Statt lebenslänglich Angeblicher Anonymous-Hacker zu Geldstrafe verurteilt

Einem mutmaßlichen Anonymous-Aktivisten drohte in den USA eine lange Haftstrafe - bis jemand verstand, dass die "Hacker"-Angriffe wohl gar nicht so schlimm waren. Kritiker bemängeln jetzt die Unklarheit der Gesetze.

Aktivist mit Anonymous-Maske (Archivbild): Vorwürfe weniger tragfähig als vermutet
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Aktivist mit Anonymous-Maske (Archivbild): Vorwürfe weniger tragfähig als vermutet


Das Verfahren gegen einen 28-jährigen Texaner, der angeblich in Verbindung zum Hacker-Kollektiv Anonymous steht, hat eine erstaunliche Wendung genommen: Statt zu lebenslanger Haft wurde Fidel S. zu einer Geldstrafe verurteilt.

Noch vor wenigen Monaten sah sich der junge Mann mit einer Anklage konfrontiert, die ihm in insgesamt 44 Fällen schweren Computerbetrug und Online-Stalking vorwarf. Dabei handelt es sich um Verbrechen, die auf Grundlage des inzwischen völlig veralteten Computer Fraud and Abuse Acts (CFAA) von 1986 und des Gesetzes gegen Online-Stalking jeweils mit einer Höchststrafe von zehn Jahren Gefängnis geahndet werden können. S. hätte also - rein theoretisch - eine Höchststrafe von 440 Jahren Gefängnis gedroht.

Doch wie das Magazin "Wired" nun berichtet, haben sich die Strafverfolger mit S. auf einen Vergleich geeinigt. Die Vorwürfe wurden auf geringfügige Vergehen reduziert, gegen eine Zahlung von 10.000 Dollar stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein.

Die Anschuldigungen bezogen sich auf Vorfälle aus dem Januar 2012. An zwei Tagen führte S. mehr als 14.000 Zugriffsversuche auf die Website des Bezirks Hidalgo aus. Die DDoS-Attacke soll zur Folge gehabt haben, dass die eigentlichen Admins ausgesperrt blieben.

Dann gehöre auch halb Twitter hinter Gitter

Die Strafverfolger hatten dieses Ereignis ursprünglich in verschiedene Delikte zerlegt. S. wurde unter anderem das Verteilen von Junk-Daten in 18 Fällen vorgeworfen, daneben die Untersuchung von Websites auf etwaige Schwachstellen in 15 Fällen und schließlich die Attacke auf die Bezirks-Website an sich.

Bei näherem Hinsehen hätten sich die Vorwürfe jedoch als wenig tragfähig entpuppt, wie S.' Anwalt Tor Ekeland gegenüber "Wired" ausführt. Was in der Anklageschrift als 15-faches Hacken und damit als mehrfacher Verstoß gegen den CFAA gewertet wurde, seien tatsächlich mehrere Angriffsversuche gegen dieselbe Website innerhalb weniger Minuten gewesen.

Während die dürre Mitteilung der Staatsanwaltschaft über den Vergleich diesen Hintergrund ausspart, hält die Kritik an der unklaren Gesetzeslage an. Und die bietet offenbar durchaus Diskussionsbedarf: Die Behörden hatten S. Online-Stalking vorgeworfen, da sein Opfer "erheblichen emotionalen Stress" erlitten habe. Der Anwalt sah aber auch in diesem Fall nur ein geringes Vergehen: "Wenn das wiederholte Ausfüllen eines Eingabefeldes Online-Stalking ist, dann gehört halb Twitter hinter Gitter", so Ekeland.

meu



insgesamt 2 Beiträge
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bugdom 27.11.2014
1.
Wann lernt ihr es denn endlich? Ein Bleistift ist länglich. Das "länglich" beschreibt seine Form (in seiner Länge)! Ein Seil, eine Schlange oder eben auch eine Strafe ist "lang", im Letzteren "lang andauernd". Noch dazu ist die Länge einer Strafe eine zeitliche und nicht eine örtliche Beschreibung. Dauert die Strafe sogar ein Leben lang, so ist sie lebenslang. Wer sein Geld mit Sprache verdient, sollte sie auch beherrschen!
two-wheels 27.11.2014
2. Und was hat.....
.....ihr Geschreibsel jetzt mit dem Artikel zu tun? für unnötige Kommentare in Foren wie diesen gibt es ab jetzt lebenslang lebenslänglich.
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