Apple gegen Fans II Blogger müssen Quellen offenlegen

Im Prozess des Computerherstellers Apple gegen einige seiner treuesten Fans ist jetzt ein Urteil ergangen. Die Betreiber mehrerer Fanseiten müssen nach dem Willen des Gerichtes ihre Quellen offenlegen. Das Unternehmen versucht auf diese Weise, den unerwünschten Informationsfluss aus dem eigenen Haus zu stoppen.


Apple-Fans: Durchgesickerte Informationen
AFP

Apple-Fans: Durchgesickerte Informationen

Im Rechtsstreit um durchgesickerte Informationen aus dem Hause Apple ist ein Urteil gefällt worden, das Blogger weltweit ärgern dürfte: Die Betreiber von drei Webseiten, auf denen laut Apple geheime Firmeninformationen veröffentlicht worden waren, müssen ihre Quellen offenlegen. Das entschied Richter James P. Kleinberg vom Santa Clara County Superior Court in San Jose, Kalifornien. Apple will so an die vermutlich im eigenen Haus versteckten Plaudertaschen herankommen.

Eine grundsätzliche Frage, die im Vorfeld diskutiert worden war, klärte der Prozess allerdings nicht: Ob die Betreiber der Apple-Fanseiten "Apple Insider", "Think Secret" und "PowerPage" von den gleichen Gesetzen geschützt werden wie Journalisten. Die Urteilsbegründung basiert vielmehr auf der Einschätzung, das es sich bei den veröffentlichten Informationen - es ging um eine Musiksoftware mit dem Codenamen "Asteroid" - um Geschäftsgeheimnisse handele, und das sie deshalb ähnlich behandelt werden müssten wie Diebesgut.

"Gestohlenes Eigentum, wie ein Laptop"

Die Informationen seien "gestohlenes Eigentum, ebenso wie jeder physische Gegenstand wie etwa ein Laptop mit der gleichen Information auf der Festplatte", entschied der Richter. "Das Recht, solche Informationen zu bewahren ist ... essentiell für die Zukunft von Technologie und Innovation", sagte der Richter laut der "New York Times".

Der "PowerPage"-Betreiber Jason O'Grady hatte gefordert, wie ein Journalist seine Quellen schützen zu dürfen, Richter Kleinberg aber entschied, im vorliegenden Fall sei Quellenschutz nicht das Thema: "Ob er die Definitionsmerkmale mitbringt um ein Journalist, ein Reporter, ein Blogger oder irgendetwas anderes zu sein, muss an dieser Stelle aus einem fundamentalen Grund nicht entschieden werden: Niemandem wird das Recht eingeräumt, das Strafrecht zu verletzen."

Die Bürgerrechtsorganisation "Electronic Frontier Foundation", die die Webseitenbetreiber unterstützt, will nun in Berufung gehen. "Ich hatte gehofft, das Gericht würde anerkennen, wie wichtig es ist, die Vertraulichkeit von Quellen zu schützen", sagte Kurt Opsahl, einer der Anwälte der Organisation, der "New York Times". "Es ist sehr einfach für eine Firma, von jedem Stück Information zu behaupten, es sei ein Geschäftsgeheimnis."

Apple wollte das Urteil nicht kommentieren, ein Sprecher verwies nur auf den Wortlaut der Urteilsbegründung.

Das Urteil über die Apple-Blogger fällt in eine Zeit, in der das Thema Quellenschutz in den USA heiß diskutiert wird. Unter der Regierung Bush sollen auch Journalisten von Tageszeitungen und Fernsehredaktionen mit juristischem Druck zur Offenlegung ihrer Quellen gezwungen werden, wie DER SPIEGEL in der aktuellen Ausgabe berichtet.



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