Angriff auf Publikation Hacker kritisieren Stratfor-Hack

Der Angriff auf Stratfor, bei dem Kreditkartendaten von Newsletter-Abonnenten veröffentlicht wurden, spaltet Anonymous: Das Ziel lässt sich als journalistische Plattform beschreiben. Und Medien werden eigentlich nicht angegriffen, sagen die Kritiker der Attacke.

Guy-Fawkes-Maske (Archiv-Bild): Anonymous-Aktivisten kritisieren Anonymous-Aktivisten
dapd

Guy-Fawkes-Maske (Archiv-Bild): Anonymous-Aktivisten kritisieren Anonymous-Aktivisten


Anonymous-Aktivisten müssen heftige Kritik für den Angriff auf das US-Unternehmen Stratfor einstecken, selbst aus den eigenen Reihen. Die Web-Guerilla hat angeblich Zehntausende Kreditkarten-Informationen von Newsletter-Kunden und Millionen interne E-Mails kopiert und zum Teil veröffentlicht.

Mit den Kreditkarteninformationen wollte Anonymous angeblich Hilfsorganisation mit unfreiwilligen Spenden beglücken, die E-Mails sollen aufzeigen, welche staatlichen und privatwirtschaftlichen Organisationen Kunden des Beratungsunternehmens sind. Unter den veröffentlichten Daten sind allerdings auch viele Kreditkartennummern von Journalisten und Privatleuten, die Stratfor-Newsletter abonniert hatten. Die Bezeichnung "Sicherheitsberatung" ist für diese außenpolitischen Analysen und Nachrichtenzusammenfassungen zu hoch gegriffen - letztlich macht Stratfor Journalismus.

Kritik am Angriff auf journalistische Angebote

Der Angriff auf das Unternehmen sei ein Fehler, heißt es jetzt in einem neuen Anonymous-Schreiben (jeder kann sich als Anonymous-Mitglied selbst bezeichnen, jeder kann Bekennerschreiben im Namen von Anonymous veröffentlichen): Der Missbrauch der Kreditkarteninformationen habe Kunden des kostenpflichtigen Stratfor-Newsletters betroffen und damit ein journalistisches Projekt. "Anonymous greift keine Medien an", heißt es dort. Wer auch immer im Namen Anonymous agiert habe, habe Grundprinzipien der Bewegung für mehr offene Kommunikation verletzt.

Der deutsche Sprecher des Chaos Computer Clubs, Frank Rieger, kritisierte Rechtfertigungen für den Hack via Twitter. Er wundere sich, dass der Logik der Angreifer zufolge "also jeder, der einen kostenpflichtigen, tatsächlich interessanten Info-Dienst mit schlechtem IT-Schutz abonniert, nun Teil des militärisch-industriellen Komplexes" sein solle.

Antivirus-Experte Mikko Hyppönen merkt in in einem Blog-Eintrag an, dass den Hilfsorganisationen durch die Anonymous-Überweisungen ein Schaden entstanden sei. Die Rückbuchungen, die Kreditkarteninhaber zweifelsohne veranlassen werden, würde den Organisationen zumindest Arbeit machen, wahrscheinlich aber auch Geld kosten.

Angreifer wollen Quellen bloßstellen

Stratfor selbst weist auf den Umstand hin, dass die veröffentlichte Kundenliste nicht mehr als ein Auszug aus dem Newsletter-Abonnenten-Register und die ganze Aktion deshalb grundsätzlich missgeleitet sei - Anonymous hatte es eigenen Aussagen zufolge auf die "top-geheime" Kundenliste der Stratfor-Berater abgesehen. Außerdem bestehe nun die Gefahr, dass Newsletter-Kunden auch weiterhin Opfer von Angriffen würden.

Der prominente Anonymous-Sympathisant Barrett Brown veröffentlichte schließlich einen Erklärungstext "Über Stratfor", in dem er darauf hinweist, dass die Veröffentlichung der Kreditkarteninformationen und Kundenliste nur ein Zufall war. Der Hack habe vielmehr zum Ziel gehabt, die Quellen von Stratfor transparent zu machen. Zu diesen Quellen gehörten laut Brown Experten in staatlichen und privatwirtschaftlichen Organisationen - der Hack sei damit Teil der langläufigen Antisec-Kampagne, alle weiteren Informationen könne man in der Sammelstelle seines Projekts "Persona Management" einsehen.

Kein Quellenschutz für Stratfor-Informanten?

Wobei hier nicht klar ist, warum die Gesprächspartner der Autoren von Stratfors Analysen nicht Quellenschutz genießen sollen wie die Tippgeber von Journalisten und Informanten, die interne Dokumente über Dritte an die Öffentlichkeit bringen.

Stratfor bietet zwar neben seinen journalistischen Publikationen auch spezielle Beratungsdienstleistungen für Firmen und Organisationen an. Ob es sich dabei um viel mehr als spezielle Dossiers mit Artikeln und Auftragsrecherchen handelt wie sie jedes bessere Archiv eines Medienhauses zahlenden Kunden bietet, lässt sich anhand der im Google-Cache gespeicherten Kopien der Stratfor-Website nicht nachvollziehen.

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insgesamt 8 Beiträge
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bayrischcreme 27.12.2011
1. Kriminelle
Zitat von sysopInterne Kritik: Selbsternannte Anonymous-Aktivisten kritisieren Hacker, die Kreditkartendaten von Newsletter-Abonnenten veröffentlicht haben. Ihr Vorwurf: Anonymous greift nie Medien an - das sieht ein Sprecher des deutschen Chaos Computer Clubs ähnlich. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,805865,00.html
Für diese kriminellen Cyber-Terroristen habe ich überhaupt gar kein Verständnis. Wer legitimiert diese Ansammlung von Nerds denn, darüber zu richten was ein "legitimes Ziel" ist? Wer kontrolliert Anonymus?
Gruselheini 27.12.2011
2. Angriff auf Publikation: Hacker kritisieren Stratfor-Hack
Verbrecher sind das, nichts anderes. Wir hacken mal eben eine Seite, klauen die Daten und "spenden" ein paar Dollar an das Rote Kreuz. Wie "nett"... Nur Idioten und Minderbemittelte machen so eine Schwachsinn. Und selbst wenn man/frau so einen Schwachsinn macht um die sog. Reichen zu treffen... mann trifft nur denen, denen man/frau angeblich helfen will. Demnach sind "Anonymous" Schwachsinnige
KarlRad 27.12.2011
3. Omg
Zitat von bayrischcremeFür diese kriminellen Cyber-Terroristen habe ich überhaupt gar kein Verständnis. Wer legitimiert diese Ansammlung von Nerds denn, darüber zu richten was ein "legitimes Ziel" ist? Wer kontrolliert Anonymus?
Wer jetzt noch fragt "Wer kontrolliert Anonymus?", hat gar nichts verstanden. Oder vermuten Sie eine Verschwörung vom Geheimdiensten?
Ahnunghaber 27.12.2011
4. Ist der Spiegel auch betroffen?
Gestern abend im Tagesguck scrollte die Kamera über die Liste der betroffenen Institutionen und dabei war auch kurz DER SPIEGEL zu lesen. Wissen Sie schon, an wen Sie gespendet haben?
charonscope 27.12.2011
5.
Selten zuvor so einen Konservativen und ungebildeten Kommentar gelesen. Naja gibt eben doch BILD-Leser hier. "Alle wegsperren diese halbstarken Computeridioten" Also die Sicherheitsfirma ist von dummen und/oder armen Menschen gehackt worden. Da frage ich mich was gebildete Hacker hinbekommen. Muss man nur ein paar Knöpfe drücken. Geht klar. Muss schön sein, die kleine Welt.
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