Operation KKK Anonymous enttarnt Mitglieder des Ku-Klux-Klans

Das Netz-Kollektiv Anonymous hat eine Liste mit Namen und Social-Media-Profilen veröffentlicht. Es soll es sich um Mitglieder des Ku-Klux-Klans handeln. Ein Blick in den Datensatz zeigt: So sehen Profile von Rassisten aus.

KKK-Zeremonie in Virginia (2014): Bilder von Runen und den Minions
REUTERS

KKK-Zeremonie in Virginia (2014): Bilder von Runen und den Minions


"Hoods off" heißt es am späten Donnerstagabend schließlich vom Twitter-Account der sogenannten Operation KKK, "Kapuzen runter". Schon vor Tagen hatte das Hacker-Kollektiv Anonymous über den Account angekündigt, Daten von 1000 Mitgliedern des Ku-Klux-Klan (KKK) ins Netz zu stellen. Nach einer Art Fehlstart ist der Datensatz jetzt da.

Nach der vollmundigen Ankündigung tauchte nämlich schon vor einigen Tagen eine Liste mit vermeintlichen KKK-Mitgliedern auf, auch Politikernamen standen darauf. Offenbar handelte es sich dabei aber um eine Fälschung, jedenfalls distanzierte sich jemand im Namen des Kollektivs per Twitter rasch von der Veröffentlichung.

Nun soll aber die richtige Liste auf der Plattform Pastebin stehen, mit Social-Media-Profilen von einzelnen Zellen des Ku-Klux-Klans in den USA und angeblichen Mitgliedern. Die Liste ist übersichtlich aufbereitet, in einer Zeile steht ein Name oder Spitzname, in den Zeilen darunter Informationen zur Person, selten eine E-Mail-Adresse oder Telefonnummer. Meist steht da das dazugehörige Profil auf Facebook, Google+ oder Twitter, manchmal sind es sogar mehrere.

Viele der Profile sind mittlerweile nicht mehr abrufbar, andere sind noch komplett öffentlich. Stichproben vermitteln einen stets ähnlichen Eindruck: Bilder von Runen, der Konföderierten-Flagge oder Pitbulls sind mehrfach zu sehen, dazwischen rassistische Parolen und auch vereinzelt Symbole des Ku-Klux-Klans. Doch es sind vielfach keine Organisations-Accounts, sondern Privatprofile: Rassistische Hassbotschaften, gemischt mit Bildern von den Minions oder Fotos von Kindern und Familie.

Nicht die erste Anonymous-Aktion gegen den KKK

Der KKK hat seine Hochphase lange hinter sich und ist heute eine Nischenvereinigung. In den Zwanzigerjahren hatte der Geheimbund noch mehrere Millionen Mitglieder, sie einte der Hass gegen Schwarze, gegen die sie gewaltsam vorgingen. Die Versammlungen und Aufmärsche der Mitglieder in Kutten und spitzen Kapuzen sowie die Symbolik eines brennenden Kreuzes sorgen seitdem für gruselige Bilder - allerdings hat die Vereinigung heute geschätzt höchstens 5000 Mitglieder.

Auf die haben es die Aktivisten von Anonymous schon länger abgesehen. Erst im November 2014 kaperten sie Twitter-Accounts des Ku-Klux-Klans. Nachdem ein weißer Polizist in Ferguson einen schwarzen Teenager erschossen hatte, gingen dort Menschen auf die Straße, der KKK hatte sich via Twitter eingemischt und den Demonstranten mit tödlicher Gewalt gedroht. Daraufhin startete Anonymous die sogenannte Operation KKK.

Die Daten stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen

Die aktuelle Veröffentlichung von Namen und Gruppen könne die Debatte über Rassismus in den USA befeuern, schreiben die Anonymous-Aktivisten im dazugehörigen Statement. Man wisse, dass die Aktion kontrovers sei und für viel Kritik sorgen werde. Die Daten seien durch bloße Recherche zusammengetragen worden, über Experteninterviews, "digitale Spionage" und öffentlich zugängliche Quellen. Elf Monate habe es gedauert, den Datensatz zusammenzutragen.

Der Tag der Veröffentlichung ist kein Zufall: Der 5. November ist ein besonderes Datum für die Anhänger des Netz-Kollektivs. Es ist der Tag, an dem der katholische Offizier Guy Fawkes im 17. Jahrhundert versucht hat, ein Sprengstoff-Attentat auf das Parlament und den König zu verüben. Die berühmten Masken der Anonymous-Anhänger sind Guy-Fawkes-Masken, seit dem Comic und dem Film "V wie Vendetta" auch ein Symbol für Solidarität im Kampf gegen Unterdrückung. Guy Fawkes gilt den Anhängern von Anonymous als eine Art Schutzpatron. So wurde der 5. November zum Aktionstag, an dem sich Hacker-Angriffe und Veröffentlichungen häufen.



insgesamt 20 Beiträge
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vox veritas 06.11.2015
1. Freiheit für Information ...
... ist eine tolle Sache. Bis die eigenen Daten betroffen sind. Die Identität von den Anonymous Mitgliedern ist und bleibt selbstverständlich geheim.
Gilia 06.11.2015
2.
Mein Problem mit solchen Veröffentlichungen: wer garantiert, dass ALLE Namen auf solchen Listen zu "bösen" Menschen gehören? Anonymous? Ja, einige Profile werden sicher (z.B. von Journalisten, oder auch vom interessierten User) überprüft. Aber bei einer Liste von 1000 Leuten wird sich wohl kaum jemand die Mühe machen, alle Profile selber zu kontrollieren. Da werden dann die ersten 10 mal angeschaut (und bei denen stimmt auch alles), danach überfliegt man nur noch die Namen. Und dann taucht da vielleicht plötzlich ein bekannter Name dazwischen auf. Und das angegebene Profil ist "nicht verfügbar". Da könnte man dann auf den Gedanken kommen, dass dieser bekannte Jemand offensichtlich schnell genug reagiert hat und das Profil gelöscht oder für die Öffentlichkeit gesperrt hat. Also stimmt das ja sicher, was die anonyme Truppe von Anonymous behauptet. Und der hat bestimmt Dreck am Stecken. Oder natürlich, er hat gar nicht damit zu tun und ist nur durch ein Versehen (?) auf der Liste gelandet - und das vermeintlich so verräterische Profil hat nie existiert. Aber der Ruf ist trotzdem ruiniert...
dolemite 06.11.2015
3. ...
Zweifelhafte Aktion. Nicht sonderlich intelligent und kreativ- der reaktionäre Gehalt ist hoch.
brainstorm 06.11.2015
4. Pegida, NPD, AFD & Co.
Es wird Zeit, dass sich Anonymous mal unseren deutsche KKK-Verschnitt zur Brust nimmt. In einem Abschwasch koennte man sich auch gleich der deutsche Fake-Neonazi-Anon FB-Truppe entledigen.
manni.baum 06.11.2015
5. ausgerechnet Guy Fawkes
als Schutzpatron, Guy Fawkes wäre heute auch beim KKK.
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