Projekt Anonabox Statt anonymem Internet gibt es Geld zurück

Anonym ins Internet, mit einer kleinen Box, ohne Installation: Tausende haben diese Idee mit mehr als einer halben Millionen Dollar unterstützt. Nur drei Tage später ist der Traum von der "Anonabox" geplatzt.
Eingestelltes Kickstarter-Projekt: Großes Interesse an anonymem Internet

Eingestelltes Kickstarter-Projekt: Großes Interesse an anonymem Internet

Ein grauer Kasten, der locker in eine Handfläche passt. So sollte das Internetanonymisierungsgerät von August Germar aussehen. Nutzer hätten es zwischen ihren Router und ihren Computer schalten können, ohne nervige Installation. Aller Internetverkehr wäre dann automatisch über das Tor-Netzwerk geleitet worden - für ein Höchstmaß an Anonymität.

Am Montag startete Germar ein Crowdfunding für die "Anonabox". 45 Dollar sollte ein Internettarnschild kosten, 7500 Dollar waren das erklärte Ziel der Kampagne auf Kickstarter . In den folgenden Tagen fanden sich mehrere Tausend Unterstützter, die mehr als 600.000 Dollar versprachen.

Medien  berichteten  überschwänglich  über die simple Datenschutzlösung. Die "Anonabox" war auf bestem Weg, ein Riesenerfolg zu werden. Bis Kickstarter das Projekt am Freitagabend killte. Die Regeln der Plattform seien verletzt worden, die Unterstützer bekommen ihr Geld zurück, schrieb das "Trust & Safety"-Team des Unternehmens in einer E-Mail.

Ungereimtheiten und Regelbrüche

Zuvor waren die Versprechen der "Anonabox"-Entwickler von Nutzern der Web-Community Reddit auseinandergenommen worden . Das Crowdfunding bekam Ärger von der Crowd. So hatte Germar behauptet, das Design der "Anonabox" sei in jahrelanger eigener Arbeit entstanden, das gesamte Projekt basiere auf Open Source und Open Hardware. Fotos sollen angeblich einen ersten Prototypen zeigen.

Die Reddit-Nutzer identifizierten die Technik auf den Fotos hingegen als das Produkt einer chinesischen Firma. Auch das Gehäuse stammt offenbar nicht von den "Anonabox"-Entwicklern, wie behauptet. Andere Reddit-Nutzer wiesen auf Probleme mit der eingesetzten Software hin. Die ist tatsächlich Open Source, eine spezielle Linux-Variante namens OpenWrt.

Doch die Konfiguration, mit deren Hilfe der Zugang zum Tor-Netzwerk auf dem Router hergestellt wird, wies offenbar Sicherheitslücken auf, insbesondere ein fest eingestelltes Passwort auf allen Geräten. Mit diesen Widersprüchen konfrontiert, musste Germar zurückrudern. Völlig konnte oder wollte er die Ungereimtheiten allerdings nicht aufklären.

Alternativen: Selber basteln oder Tails nutzen

Hunderte der fast 10.000 Unterstützer hatten da schon ihr Geld zurückgezogen. Dann zog Kickstarter die Konsequenzen. Ist eine Kampagne erst einmal gestoppt, gibt es kein Zurück mehr. Mehr als eine halbe Millionen zugesagte Dollar - wieder zurück beim Absender. Sollte Germar an seinem Plan festhalten, er müsste eine neue Kampagne starten und von vorne anfangen.

Gut möglich, dass nun Nachahmer auf den Plan treten. Offenbar sind mindestens zehntausend Nutzer bereit, 45 und mehr Dollar für eine kleine Tor-Zugangsbox auszugeben. Auch wenn die zum völlig anonymen Surfen im Netz kaum ausreicht - Nutzer können sich verraten, wenn sie nicht zusätzlich ihre Surf-Gewohnheiten ändern und zum Beispiel auf ein Login bei Twitter oder Facebook verzichten - gibt es hier offenbar großen Bedarf.

Wer nicht so lange warten will, bis ein neues Crowdfunding-Projekt startet, kann selbst aktiv werden. Mit ein wenig Bastelarbeit lässt sich ein kleiner Tor-Router, der den kompletten Internetverkehr absichert, auch selbst basteln. Die nötigen Teile gibt es für rund 65 Euro. Wie genau das funktioniert,erklären wir Ihnen in diesem Artikel.

Eine andere Möglichkeit ist es, mit Tails zu arbeiten. Das ist ein Betriebssystem, in das Tor schon fest eingebaut ist, das von CD-ROM oder von einem USB-Stick startet. Hier erfahren Sie mehr darüber .

Anmerkung: Der Autor hat das Projekt ursprünglich auf Kickstarter unterstützt.

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