Antwort auf Phonoverbands-Chef Gebhardt Sieben Thesen zerlegt

Die "sieben Thesen" des Phonoverbands-Chefs Gerd Gebhardt zum Thema Musik-Flatrate haben einigen Staub aufgewirbelt. Das "Fairsharing-Netzwerk" sieht die Sache natürlich ganz anders. SPIEGEL ONLINE dokumentiert den direkten Widerspruch gegen Gebhardts Thesen.

Verfasser der folgenden Stellungnahme zu Gerd Gebhardts "Sieben Thesen" ist das "Fairsharing-Netzwerk", in dem sich die Attac AG Wissensallmende, Netzwerk Neue Medien, Privatkopie.net, Grüne Jugend und andere zusammen gefunden haben. Wir geben ihr Statement im Wortlaut wieder.

"1. Die Flatrate ist keine Enteignung der Musiker. Im Gegenteil: vielmehr werden sie in Zukunft für die Nutzung ihrer heruntergeladenen Musik vergütet. Der Vergleich von Musik mit materiellen Gütern wie Fahrrädern ist unsinnig. Niemand hat einen direkten Nachteil, wenn seine Musik verbreitet wird, während ein Fahrrad zu einer Zeit immer nur von einer Person benutzt werden kann. Geistiges Eigentum ist ein vom Staat verliehenes temporäres Monopol, um die Verbreitung der Kultur zu fördern. Kann dieser Zweck auch ohne Monopol erreicht werden, ist es aufzuheben oder abzuschwächen.

2. Die Musik- und Filmflatrate ist derzeit noch nicht Gesetz. Eine Umsetzung auf europäischer oder internationaler Ebene wäre jedoch möglich. Das Urheberrecht ist schließlich nicht statisch, sondern wird gerade in letzter Zeit ständig geändert. In einem internationalen Statement von VerbraucherschützerInnen und WissenschaftlerInnen [Link: Berlin-Declaration: www.contentflatrate.org] wird daher die Flatrate in die aktuelle Debatte um eine neue EU-Richtlinie zu Verwertungsgesellschaften eingebracht.

3. Die Musikindustrie war es, die innovative Musikfirmen der New Economy mit Prozessen überzogen und so vernichtet hat. Paradebeispiel hierfür ist MP3.com. Der heutige Bestand an Online-Musikfirmen ist nur ein müder Abklatsch der Situation im Jahr 2000. Insofern ist das Argument der Musikindustrie zynisch, dass durch die Flatrate die Online-Musikshops untergehen würden. Die Legalisierung von P2P-Netzwerken würde kleinen und mittleren Unternehmen zahlreiche Betätigungsmöglichkeiten bieten, auch im Bereich der Musikproduktion- und Vermarktung geben, die gegenwärtig von den vier großen Musikkonzernen monopolisiert werden.

4. Es gibt kein perfektes Bezahlungssystem, heute haben wir die Situation, dass viele Leute gar nichts für Musik zahlen und andere überteuerte CDs kaufen. Pauschale Abgaben haben sich z.B. bei der Krankenversicherung oder der Abgabe auf Leerkassetten sehr bewährt. Wichtig ist hierbei, dass sich die Höhe der Flatrate daran orientiert, wie viel das Internet genutzt wird. Die Oma, die per Modem E-Mails verschickt, zahlt nur einen Bruchteil dessen, was jemand mit DSL-Flatrate bezahlt. Die Vergütung der Musiker hingegen wird mit einer Flatrate weitaus gerechter ablaufen als bisher, da ziemlich genau gemessen werden kann, welches Lied wie oft abgespielt wird.

5. Im Augenblick wird ein riesiger Apparat bei Polizei, Staatsanwaltschaft, Gerichten und der Musik- und Filmindustrie aufgebaut, um Filesharer zu verfolgen. Die Verwaltungskosten einer Musik- und Filmflatrate wären mit Sicherheit wesentlich geringer - und den Bürgerrechten zuträglicher. Vor allem könnte sie ohne die Datensammelwut und die Einschränkungen der von der Industrie vorgeschlagenen Lösungen wie Digital Rights Management auskommen.

6. Wir schätzen die Höhe einer Flatrate, die die Mindereinnahmen von Musik- und Filmindustrie ausgleicht, auf ca. 5¤ pro Monat für eine DSL Flatrate. Für die USA gibt es detaillierte Berechnungen, die zu den gleichen Zahlen kommen. Die genauen Zahlen müssen durch Aushandelung zwischen MusikerInnen, der Industrie und den UserInnen gefunden werden.

7. Das freie Tauschen von Musik und Filmen ist nur mit polizeistaatlichen Mitteln wirklich zu unterbinden. Der Sprachgebrauch von Herrn Gebhardt ist hier bezeichnend: Der Kampf müsse mit allen Mitteln geführt werden. Das zeigt, wie weit die Musikindustrie gehen will: Um das eigene Geschäftsmodell zu erhalten, ist sie bereit, die Bürgerrechte mit Füßen zu treten. Mit einer Flatrate würde dem Überwachungswahn Einhalt geboten werden können.

Fazit: Wir sollten die Chancen der neuen Medien nutzen, allen eine ungeahnte Vielfalt an Musik zukommen zu lassen und dabei die Kreativen fair zu vergüten. Das Modell der Musik- und Filmindustrie beruht auf Einschränkung und Überwachung und ist mit dem Ideal eines offenen Netzes und einer freien Gesellschaft nicht vereinbar.

Unser Konzept für Faires Filesharen hingegen schafft eine gerechte Lösung für alle und fördert die Freiheit im Netz anstatt sie für die Interessen der großen Plattenfirmen zu opfern.

Das Fairsharing-Netzwerk (Attac AG Wissensallmende, Netzwerk Neue Medien, Privatkopie.net, Grüne Jugend u.A.)

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