Angst vor Nacktfotos YMCA verbietet Handys in Umkleideräumen

Entgegen seines staubig klingenden Namens soll der "Christliche Verband junger Menschen" YMCA ein lebenslustiger Ort sein. Jetzt verbietet er Kamera-Handys, weil er um Moral und Intimsphäre seiner Mitglieder bangt. Mit gutem Grund.

"It's fun to be at the Y-M-C-A" gröhlte 1978 die Schwulenband Village People eindeutig zweideutig und machte doch erstklassige Werbung für den weltumspannenden christlich-ökumenischen Verband. Der balanciert so mühselig, wie man das von religiösen Vereinigungen kennt, zwischen dem Bemühen, ein möglichst jugendlich-peppiges Image zu pflegen und - natürlich - den moralischen Anforderungen seiner ihm verbundenen Kirchen.

Die erlauben einiges, verzeihen noch mehr und verbieten doch vieles: Sexualität zumindest ist ein Teil des Lebens, der im YMCA nur sehr geregelt besprochen, aber nicht gelebt werden soll. Dabei läuft man auch beim YMCA öfter mal mit nacktem Hintern herum, schließlich säubert man sich ja nach dem Sport. "You can get yourself cleaned", sangen da die Village People, "you can have a good meal, You can do whatever you feel".

Eben nicht, beschied der australische Ableger des YMCA, und fotografieren darf man auch nicht, schon gar nicht in den Umkleideräumen. Das wiederum ist verständlich, denn schließlich geht es hier um den Schutz der Intimsphäre. Aus Angst vor heimlichen Nacktfotos mit Hilfe von Handys der jüngsten Generation hat Australiens "Christlicher Verband junger Menschen" Mobiltelefone aus Umkleideräumen verbannt.

Nicht, dass irgendwo irgendetwas vorgefallen wäre. Dies sei eine "vorsorgliche Antwort auf ein potenzielles Problem", sagte YMCA-Vorsitzender Bob Nicholson australischen Medien zufolge. Der Jugendverband betreibt auf dem Fünften Kontinent rund 300 Schwimmbäder, Fitness- und Sportzentren.

Der YMCA steht nicht allein mit seiner Angst vor einem weiteren Verfall der Sitten und der Verletzung von Persönlichkeitsrechten durch multimedial aufgepeppte Mobiltelefone.

Auch der australische Rettungsschwimmerverband sieht den technischen Fortschritt mit Sorge und rief alle 3000 öffentlichen Schwimmbäder des Landes zum Handeln auf. "Hier geht es um die Privatsphäre - und um Körperregionen, die allen und jedem gezeigt werden könnten", sagte der Verbandsvorsitzende im Bundesstaat Victoria, Norm Farmer, dem Rundfunksender ABC. Die Grenze zwischen dem von der Industrie propagierten Foto-Spaß und Voyeurismus, haben die Verbände wahrgenommen, ist eben fließend.