April, April Internet wegen Überfüllung geschlossen

Das Web läuft über, und Iren rebellieren gegen Apples iPad: Zum 1. April narren Blogger, Medien und Internetfirmen die arglose Netznutzerschaft mit irren Nachrichten - viele entpuppen sich erst beim zweiten Hinschauen als Scherz.

Tja, es tut uns leid, aber das Internet ist voll. Kann man nichts machen, da müssen Sie warten, bis ein neues fertig ist. Die Internetverwaltung ICANN hat unterdessen die sogenannten Rootserver abgeschaltet, auf denen alle Internetadressen verwaltet werden. Ohne die geht leider gar nichts mehr - oder doch?

Ganz klar, es ist ein Aprilscherz, mit dem tagesschau.de  da auf sich aufmerksam macht. Aber kein übler. Vor allem die Hintergrundgeschichte, die sich die Autoren da ausgedacht haben, ist ganz reizend gelungen. Ein wenig vorwurfsvoll wird da von Experten berichtet, die schon seit Jahren davor warnen, die nach dem sogenannten IPv4-System verwalteten Adressen würden langsam zur Neige gehen, es sei an der Zeit, auf IPv6 umzusteigen, das viel mehr Adressen bereitstellen könnte, so dass auch jede Zahnbürste ihre eigene URL bekommen könnte.

Die wirklich allerallerletzte Adresse nach IPv4-Standard sei nun, früher als gedacht, vergeben worden. Vermutlich nach China natürlich, da wohnen ja so viele Leute und die wollen jetzt auch alle online sein. Jetzt seien "drastische Maßnahmen notwendig", um das Netz wieder zum Laufen zu bringen.

Die öffentlich-rechtliche Nachrichtenseite garniert ihren Scherz mit einigen wirklich brauchbaren Hintergrundinformationen zum Thema und vergisst auch nicht, zum Schluss einen unauffälligen Link zu einer Hotline einzustreuen, der in Wirklichkeit zu einer Seite führt, die wenig unterschwellig über die wahre Natur der aufregenden Meldung aufklärt.

So höflich sind allerdings nicht alle April-Scherzkekse. Nicht immer ist es so leicht, einen Scherz als Scherz zu identifizieren. Hätten Sie die folgenden Meldungen sofort richtig eingeordnet?

Geräteabgaben auf Musikinstrumente

Versteck die Blockflöte schnell, sonst könnte das teuer werden. So zumindest darf man eine Meldung von Telemedicus  interpretieren, der schreibt: "Neue Geräteabgaben für Musikinstrumente". Darin heißt es, die "Verwertungsgesellschaft für Aufführungsrechte GEMA und der Bundesverband der Instrumentehersteller (BVIH)" hätten sich auf der Musikmesse in Frankfurt "auf eine neue Geräteabgabe auf Musikinstrumente geeinigt und damit für heftige Proteste unter Musikern gesorgt".

Die Begründung für diese angebliche Abgabe liefert der angebliche Gema-Sprecher Jürgen Vogel, der sagt: "Ganze Generationen von Kindern haben Gassenhauer wie 'Alle Vögel sind schon da' zum Nulltarif insgesamt einem Millionenpublikum vorgeführt - kein Mensch meldet solche Veranstaltungen bei uns an." Doch damit soll es jetzt vorbei sein, jede Blockflöte, jede Wandergitarre soll mit einer Zwangsabgabe belegt werden.

unixkcd

Dieser Aprilscherz ist nur für Nerds - aber die lieben ihn. Der kultige Webcomic xkcd  erscheint zum 1. April in einer vollkommen mauslosen Version. Die Seite, auf der Randall Munroe, ein ehemaliger Nasa-Mitarbeiter, der bis vor wenigen Jahren noch an Weltraumrobotern arbeitete, seine kurzen Bildergeschichten veröffentlicht, öffnet sich nur Stück für Stück, wirft ein paar Zeilen Text aus, bevor der erste Comic erscheint.

Was erst auf den zweiten Blick auffällt: Das Browser-Fenster hat keine Scrollbalken, eine Bedienung per Maus ist unmöglich. Stattdessen erscheint unter der Bildergeschichte eine typische Unix-Zeichenfolge:

Welcome to the unixkcd console.
To navigate, enter "next", "prev", "first", or "last".
guest@xkcd:/$ c

Was Normaluser irritiert, dürfte Unix oder Linux zugeneigten Anwender frohlocken lassen: Statt per Elektronager wird die Seite über Textkommandos gesteuert. Geht ja auch viel schneller, behaupten Anhänger dieser Methode. Was gemein ist: vertippt man sich, bietet die Seite in Unix-Manier an, man solle "help" eintippen, um Unterstützung zu bekommen. Was man aber zu lesen bekommt, nachdem man einen solchen digitalen Hilferuf abgesetzt hat, ist alles andere als hilfreich.

EU-Minister wollen eigenes Social Network

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Die Minister der Europäischen Union misstrauen kommerziellen Social Networks wie Facebook oder MySpace, berichtet die ORF Futurezone . Man wolle deshalb "eine sichere europäische Alternative" bieten, so der französische geheime Staatssekretär Philippe de Vichy laut "Futurezone". Einen schönen Namen für das Minister-Network hat man sich in Brüssel auch ausgedacht: Heißen soll es demnach Futur Logiciel Autonome Utilitaire et Social pour la Connection des Humanoides International (FLAUSCHI). Wer sich dort anmelde, werde zum FLAUSCHI-Friend, so die "Futurezone". Der geheime Staatsekretär wird mit den Worten zitiert, es gebe schon "20 Millionen begeisterte Testuser", sie hätten sich, "an unseren Registrierungsstellen mit ihren Fingerabdrücken und DNA-Profilen angemeldet". Kommunikations- und Standortdaten soll FLAUSCHI praktischerweise automatisch speichern - und zwar satte 500 Millionen Jahre lang.

Ein Anti-iPad zum selber bauen

Hightech-Blogger Michael Arrington hat mit seinem Crunchpad Schiffbruch erlitten. Eigentlich sollte der Tablet-Rechner, den er unter dem Label seiner Tech-Web-Seite Techcrunch  vermarkten wollte, längst auf dem Markt sein, doch das hat nicht geklappt. Nun, so Arrington, stehen Tausende halbfertiger Crunchpads in chinesischen Lagerhallen.

Die sollen jetzt noch einem sinnvollen Einsatz zugutekommen, als "Crunchpad DIY" (Do-it-yourself) verkauft werden. Mit den 49 Dollar teuren Bausätzen kann man handelsübliche Note- oder Netbooks in waschechte Tablet-Computer verwandeln, verspricht Arrington. Viel Zubehör braucht man dafür nicht: eine Motorsäge, Hammer, etwas Klebeband. Wie das geht, zeigt der Chef-Blogger selbst in einem Video - und das macht Angst. Nicht etwa, dass er damit die Welt erobern könnte, sondern viel eher, dass er sich selbst bei den Bastelarbeiten ernsthaft verletzt haben könnte.

Porto für E-Mails kommt im Juni

Um notleidenden Postdienstleistern unter die Arme zu greifen und das zusammengefallene Steuersäckel zu stopfen, soll auf E-Mails hierzulande künftig ein Porto erhoben werden. Jede E-Mail soll dann einen Cent kosten, mit den Einnahmen würden Steuerausfälle kompensiert, so die offizielle Mitteilung . Für E-Mails, die per cc an mehrere Empfänger gleichzeitig verschickt werden, wird dementsprechend ein Mehrfaches des Einmal-Portos fällig. Kostenlose E-Mails seien "ein Schaden für alle Post-Unternehmen und damit auch ein wirtschaftlicher Schaden für die öffentlichen Haushalte".

Schnellentschlossene können allerdings Geld sparen: Wer sich noch am 1. April registriert, zahlt bis Ende 2010 nur 50 Prozent der eigentlich vorgesehenen Frankierungsgebühr. Sonderkonditionen gib es auch für Massen-E-Mails: Wer etwa 1000 Stück auf einmal verschicken will, zahlt nur 7,50 Euro. Noch sattere Rabatte gibt es für Unternehmen, die E-Mails in spamartigen Volumina auf den Weg bringen wollen: Unter dem Produktnamen "Superior Mail" können sie beispielsweise Pakete für 500.000 Einzel-E-Mails zum Vorzugspreis von 2500 Euro erwerben - ein Spammer-Nachlass von immerhin 50 Prozent.

Irische Protestorganisation könnte iPad-Start stoppen

Irischstämmige US-Amerikaner sind ein streitbares Völkchen. Die Paddies, wie sie von ihren Landsleuten mal mehr, mal weniger freundlich genannt werden, mögen es gar nicht, wenn man Witze auf ihre Kosten macht - und erst recht nicht, wenn man sich über ihre Kultur lustig macht. Nun meldet die Bürgerrechtsorganisation Féach ar na Féilire (FANF) laut " The Register " Protest gegen Apples in den USA ab Ostersamstag erhältlichen Tablet-Computer iPad an. Der Name des Produktes, das habe ein FANF-Sprecher "The Register" "über einen Übersetzer" mitgeteilt, sei bereits vor elf Jahren für einen mittlerweile abgestellten Online-Beratungsdienst für Gälisch sprechende Immigranten registriert worden.

Pádraig O'Súil sagte "The Register", man habe schon zigmal an Apple geschrieben, aber immer ohne Reaktion. Nun habe man die Anwälte eingeschaltet, um den iPad-Start in letzter Minute zu verhindern. Man habe es hier "mit einem weiteren Beispiel für Apples Arroganz gegenüber der amerikanisch-irisch-sprechenden Gemeinde" zu tun, "sowohl was die USA, als auch was Irland angeht". So gebe es bis heute keine Lokalisierungen für Apple-Menüs in Gälisch. Gleichzeitig stehle der Konzern "ständig" irische Vokabeln als Produktnamen. O'Súil konnte auf Nachfrage außer "Mac" auf Anhieb allerdings keine weiteren Beispiele nennen.

Ein Apple-Sprecher kommentierte die Kritik gegenüber "The Register" mit den Worten: "Saoire le do thoil teachtaireacht tar éis an ton."

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