Euro USK: ab 16 Jahren

Prison Tycoon

Spiele, die ein "Tycoon" im Namen tragen, sind Lektionen in freier Marktwirtschaft. Hauptziel ist es, möglichst viel Geld zu verdienen. Was im Spiel auch deutlich leichter ist als im wirklichen Leben.

Spieler konnten sich bisher in allen möglichen Branchen betätigen: Als Zoodirektoren (Zoo Tycoon), Eisenbahnmagnaten (Railroad Tycoon) oder in etwas abseitigeren Bereichen: Dönerbuden (Döner Mafia) und Bordellen (Rotlicht Tycoon). Von da aus ist der Schritt zum Gefängnis nicht mehr weit. Deshalb gibt es jetzt den "Prison Tycoon".

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Prison Tycoon: Jede Menge Langeweile

Das passt prima in eine Diskussion, die in den USA schon entschieden ist, hierzulande aber noch geführt wird: Sollen Gefängnisse privatisiert werden? "Prison Tycoon" sagt ja, denn damit lässt sich viel Geld verdienen - vor allem, wenn die Insassen brav sind und in den angeschlossenen Fabriken gut arbeiten. Und so startet man mit einer kleinen Haftanstalt auf der grünen Wiese und arbeitet sich langsam bis zum Hochsicherheitsgefängnis vor.

Das mag man unmoralisch finden, doch die größten Geschmacklosigkeiten machen ja oft großen Spaß. Nicht so bei "Prison Tycoon".

Das spielt man schon deshalb nicht, weil es langweilig ist. Neben einer veralteten Grafik und einer unübersichtlichen Steuerung hat es wenig zu bieten. Und wenn dann noch die sich dauernd wiederholende Musik einsetzt, möchte man gerne die Hersteller dieses Machwerks wegen Folter verklagen. Wenigstens haben wir in den 60 Minuten, die man das Spiel benutzen kann, bevor man es bezahlt, keine Möglichkeiten gefunden, Todeszellen zu bauen. Da ist "Prison Tycoon" ganz human - oder pragmatisch: Denn Todeskandidaten werden sich nur schwer zur Arbeit motivieren lassen.

Für Befürworter der Gefängnisprivatisierung und Menschen, die finden, dass es Gefangenen sowieso viel zu gut geht.

"Prison Tycoon" von ValuSoft für PC, ca. 20 Dollar, Demodownload hier. Demo läuft 60 Minuten, danach muss das Spiel für 20 Dollar freigeschaltet werden. Nicht USK-geprüft.

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