Sperre in Mobil-Apps Telegram-Kanal von Attila Hildmann weitgehend blockiert

Sein Telegram-Kanal ist das wichtigste Onlinewerkzeug von Attila Hildmann. Seit Dienstag ist sein Auftritt dort stark eingeschränkt. Ganz verschwunden von der Plattform ist Hildmann aber nicht.
Kommunikations-App Telegram: Beliebtes Tool unter Verschwörungsgläubigen

Kommunikations-App Telegram: Beliebtes Tool unter Verschwörungsgläubigen

Foto: Sergei Konkov / dpa/TASS

Attila Hildmann hat einen Teil seiner Reichweite in der Messenger-App Telegram verloren. Seit Beginn der Coronakrise hatte der Vegankoch hier Verschwörungsmythen und rechtsextreme Inhalte an rund 100.000 Abonnenten verbreitet. Seit Dienstagnachmittag ist der Kanal in der iOS- und Android-Version der App nun nicht mehr wie gewohnt abrufbar.

Auf Android-Handys erscheint anstelle der Postings jeweils ein Hinweis »Diese Nachricht kann auf Telegram-Apps, die aus dem Google Play Store geladen wurde, nicht angezeigt werden.« Hildmanns viel kleinerer Ersatzkanal dagegen lässt sich am Mittwochvormittag über Telegrams Mobil-Apps problemlos ansteuern.

Was genau hinter der Einschränkung steckt, ist unklar, möglicherweise ist Telegram selbst aktiv geworden. Bisher ist das Unternehmen nicht dafür bekannt, rechtsextreme Inhalte im großen Stil zu löschen. Eine Studie aus dem vergangenen Jahr zeigte, dass Telegram auch rechtsterroristische Beiträge nur in jedem zehnten Fall löschte, selbst wenn diese aktiv über die App gemeldet wurden.

Mit dem Vorstoß könnten die Betreiber der App das Risiko eindämmen wollen, von Apple oder Google wegen problematischer Inhalte aus deren App Stores entfernt zu werden. Dafür spricht, dass sich die Sperre nur auf die Telegram-Apps aus den App Stores der beiden Unternehmen bezieht.

Über Telegrams Desktop-App etwa ist der Hildmann-Kanal nach wie vor ansteuerbar. Hildmann konnte trotz der Sperre in den Mobilvarianten des Messengers auch weiter Postings absetzen. »Ganz viele fragen sich, wo ist mein Kanal hin«, hieß es in der Nacht in einer Sprachnachricht, in der Hildmann seine Fans aufforderte, den Link zum Ersatzkanal weiterzuleiten. Neben Hildmanns Kanal ist laut SPIEGEL-Recherchen auch ein weiterer deutscher Kanal nicht mehr auf Telegram abrufbar. Es handelt sich um einen Kanal, der rechtsextreme und terrorverherrlichende Inhalte verbreitete.

Attila Hildmann selbst behauptete am Dienstag, Apple und Google hätten seinen Kanal »zensiert«, obwohl App-Store-Anbieter üblicherweise keinen direkten Einfluss auf Inhalte innerhalb von Apps nehmen. Weiter mutmaßte Hildmann auf einer seiner Websites, es sei »nur eine Frage der Zeit«, bis Telegram seinen Hauptkanal komplett dichtmache.

Google dementierte auf Anfrage, etwas mit der Einschränkung des Kanals zu tun zu haben. Man sperre keine einzelnen Inhalte innerhalb von Apps, sondern könne nur insgesamt entscheiden, ob eine App für den Play Store freigegeben werde oder nicht, heißt es von dem Unternehmen. Apple äußerte sich bisher nicht zu dem Fall.

mbö/hpp
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