Ausgetauschte Bilder Wie Google New Orleans schönt

Eigentlich müssten die aktuellsten Bilder auf Google Earth ein vom Hurrikan "Katrina" zerstörtes New Orleans zeigen - tun sie aber nicht. Stattdessen: heile Welt in Louisiana. Aktuelle Aufnahmen wurden durch alte ersetzt. Ein US-Kongressunterausschuss verlangt Aufklärung.


Berlin - Der historische Leuchtturm am Lake Pontchartrain ist eines jener Baudenkmäler von New Orleans, das durch den Hurrikan "Katrina", der im August 2005 seine Spur der Verwüstung zog, zerstört wurde. Doch auf den Satellitenbildern, die Google zur Verfügung stellt, ist die Sehenswürdigkeit auf wundersame Weise wieder heil.

Der Leuchtturm ist kein Einzelfall: Die Internetfirma hat laut Associated Press aktuelle Aufnahmen der Metropole durch alte von vor dem großen Sturm ersetzt - und jetzt ist es ein Sturm der Entrüstung, der Google entgegen schlägt.

Sogar der US-Kongress verlangt bereits Aufklärung: Ein Unterausschuss des Ausschusses für Wissenschaft und Technologie hat Google-Chef Eric Schmidt darum gebeten zu erklären, warum das Unternehmen alte Bilder verwendet. "Der Gebrauch von alten Bildern durch Google ist den Opfern des Hurrikans 'Katrina' gegenüber ungerecht", empörte sich der Ausschussvorsitzende Brad Miller, ein Demokrat aus North Carolina, in seinem Brief an Schmidt.

Weil der sich bislang aber noch nicht geäußert hat, sprießen wilde Theorien: Gab es eine Verschwörung von Google und Vertretern der Stadt New Orleans, mit dem Ziel zu demonstrieren, dass der Wiederaufbau erfolgreicher ist als in Wahrheit?

Ein von der Associated Press befragter Google-Mitarbeiter hat aber bereits eine andere mögliche Antwort angedeutet: Die Bilder, die man jetzt sehen könnte, seien die hochwertigsten, die zur Verfügung stünden, erklärte Chikai Ohazama, für die Satellitenbilder zuständige Produktmanager.

Mehr Pixel, weniger Wahrheit - ist das die Lösung des Rätsels?

Miller will es jetzt ganz genau wissen: Die Firma solle offenbaren, ob irgendeine staatliche Behörde sie angesprochen und um den Bilderaustausch gebeten hat, verlangt der Unterausschussvorsitzende laut CNN. "Ohne Erklärung alte Bilder von vor 'Katrina' zu verwenden, obwohl neuere Aufnahmen zur Verfügung stehen, erscheint fundamental unehrlich", sagte er. Edith Hollemann, die für den Unterausschuss als Beraterin arbeitet, fordert gar eine grundsätzliche Einsicht in Googles Auswahlpraxis: Es wäre gut zu wissen, wo Google seine Bilder bezieht und wie es sie verwaltet, erklärte sie. Denn "viele Menschen sehen Google und andere Internetsuchmaschinen als fast schon amtlich an", zitiert sie CNN.

yas/AP



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