Ausbau Bing leiht sich Wolfram Alphas Intelligenz

Microsoft setzt beim Ausbau der Suchmaschine Bing weiter geschickt auf Kooperationen und viel Dienstleistung. Was dabei herauskommt, ist ein eigentümlicher Mix von Portal und Suchmaschine, aber es ist auch gut: Jetzt verleibt sich Bing die Intelligenz von Wolfram Alpha ein.

Microsoft hat eine Kooperation mit dem Suchdienst Wolfram Alpha  bekanntgegeben, dessen Suchergebnisse künftig in die Ergebnislisten von Microsofts Suchmaschine Bing  einfließen sollen. Die im Sommer gestartete Datenbank ist zwar thematisch stark auf konkretes Zahlen- und Faktenwissen eingegrenzt, erbringt hier aber ungewöhnlich genaue Ergebnisse - und zwar in Form echter Antworten.

Im Vorfeld zur Veröffentlichung von Wolfram Alpha war dieser deshalb schon voreilig als "Google-Killer" gehandelt worden - als Suchtechnik, die der Marktübermacht von Google Paroli bieten könnte. Davon ist Wolfram Alpha weit entfernt. Für einen breiter aufgestellten Suchdienst wie Bing aber bedeuten die höchst konkreten Faktensammlungen von WA eine wertvolle Ergänzung: Durchaus überraschend entpuppte sich Microsofts Bing bei seinem Launch als der eigentliche Google-Herausforderer.

Microsoft fährt also fort, Bing mit Hilfe sehr gezielter, geschickt ausgewählter Kooperationen attraktiver zu machen. Längst ist der Dienst vor allem in den Vereinigten Staaten weit mehr als nur eine Suchmaschine: Bing erschließt immer mehr Dienstleistungen, die in der Regel von potenten Partnern zugeliefert werden. Das erinnert auf den ersten Blick an den leidigen Portalgedanken der Spätneunziger: Damals versuchte beispielsweise Yahoo, mit einer mit zahllosen Diensten zugekleisterten Seite zu einer Art One-Stop-Shop für das Web zu werden - eine Zielseite, auf der man schlicht alles finden sollte, vom Web-Katalog über Shops bis hin zu eigenständigen Publikationen. Der Versuch scheiterte.

Doch Microsoft beweist hier mehr Fingerspitzengefühl: Dass der Suchdienst in verschiedenen Ländern unterschiedliche Dienste anbietet, liegt auch daran, dass Microsoft versucht, landesspezifische Interessen und Nischen zu bedienen. Für manche Dienstleistungen, die in den USA angeboten werden, fehlt Bing in Deutschland zudem minunter der passende Partner, mal sind es Lizenzen, die das verhindern: So gehört die Videosektion in den USA zu den attraktivsten Teilen des Angebotes, in die Microsoft seit dieser Woche auch das Videoangebot von MSN einfließen lässt.

Deutsche Surfer haben wie üblich davon wenig, weil ein redaktionell erschlossenes Bing-Videoangebot hier weiter fehlt, die US-Dienste (wie beispielsweise Hulu via Bing) zum Teil aber über Geo-IP-Technik für deutsche Zuschauer gesperrt sind - das alte leidige Lied.

Wer Bing (fast) voll nutzen will, muss zur US-Version wechseln

Das gilt bisher leider für das Gros der aktuellen Verbesserungen von Bing: Auch der Ausbau des Reiseportals ist US-spezifisch, bietet da nun erweiterte Informationen zu Events und Infrastrukturen bis hin zur Krankenhaus-Kritik der Sportklinik am Ort. Der Ausbau der Auto-Routenplanung bei Bing Maps, die man künftig auch per Maus-Drag bedienen können soll, ist noch nicht umgesetzt. Der Dienst funktioniert übrigens auch prächtig bei Bing Deutschland: Die Routenplanung kommt vom Content-Partner Navteq und AND.

Andere Änderungen betreffen die Verbesserung der Darstellung der Suchergebnisse und dürften mit zeitlichem Abstand auch auf dem deutschen Bing implementiert werden: Die US-Version zeigt am rechten Rand eines Suchergebnisses wenn gewünscht per Maus-Over Vorschau-Fensterchen mit überraschend guten Kurzzusammenfassungen der gefundenen Seiten. Das hat was.

Wann diese und andere Ergänzungen auch im deutschen Bing umgesetzt werden, hat Microsoft bisher nicht beantwortet.

Bing war als Nachfolge zu Microsofts glücklosem Windows Live im Juni veröffentlicht worden. Der Dienst gilt als erster geglückter Versuch des Betriebssystementwicklers, eine echte Konkurrenz zur führenden Suchmaschine auf die Beine zu stellen. In Marktanteilen hat sich das noch nicht ausgezahlt: Bing und Yahoo, dessen Suche seit dem Spätsommer ebenfalls über Bing läuft, verbuchen derzeit einen Marktanteil von etwa zehn Prozent weltweit, Google liegt hier stabil bei rund 84 Prozent, in Deutschland sogar über 90 Prozent.

Marktanteile: Google und die Konkurrenz

pat