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10. Juli 2013, 10:20 Uhr

Fehler in Karten-App

So schön faltet Apple die Welt zusammen

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Hauptstraßen stürzen wie Wasserfälle herab, der Asphalt auf Autobahnkreuzen fließt langsam den Abhang hinunter: So sieht es aus, wenn sich Apples Kartendienst verrechnet. Ein schwedischer Programmierer sammelt die schönsten Fehler der Karten-App.

Eine Falte durchzieht Stockholm, zumindest auf Apple Maps. Eine Hauptstraße sackt mittendrin um mehrere Meter ab, links von diesem Dimensionsriss zeigt die Karten-App die Häuser dreidimensional an, rechts davon ist Stockholm komplett flach. Als Digitaldruck auf eine Aluplatte gezogen, könnte diese merkwürdige Grafik in jeder Galerie hängen. Der Knick in der Karte bricht das perfekte, aus Satellitenfotos und Luftbildern berechnete Design der Online-Kartendienste.

Mit seinem Kartendienst hat Apple im Jahr 2012 ein Desaster erlebt. Die Software war so fehlerhaft, dass sogar Apple-Chef Tim Cook selbst den Nutzern geraten hat, auf Google Maps auszuweichen. Dass jedoch in den vielen Fehlern auch eine gewisse Schönheit liegt, hat der schwedische Entwickler Peder Norrby entdeckt - und sie archiviert.

Der Programmierer hat ein feines Gespür für gute Grafik. Norrby entwickelt als Ein-Mann-Firma die Grafiksoftware Trapcode, seit Jahren ein Standardwerkzeug für Motion Design in der Film- und Werbebranche. Der Schwede streift Ende 2012 auf Apple Maps durch seine Heimatstadt Stockholm. Er entdeckt den Dimensionsriss, macht einen Screenshot und veröffentlicht den bei Flickr.

Kunst aus Versehen

Seit dieser Entdeckung sammelt Norrby interessante Grafikfehler in Apple Maps, 45 hat er bereits veröffentlicht: Industrienanlagen, die verschwommen sind, als würde man durch klares Wasser blicken. Flugzeuge, deren Cockpit sich zu einem riesigen Maul nach innen wölbt. Ein Autobahnkreuz, auf dem der Asphalt wie ein Wasserfall herabstürzt. Norrby sucht weiter: "Ich liebe es, mit der Karten-App Städte und Länder zu betrachten. Ich kann stundenlang herumstreifen und mich umschauen."

Die schönen Fehler in der Satellitenansicht führt Norrby auf nicht ganz ausgereifte Software um, die aus zweidimensionalen Aufnahmen die isometrische 3-D-Sicht berechnet, "Maphotography" nennt Norrby diese Konstruktion. Mit ungewöhnlichen Strukturen kommen Apples Wirklichkeitsberechner nicht immer gut zurecht. So entstehen die Wasserfälle aus Hauptstraßen, versehentliche Kunst, die bald von besseren Algorithmen oder menschlichen Korrektoren beseitigt wird.

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