Apple tilgt Escape-Taste Ich bin ein Nerd, holt mich hier raus!

Die Escape-Taste war lange der wichtigste Notfallknopf des Computerzeitalters. Nun verabschiedet sich Apple von ihm. Kein Grund zur Panik, findet Angela Gruber.
Neue Touch Bar von Apple

Neue Touch Bar von Apple

Foto: SPIEGEL ONLINE

Der Vollbildmodus lässt sich nicht wegklicken, die Webseite lädt und lädt, man braucht dringend eine Pause im Horrorspiel. Für all diese kleinen Computerprobleme des Alltags gibt es eine einfache Lösung. Sie heißt: Escape-Taste. Wer sie drückt, erlebt ein zentrales, ermächtigendes Gefühl unserer Zeit.

Per Escape-Taste kann jeder noch so digital unkundige Mensch jede noch so schlaue Maschine wissen lassen: ICH BIN DEIN MEISTER. Der Wille des Nutzers geschehe, trotz laufender Rechenprozesse, der Escape-Taste sei Dank.

Die kleine Taste links oben auf der Tastatur ist der digitale Notausgang, eine Reißleine für den Ernstfall am Schreibtisch. Auf den gerade vorgestellten neuen Macbooks tilgt Apple nun aber die physische Taste, ja die ganze Reihe der Funktionstasten.

Stattdessen gibt es einen fingerbreiten Touchscreen, Touch Bar genannt. Je nach dem, welche App aktiv ist, wird die Leiste mit unterschiedlichen Funktionen belegt. Die Escape-Funktion, nach der Computernutzer jahrzehntelang blind tasteten, ist nur noch eine von vielen Möglichkeiten.

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In Zeiten von Touchscreens ist Apples Schritt richtig, die Funktionstasten haben ihre Funktion in den letzten Jahren immer weiter eingebüßt. Keine Grund zur Panik also.

Auf Twitter aber gebärdeten sich Nutzer, die von Apples Abschied von der Escape-Taste Wind bekamen, als würde man ihnen das WLAN abstellen wollen. Es kursiert der Hashtag #ripesc .

Komisch, dass es gerade auf Twitter immer wieder Gezeter gibt, wenn es um die Veränderung bekannter Technik geht, findet man doch an wenigen anderen Orten im Netz eine stärkere Ballung von Nutzern, die sich gern als digitale Avantgarde sehen (wie auch viele Apple-Nutzer). Allein in den letzten Wochen: Kaum ist das Gejammer um die Kopfhörerbuchse verstummt, schwillt neues an. Veränderungen ja -aber bitte nicht bei den Sachen, an die ich mich schon gewöhnt habe.

Psychologischer Geniestreich

Auch wenn zumindest für Apple-Nutzer mit viel Geld der Abschied naht: Die Geschichte der Escape-Taste bleibt ruhmreich. Ihren Ursprung hat die Taste im Jahr 1960. Damals entwickelte der IBM-Programmierer Robert William Berner, genannt Bob, eine Lösung für Coder, um zwischen verschiedenen Codesprachen hin- und herswitchen zu können.

Erst später wurde die Escape-Taste zu dem Notfallknopf für PC-Angelegenheiten, als die wir sie heute kennen. Auf deutschen Tastaturen ist die Escape-Taste ein seltenes Überbleibsel, das nicht eingedeutscht wurde, genau wie die Enter-Taste.

Schon die Benennung der Taste ist ein psychologischer Geniestreich. Nicht schnöde "Interrupt", unterbrechen, oder "Abort", verwerfen, hat man sie genannt, sondern eben "Escape". Das kann entkommen oder flüchten heißen, wird im Englischen aber auch verwendet, wenn man von etwas Schlimmem verschont wird. Das passte einfach.

Vielleicht rufen wir ja einfach, wenn etwas schiefgeht, in ein paar Jahren der intelligenten Sprachassistentin von Apple zu: Escape, Siri, Escape.

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