Protest gegen Zensur Anonymous kapert Hunderte chinesische Websites

Angriffsziel China: Aktivisten, die sich als Anonymous China bezeichnen, haben angeblich Hunderte Web-Seiten chinesischer Behörden und Unternehmen zeitweilig übernommen. Wo sie erfolgreich waren, hinterließen die Angreifer eine Drohung gegen die Machthaber in der Volksrepublik.
Bildschirmfoto einer gehackten Website: Botschaft an das chinesische Volk

Bildschirmfoto einer gehackten Website: Botschaft an das chinesische Volk

Foto: AP

Internetaktivisten, die sich zu der losen Gruppierung Anonymous zählen, haben am Donnerstag offenbar etliche chinesische Web-Seiten gekapert. Via Twitter  hatten die Aktivisten ihre Aktion angekündigt und auf der Plattform Pastebin  eine Liste ihrer Angriffsziele veröffentlicht. Dem Dokument zufolge haben sie bei rund 500 chinesischen Websites ein sogenanntes Defacement durchgeführt, also die Startseite durch eine eigene Seite ersetzt.

Zu den Zielen gehörten neben einigen Regierungs- und Behördenportalen überwiegend kommerzielle Angebote wie etwa Mode-Web-Seiten und Netzpräsenzen von Industriefirmen. Am Donnerstagmittag war allerdings eine Großteil der aufgelisteten Angebote problemlos erreichbar.

Eine stichprobenartige Prüfung der von den Aktivisten aufgeführten Seiten zeigte nur bei wenigen einen Hinweis auf gerade ausgeführte Wartungsarbeiten. Die Nachrichtenagentur AP  berichtet, chinesische Offizielle würden bestreiten, dass eine Online-Angriff stattgefunden habe und dass überhaupt Seiten gekapert wurden.

Bilder gehackter Seiten zeigen allerdings eine Nachricht, mit der die Aktivisten auf die Hintergründe für ihren Angriff hinweisen wollen. In einer "Nachricht an die chinesische Regierung" heißt es unter anderem: "Liebe chinesische Regierung, ihr seid nicht unfehlbar. Heute werden Websites gehackt, morgen wird euer abscheuliches Regime fallen." Im Hintergrund wurde dazu der The-Who-Song "Baba O'Riley" gespielt, der auch als Titelsong für die US-Krimiserie "CSI:NY" herhalten muss.

In einer Botschaft an das chinesische Volk wurden Leser der gekaperten Seiten darauf hingewiesen, dass "die Regierung das Internet in ihrem Land kontrolliert und versucht herauszufiltern, was sie als Bedrohung für sich ansieht". Im Folgenden werden chinesischen Internetnutzer aufgefordert, beim Websurfen Anonymisierungsdienste wie Tor zu verwenden. Ein eingebetteter Link führte zu Anweisungen, wie man die chinesischen Zensurmaßnahmen umgehen kann.

mak
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