Kritik von Datenschützern Viele Apps sind zu neugierig

85 Prozent der Apps klären Nutzer nicht ausreichend darüber auf, welche persönlichen Informationen sie auslesen - und wollen Zugriff auf allzu viele Handy-Funktionen. Jetzt prüfen Datenschützer rechtliche Schritte gegen die Entwickler.
Apps auf dem Smartphone: Bezahlt wird oft in einer anderen Währung

Apps auf dem Smartphone: Bezahlt wird oft in einer anderen Währung

Foto: AP

Apps vereinfachen den Alltag vieler Nutzer. Die Anwendungen wissen, wann die Bahnen fahren, wie das Wetter wird und wie die Aktien stehen. Oft sind die kleinen Programme sehr günstig oder gar kostenlos. Doch die Nutzer zahlen in einer anderen Währung: mit ihren Daten. Allerdings weisen Entwickler nur ungern darauf hin, welche Informationen überhaupt gesammelt werden.

Datenschützer haben nun herausgefunden, dass 85 Prozent der Apps die Nutzer nicht ausreichend darüber aufklären, welche persönlichen Daten ausgelesen werden und wofür sie benutzt werden. Das geht aus einem Bericht des Global Privacy Enforcement Network (GPEN) hervor, einem Zusammenschluss internationaler Datenschutzbehörden. Auch Deutschland hat sich als Mitglied an der Studie beteiligt.

Viele Apps übertreiben es demnach auch mit der Datensammlung. Über ein Drittel der untersuchten Apps verlangt mehr Berechtigungen als für den Betrieb der Anwendung nötig wären. Für die Studie hat das GPEN im Mai dieses Jahres mehr als 1200 mobile Apps untersucht, darunter sowohl iOS- als auch Android-Anwendungen wie Spiele, Fitness-Anwendungen und Banken-Software. Die Forscher haben dabei kostenlose Apps und Bezahl-Software unter die Lupe genommen.

Privatsphäre-Einstellungen sind auf Smartphones oft kaum lesbar

Das Fazit: Fast alle Apps wollen Zugriff auf die Daten der Nutzer. 75 Prozent der Anwendungen fordern die Kontrolle über mindestens eine Funktion, etwa den Zugriff auf die Kamera, das Telefonbuch oder den aktuellen Aufenthaltsort. Mehr als die Hälfte der Anwendungen (59 Prozent) versteckt zudem die Informationen über die Privatsphäre-Einstellungen oder erschwert es dem Nutzer, sich darüber zu informieren.

So haben die Entwickler bei 43 Prozent der Apps laut GPEN die Privatsphäre-Informationen nicht an Smartphone-Bildschirme angepasst. Entweder sei die Schrift zu klein oder man müsse sich durch viele Seiten klicken um zu erfahren, auf welche Funktionen die App zugreift. Die Ergebnisse im Überblick zeigt folgende Infografik von Statista :

Statista-Infografik: Die meisten Apps können auf sensible Funktionen zugreifen

Statista-Infografik: Die meisten Apps können auf sensible Funktionen zugreifen

Foto: Statista

Für den Wissenschaftler Steven Murdoch ist das Ergebnis nach eigenen Angaben wenig überraschend. Der Computerexperte vom University College London weist darauf hin, dass die Apps häufig nur mittelbar für die mangelhafte Privatsphäre verantwortlich seien. Murdoch sagte der "BBC":  "Oft verursacht nicht die App selbst die Privatsphäre-Schwachstellen, sondern die Werbung, die eingebettet wird." Ziemlich oft wüssten die Entwickler selbst nicht, was der Code der Werbeanzeige verursache.

Die bayerischen iOS-Anwendungen schnitten am schlechtesten ab

GPEN will die betroffenen Software-Unternehmen auf die Ergebnisse hinweisen, die Vorschriften für Privatsphäre-Einstellungen überprüfen und in einigen Fällen rechtliche Schritte einleiten.

In Deutschland hat sich das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht an der Untersuchung beteiligt - und bereits erste Konsequenzen gezogen. App-Entwickler mit mangelhaften Datenschutz-Erklärungen seien angeschrieben worden, sagt Thomas Kranig, der Präsident der bayerischen Datenschutzaufsicht. "Es laufen bereits einige Bußgeldverfahren."

In vier Monaten will die Behörde eine genaue Anzahl nennen, wie viele der überprüften App-Anbieter bei der Untersuchung durchgefallen sind. Die Behörde hatte 60 zufällig ausgewählte Apps überprüft, darunter 30 internationale Apps und 30 bayerische. Im Durschnitt informierten fast alle Apps nur mangelhaft über Privatsphäre-Einstellungen, am schlechtesten schnitten jedoch die bayerischen iOS-Anwendungen ab.

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