Neue Flatrate-Angebote Mit wem es Apple aufnehmen will

Neues Abo-Angebot für Magazinleser, Mobilspieler sowie Film- und Serienfans: Apple mischt mit neuen Flatrates den Digitalmarkt auf - und trifft dort teils auf seit Jahren etablierte Anbieter.

Apps von Netflix und Amazon Prime Video
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Apps von Netflix und Amazon Prime Video

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In Cupertino hat Apple am Montagabend seine Neuheiten vorgestellt. Diesmal waren es keine Smartphones oder Tablets, sondern sofort oder ab Herbst abonnierbare Services, die dem Unternehmen Monat für Monat verlässlich Geld einbringen sollen.

  • Der Video-Streamingdienst Apple TV+ etwa soll im Herbst mit exklusiven Filmen und Serien von Hollywoodstars wie Steven Spielberg und Jennifer Aniston aufwarten. Was der unter anderem über Apple-Geräte und Smart-TVs mögliche Zugang kosten wird, ist noch unklar.
  • Nach ähnlichem Prinzip wie Apple TV+ funktioniert die Gaming-Flatrate Apple Arcade: Sie ermöglicht ebenfalls ab Herbst temporär den Zugriff auf exklusiv für den Dienst produzierte und auf iPhones, iPads, Macs und Apple TV lauffähige Videospiele. Auch hier steht der Preis noch aus.
  • Eine Apple News+ genannte Journalismus-Flatrate dagegen lässt US-Kunden ab sofort und zu einem monatlichen Festpreis von 9,99 Dollar die Digitalversionen von US-Magazinen auf Apple-Geräten lesen.

All diese Dienste sind etwas Neues - vor allem aber für Apple selbst. Wie schon beim Thema Musik-Flatrates, wo nicht Apple Music, sondern Spotify der Pionier war, setzt das Unternehmen darauf, mit seinem Namen und Angebot bestehende oder gerade entstehende Märkte aufzumischen. Es folgt ein kurzer Überblick, wie es derzeit um die drei anvisierten Bereiche steht:

1) Film- und Serien-Flatrates

Viele Menschen schauen Serien und Filmen per Online-Streaming. Eine Bitkom-Befragung mit rund tausend Befragten aus Deutschland etwa führte 2018 zu dem Ergebnis, dass 37 Prozent davon zumindest gelegentlich kostenpflichtige Video-Streamingdienste nutzen, darunter auch Apples iTunes.

Viele Menschen dürften mit dem Stichwort kostenpflichtiges Videostreaming aber Flatrate-Angebote wie Netflix, Maxdome und Sky Ticket verbinden - etwas, das Apple bis jetzt fehlte. Für diese Dienste werden meist zwischen acht und zwölf Euro im Monat fällig, dafür lassen sie sich auf allerlei Geräten nutzen, vom Smartphone bis zum Smart-TV.

Die Flatrates unterscheidet sich vor allem durch selbstproduzierte oder eingekaufte, aber dann zumindest im Flatrate-Markt exklusive Inhalte. Wer etwa gern die Fantasyserie "Game of Thrones" in seinem Abo haben will, landet in Deutschland bei Sky. Und die Mysteryserie "Stranger Things" ist eine Netflix-Produktion und nur dort abrufbar. Manche Anbieter kooperieren aber auch, Netflix und Sky etwa arbeiten für einen Abodienst namens Sky Q zusammen.

Werbemails von Sky Ticket
Markus Böhm

Werbemails von Sky Ticket

Mitunter wird der Zugang zu Video-Flatrates regelrecht verramscht: Ehemalige Sky-Ticket-Kunden etwa bekommen oft Werbemails mit Spezialpreisen und Maxdome-Kunde wird manchmal auch, wer nur ein günstiges Bahnticket buchen wollte.

Ein Sonderrolle spielt Amazon Prime Video, die Video-Flatrate von Amazon, die Teil von Amazons wichtigstem Abodienst Prime ist. Prime bietet Amazon-Kunden für 69 Euro im Jahr oder 7,99 Euro im Monat eine Versand-Flatrate, aber eben auch Video- und sogar Musikstreaming. Amazon produziert auch eigene Serien für seine Prime-Kunden und zusätzlich zur Video-Flatrate bietet es seinen Kunden noch zusätzliche Streaming-Pakete wie "Arthouse Cinema" an, die sich für einige Extra-Euro pro Monat hinzubuchen lassen. Ähnliches plant nun auch Apple mit sogenannten Apple TV Channels.

Es wird sich zeigen, ob Apples angekündigte Exklusivinhalte auch in Deutschland zugkräftig genug sind, damit sich Kunden für Apple TV+ statt etwa für Prime Video oder Netflix Geld ausgeben oder gar zusätzlich investieren. Zumal zum Beispiel auch Disney an einem eigenen Streamingdienst arbeitet.

In die Karten spielt Apple aber, dass viele Videodienste monatlich kündbar sind. Und gegenüber den anderen Diensten hat der Konzern den Vorteil, dass es seinen Streamingdienst ganz einfach auf vielen Millionen Geräten verankern kann: Er ist nämlich unkompliziert über die Apple-TV-App nutzbar. Zusatzschritte wie ein weiterer App-Download entfallen so. Insgesamt auf mehr Geräten lauffähig sein dürfte aber Netflix.

2) Nachrichten-Flatrates

Das neue Apple News+, das den Zugriff auf Magazine wie "Wired" ermöglicht und Konkurrenten auch mit seinem Design ausstechen will, startet zunächst nur in den USA und Kanada. Dabei hätte es in Deutschland - passende Deals mit Verlagen vorausgesetzt - nur einen direkten Rivalen.

Marktführer bei den verlagsübergreifenden Magazin-Flatrates ist hierzulande bislang Readly, ein Dienst aus Schweden. Readly kostet 9,99 Euro im Monat (oder, bei einem Abo über Apples App Store, 11,99 Euro) und läuft neben iOS auch auf Android. Kürzlich wurde es um Tageszeitungen wie "Bild" und "Welt" erweitert.

Readly-Werbebild
Readly

Readly-Werbebild

Der Dienst, den es auch in den USA gibt, hat Digitalversionen Tausender Zeitschriften aus aller Welt im Angebot. Zu den bekannteren deutschen Titeln zählen "Hörzu", "Sport Bild", "Men's Health", "inTouch", und "Cosmopolitan", dazu kommen viele Special-Interest-Zeitschriften wie das Games-Magazin "Gamestar" und das Angler-Magazin "Blinker". Von den Magazinen aus dem Angebot sind jeweils die aktuellen, oftmals aber auch ältere Ausgaben verfügbar.

Eine schmale Auswahl digitaler Zeitschriften steht auch Amazon-Prime-Kunden ohne Zusatzkosten zur Verfügung: Über die Rubrik "Prime Reading" können sie beispielsweise den "Kicker" und das Polit-Magazin "Cicero" lesen.

3) Games-Flatrates

In seine Games-Flatrate Apple Arcade will Apple rund 100 neue und exklusive sowie offline spielbare Spiele packen, die frei von nervigen Zusatzkäufen sind - zum Start sollen es um die hundert Titel sein. Das klingt attraktiv, sollte der Preis stimmen.

Apple-Arcade-Werbebild
APPLE/ EPA-EFE/ REX

Apple-Arcade-Werbebild

Bislang scheinen nämlich auch auf dem iPhone Free-to-play-Spiele wie "Fortnite" und "Candy Crush Saga", die grundsätzlich kostenlos sind, aber kostenpflichtige Extras beinhalten, besser anzukommen als Spiele, für die man vorab und dafür einmalig bezahlt. Die Frage wird sein: Wie reizvoll für Gelegenheitsspieler werden Apples neue Flatrate-Titel sein, solange solche Spiele weiter existieren?

Hinzu kommt: Die meisten Mobilspiele ohne Free-to-play-Elemente kosten weniger als zehn Euro. Ist dieser Betrag bezahlt, kann man sie für immer spielen. Man müsste also schon regelmäßig unterschiedlichste Premium-Games ausprobieren wollen, damit sich Apples Monatsabo rentiert, sollte es letztlich nur für jeweils einen Monat Zugang zu den Spielen gewährt.

Fürs Gaming auf PC und Konsole gibt es schon länger mehrere, teils Highlight-gespickte Spiele-Flatrates: Microsoft etwa hat den Xbox Game Pass samt Spielen wie "Forza Horizon 4" für 9,99 pro Monat im Angebot. Sony verlangt für Playstation Now 15 Euro im Monat oder 99 Euro Jahr, samt "Bloodborne".

"Bloodborne"
Sony

"Bloodborne"

Außerdem gibt es noch EA Access beziehungsweise Origin Access von Electronic Arts (EA) mit Titeln wie "Mass Effect Andromeda" - für vier Euro im Monat oder 25 Euro pro Jahr. Unter dem Namen Origin Access Premier hat EA auch eine Luxusversion seiner Flatrate mit aktuelleren Spielen im Angebot.

Und für Liebhaber von PC-Indie-Spielen gibt es noch das Paket Humble Monthly, bei dem man für 12 Dollar im Monat Zugriff auf Games meist kleinerer Studios bekommt. Hier kann man die Spiele nach Abschluss des Abos auch noch weiterspielen.

Einen großen Unterschied zum Apple-Angebot gibt es aber: Die Spiele in all diesen Games-Abos sind keine Exklusivtitel. Mit der Arcade-Flatrate versucht Apple also tatsächlich etwas ganz Neues.

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insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
echoanswer 26.03.2019
1. Flatrate ist der Apple-Name
für Abo. Alles klar. Noch ein Streamingdienst. Wer braucht den? Ach ja, die, die auch veraltete Hardware zu total überteuerten Preisen kaufen. Wegen des Lebensgefühls. Apple macht wieder einmal das, was es am besten kann. Abkupfern
DrStrang3love 26.03.2019
2.
---Zitat--- Einen großen Unterschied zum Apple-Angebot gibt es aber: Die Spiele in all diesen Games-Abos [Xbox Game Pass/PS Now/EA Access/Humble Monthly] sind keine Exklusivtitel. ---Zitatende--- Nicht wirklich: zumindest einige der angekündigten Spiele bei Apple Arcade sind *nicht* exklusiv für den Dienst, darunter zum Beispiel Overland, Sonic Racing und The Pathless, die alle bereits für andere Plattformen angekündigt sind, z.T. sogar den Mac.
Longboarder 26.03.2019
3. Einfach die Netflix App verbieten!
Demnächst wird dann wohl die Netflix App gegen die Apple Richtlinien verstoßen und aus dem App Store gebannt. Und schon hat Apple seine exklusiven Inhalte. Schön, wie das so einfach funktionieren wird, zum Wohle des Users.
Thomasvon Bröckel 26.03.2019
4. Gähn
Wen will man damit hinter dem Ofen hervor locken? Gibt es alles bereits und das ganze Angebot scheint mir doch wieder sehr auf die Interessen der US-Kundschaft zugeschnitten. Echte Innovationen sehen anders aus...
m_s@me.com 26.03.2019
5. Sky Ticket: Bemitleidenswerter Vergleich mit Apple TV+
Ein Vergleich zwischen einem deutschen und amerikanischen Dienst, der wie immer recht bemitleidenswert für die das deutsche Angebot ausfällt. Sky Ticket ist ein Film-Sammelsurium. Hatte ich kurz abonniert und nie benutzt, reine Geldverschwendung. Apple will eigenen Content machen, das ist eine ganz andere Herangehensweise.
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