Kritik an Medienbericht Tech-Firmen wehren sich gegen Spionagechip-Vorwurf

Stecken chinesische Spionagechips in den Servern von Apple, Amazon und weiteren Konzernen? Ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg sorgt für Unmut bei den Tech-Firmen - an dem Text sei "nichts Wahres dran".
Platinen-Produktion

Platinen-Produktion

Foto: © CHRIS KEANE / Reuters/ REUTERS

Apple-CEO Tim Cook machte den Anfang, nun springen ihm Amazons Cloudsparten-Chef Andy Jassy und SuperMicros-Vorstandsvorsitzender Charles Liang bei: Alle drei fordern die Finanznachrichtenagentur Bloomberg auf, ihre Story über angebliche Hardware-Hintertüren in SuperMicro-Servern zurückzuziehen.

Cook hatte "BuzzFeed" vor ein paar Tagen gesagt : "An ihrer Story über Apple ist nichts Wahres dran. Sie müssen jetzt das Richtige tun und den Artikel zurückziehen."

Amazons Jassy twitterte  daraufhin: "Tim Cook hat Recht. Die Bloomberg-Story ist auch hinsichtlich Amazon falsch. Die Reporter legten uns keine Beweise vor, ihre Story veränderte sich immer wieder, und sie zeigten kein Interesse an unseren Antworten, sofern die ihre Theorien nicht belegten. Die beiden wurden hereingelegt oder haben sich Freiheiten genommen. Bloomberg sollte zurückziehen."

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Und Liang schrieb  dem TV-Sender CNBC: "Bloombergs Story verunsichert und besorgt unsere Kunden und schadet ihnen wie auch uns. Bloomberg sollte verantwortungsbewusst handeln und die unbewiesenen Anschuldigungen, es seien bei der Herstellung bösartige Komponenten in unsere Platinen implantiert worden, zurückziehen."

17 anonyme Quellen, keine Belege

Zur Erinnerung: In dem Artikel "The Big Hack"  hieß es, chinesische Auftragsfertiger seien vom chinesischen Militär gezwungen worden, winzige Spionagechips in den Hauptplatinen von Servern zu verstecken, die in SuperMicros Servern und letztlich in den Rechenzentren von Apple, Amazon und Dutzenden weiteren US-Unternehmen und - Einrichtungen gelandet seien. Das FBI ermittle in dem Fall. Bloomberg steht bis heute zu seinen Reportern und ihrem Artikel, in dem sie sich auf 17 anonyme Quellen in US-Regierungskreisen sowie bei Apple und Amazon selbst berufen.

Die aktuellen Forderungen der drei Topmanager nach einer Rücknahme sind die jüngsten Äußerungen in einer langen Reihe von Dementis und kritischen Anmerkungen zu Bloombergs vermeintlichem Knüller. Mittlerweile sind es so viele, dass wir sie zur besseren Übersicht in der folgenden Fotostrecke auflisten:

Fotostrecke

Bloombergs Spionage-Story: Die Dementis

Foto: Pablo Martinez Monsivais/ AP

Hinzu kommen die Dementis von Amazon, Apple und SuperMicro, die schon im Bloomberg-Artikel selbst stehen.

Der Aktienkurs von SuperMicro hat sich noch nicht erholt

SuperMicro steht im Zentrum der Vorwürfe und ist deshalb besonders aktiv. So schrieb das Unternehmen dem SPIEGEL auf Anfrage: "Wir sind zuversichtlich, dass die Anschuldigungen nicht wahr sind. Niemand hat uns eine Platine mit nicht autorisierten Chips gezeigt, wir wissen von keinem nicht autorisierten Chip, und keine Regierungsbehörde hat uns alarmiert, dass solche Chips existierten."

Seinen Kunden schrieb SuperMicro einen Brief , in dem es heißt: "Wir vertrauen darauf, dass Sie anerkennen, wie schwierig es ist zu beweisen, dass etwas nicht geschehen ist. (...…) Trotz des Mangels an Beweisen für die Existenz der bösartigen Chips, nehmen wir eine komplizierte und zeitaufwendige Prüfung vor, um die Vorwürfe im Artikel auszuräumen." Gemeint ist eine weitere Prüfung über die regulären Tests und Inspektionen hinaus.

Hintergrund könnte SuperMicros Aktienkurs sein. Der war nach der Veröffentlichung des Bloomberg-Artikels vor knapp drei Wochen um fast die Hälfte eingebrochen und liegt noch heute bei nur rund zwei Dritteln des Kurses von Anfang Oktober. Ende dieser Woche legt das Unternehmen seine Quartalszahlen vor, da will es Anlegern und Analysten sicherlich vermitteln, alles getan zu haben, um seinen Ruf wiederherzustellen. Auf die Frage, ob SuperMicro rechtliche Schritte gegen Bloomberg erwägt, antwortete das Unternehmen nicht.

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