Anhörung in Neuseeland Kim Dotcom wehrt sich gegen Auslieferung

In den USA droht Kim Dotcom eine Haftstrafe. Die Neuseeländer wollen den Internetunternehmer ausliefern. Dotcom aber erhebt Einspruch. Am Montag soll er voraussichtlich angehört werden.

Kim Dotcom posiert mit zwei Frauen
REUTERS

Kim Dotcom posiert mit zwei Frauen


Update 29. August: Bei der Anhörung, zu der Kim Dotcom selbst nicht erschien, beantragte sein Verteidiger, das Verfahren per Livestream zu übertragen. Das Berufungsverfahren wird voraussichtlich mehrere Wochen dauern.

Kim Dotcom soll an die USA ausgeliefert werden. Ein neuseeländisches Gericht stimmte der Auslieferung des umstrittenen Internetunternehmers zu. Dotcom möchte in einer Anhörung, die voraussichtlich am 29. August stattfindet, dagegen angehen. In den USA droht ihm eine langjährige Haftstrafe.

Bekannt wurde Dotcom unter anderem mit seiner Tauschplattform Megaupload, die 2012 nach FBI-Ermittlungen abgeschaltet wurde. Über das Portal wurden laut Vorwürfen der US-Ankläger massenhaft illegale Kopien von Filmen und Musik verbreitet.

Der Internetunternehmer, der ursprünglich aus Kiel stammt, weist die Vorwürfe zurück. Er habe nur eine Plattform betrieben und keine Kontrolle darüber gehabt, was Nutzer speicherten. Zudem kündigte er einen Neustart von Megaupload für den Januar 2017 an.

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Geschichte einer Karriere: Aufstieg und Fall des Kim Dotcom

Besser als jede Seifenoper

Das Leben von Kim Dotcom lässt jeden Drehbuchschreiber einer Seifenoper vor Neid erblassen. Er hatte scheinbar alles erreicht: den rasanten Aufstieg zum Millionär, ein Luxusanwesen in Auckland in seiner Wahlheimat Neuseeland, den Helikopter, die Partys. Laut US-Ermittlern hatte Dotcom 2010 ein Einkommen von 48 Millionen Dollar. Zwei Jahre später kam der Fall: Polizeieinsatz, Festnahme, die Ehefrau macht sich aus dem Staub.

Mit seiner neuen Partnerin lebt Dotcom heute in einem Penthouse im Hafenviertel von Auckland. Er nennt es "das Piratenschiff". Der Journalist David Fisher, Autor des Buches "The Secret Life of Kim Dotcom" (dt.: "Das geheime Leben von Kim Dotcom") ist fasziniert von der Dotcom-Saga: "Da ist Dotcom, der mehr Geld hat als Gott, mit einer wunderschönen Frau, die ihn verlässt, ersetzt durch eine Jura-Studentin, die halb so alt ist wie er. Und ein Haufen hübscher Kinder, die in diesem tollen Apartment leben." Ihn fasziniert der wuchtige, immer schwarz gekleidete Deutsche: "Ihm fehlt nur noch eine flauschige weiße Katze zum Superschurken aus einem James-Bond-Film."

Die Neuseeländer sind genervt von Dotcom

Die Neuseeländer seien indes der Dotcom-Show überdrüssig, sagt Fisher. Anfangs hätten sie ihn für seinen Widerstand gegen "die da oben" bewundert. Als der Deutsche jedoch 2014 versuchte, mit der von ihm gegründeten Internet-Partei groß in die Politik einzusteigen, sei es mit der Sympathie vorbei gewesen.

"Plötzlich hatten wir da diese sehr bombastische Person, die noch nicht mal ein Staatsbürger war, aber versucht hat, sich in die Wahlkabinen der Menschen zu drängeln." Die Partei errang keinen einzigen Parlamentssitz. Seitdem mehren sich die Stimmen, dass Neuseeland ohne Dotcom besser dran wäre.

Der Internetunternehmer wird nicht müde

Doch der Fall Kim Dotcom hat in Neuseeland auch langfristig Wellen geschlagen: Nach Enthüllungen, Dotcom sei Ziel illegaler Überwachung gewesen, kommen nun Gesetze, die die Arbeit der Geheimdienste transparenter machen sollen, erklärt der Sicherheitsexperte Rhys Ball.

Dotcom selbst rechnet damit, dass es noch Jahre dauern könnte, bis die Gerichte über seine Auslieferung entscheiden. Aufgeben will er auf keinen Fall. "Glauben die wirklich, sie könnten mich kampflos von meinen Kindern trennen? Ich bekämpfe die korrupten US-Empire-Clowns den ganzen Tag, jeden Tag. Ich bin noch nicht einmal müde", twitterte er.

Update 30. August: Zunächst hatte es geheißen, dass der Richter den Antrag Dotcoms auf eine Liveübertragung der Anhörung abgelehnt hat. Am Dienstag gab das Gericht dem Antrag statt. Wir haben dies entsprechend korrigiert.

Cheryl Norrie/dpa, tsi



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