Netzwelt-Ticker Autorenmangel bei Wikipedia, Skype-Fehler, teurere Festplatten

Heute im Netzwelt-Ticker: Wikipedia hat mehr Leser, aber weniger Autoren; drei Prozent Festplattenplatz für Musik rechtfertigen für Verwertungsgesellschaften höhere Abgaben; Skype-Fehler verschickt private Nachrichten an Zufallsempfänger.
Wikipedia: Schrumpfender Autorenstamm besorgt Wissensarbeiter

Wikipedia: Schrumpfender Autorenstamm besorgt Wissensarbeiter

Foto: Robert Schlesinger/ picture alliance / dpa

Am Wochenende trafen sich in Washington bei der jährlichen Wikimania-Konferenz der Wikimedia Foundation an die tausend Mitglieder der Community. Dabei machten den Versammelten zwei Entwicklungen Sorgen: Zum einen fehlen der Online-Enzyklopädie verantwortliche Administratoren. Die beaufsichtigen die Einhaltung der Richtlinien für ordnungsgemäß erstellte Einträge, sie können Lemmata ändern, löschen oder andere Bearbeiter sperren. Zum anderen gibt es weniger Autoren als geplant.

Die Anzahl der Admins oder Sysops erreichte mit knapp tausend bei der englischsprachigen Wikipedia bereits 2007 ihren Höchststand. Seither sinkt sie, die die Neuernennungen können die Abgänge nicht mehr ersetzen. "The Atlantic" nennt die letzten verfügbaren Zahlen: Wurden zu Hochzeiten 2005 bis 2007 monatlich mehr als 50 neue Admins ernannt,  so ist dieser Wert seit drei Jahren auf durchschnittlich unter zehn gesunken.

Bedenklich ist auch die Entwicklung bei den Wikipedia-Autoren, ihre Zahl ist ebenfalls rückläufig. Eigentlich sollte ihr Umfang bis Juni 2012 von insgesamt 90.000 auf 95.000 gesteigert werden. Tatsächlich liegt er derzeit aber bei 80.000 . Als mögliche Ursache wurden das komplizierte Eingabesystem genannt, aber auch das verbesserungswürdige Klima unter den Autoren. Letzteres könnte nicht zuletzt unter der Tatsache leiden, dass der Frauenanteil nur bei zehn Prozent liegt.

Zumindest was die technische Seite angeht, ist Besserung in Sicht. Der sogenannte Visual Editor soll ab 2013 das Erstellen und Bearbeiten von Artikeln erheblich erleichtern. Außerdem basteln die Wikimedianer an einem Reiseportal, das in Konkurrenz zu Web-Angeboten wie TripAdvisor oder Lonely Planet treten soll. Beim neuen, werbefreien Touristik-Feature sollen die beiden Wikimedia-Dienste Wikitravel und Wikivoyage zuarbeiten .

Drei Prozent Festplattenplatz für Musik rechtfertigen angeblich höhere Abgaben

Nur drei Prozent der gesamten Festplattenkapazität, die Computerbesitzer durchschnittlich zur Verfügung haben, werden von ihnen zum Abspeichern von legalen Musikkopien verwendet, lautet das Ergebnis einer aktuellen Studie. Eine so geringe Zahl rechtfertige auf keinen Fall die von den Verwertungsgesellschaften geforderten Abgabenerhöhungen, so der Branchenverband Bitkom in einer Nutzungsstudie (PDF) .

Ganz im Gegenteil, meint die Zentralstelle für private Überspielungsrechte (ZPÜ). Gerade die vom Bitkom gelieferten Zahlen würden die passende Begründung für eine Anpassung der Urheberabgabe liefern. Denn der Bundesgerichtshof habe "erst vor kurzem am Beispiel von PC klargestellt, dass es hierbei nicht auf den relativen Anteil von Privatkopien an der Gesamtnutzung ankommt, sondern auf die absolute Zahl der angefertigten Kopien  (I ZR 59/10)", zitiert "Golem" aus einer ZPÜ-Erklärung. Der vom Bitkom gennannte Drei-Prozent-Wert bedeute aber in der Praxis, dass im Schnitt 18 Gigabyte Musikdaten auf jeder Festplatte lägen. "Diese Menge an Speicherplatz reicht aus, um große Mengen geschützter Werke, insbesondere Musik-, Text- und Bildwerke, privat zu vervielfältigen", argumentiert die ZPÜ.

Skype-Fehler verschickt private Nachrichten an Zufallsempfänger

Ein neuer Fehler im Nachrichten-Management des Online-Chat-Anbieters Skype beunruhigt derzeit einige Nutzer. Offenbar werden zwischenzeitlich Textnachrichten an Empfänger versandt, für die sie gar nicht bestimmt waren. Mehrere Skype-Nutzer berichteten laut Zdnet übereinstimmend, von anderen an sie verschickte Textnachrichten seien zufällig an Personen aus ihrer Kontaktliste weiterversandt worden. Dabei habe es sich manchmal nur um Einzelbotschaften gehandelt, zuweilen seien aber auch komplette Konversationen betroffen  gewesen. Skype versprach, sich zu kümmern und tatsächlich, nach eindringlicher Beschäftigung fanden die Techniker einen Fehler. Eine Unternehmenssprecherin erklärte gegenüber Engadget: "Unter seltenen Umständen können zwischen zwei Kontakten ausgetauschte Instant Messages unfreiwillig an einen dritten Kontakt versendet werden. Wir werden innerhalb der nächsten Tage einen Fix herausbringen und unsere Nutzer benachrichtigen, eine aktualisierte Version von Skype herunterzuladen. " Das Problem scheint dabei nur die zuletzt im Juni 2012 aktualisierte Fassung des Service zu beeinträchtigen, ältere Versionen sind nicht betroffen. Skype selbst ließ wissen, es gehe um die folgenden Versionen: Skype 5.9 und 5.10 für Windows, Skype 5.8 für Mac, Skype 4.0 für Linux, Skype 1.2 für Windows Phone, Skype 2.8 für Android und Skype 4.0 für iOS.

Auch das noch:

  • Indoor-Navi nutzt Magnetfelder statt GPS. Das ist eine große Hilfe für jeden, der sich schon einmal in großen Industrieanlagen oder Konferenzzentren verlaufen hat. GPS-Empfang gibt es nicht, also macht es die Smartphone-App (derzeit nur für Android) wie die Tauben und orientiert sich an Magnetfeldern. Finnische Wissenschaftler haben das Projekt namens Indooratlas entwickelt, der sich zur Generierung von Karten auf ebendie magnetischen Störungen stützt, die den GPS-Empfang verhindern. (PDF) 
  • Die visualisierte Geisteswelt. Wie die Ideen von Philosophen, Schriftstellern und anderen Denkern über die Grenzen ihrer Disziplinen und Zeiten vernetzt sind, zeigt eine faszinierende Grafik von Brendau Griffen. 
  • YouTube wird zum Nachrichtenkanal. Netzbewohner holen sich ihre aktuellen Informationen zunehmend aus Quellen abseits der etablierten News-Lieferanten, so zum Beispiel von YouTube. Pew Research sieht die Videoseite auf dem besten Weg zur Nachrichtenplattform. 
  • Google zentralisiert Chrome-Anwendungen. Erweiterungen für den Google-Browser dürfen künftig nur noch auf firmeneigenen Servern liegen. Das macht es für Entwickler komplizierter, soll aber der zunehmenden Verseuchung durch Viren und Trojaner Einhalt gebieten. Wohl ab der nächsten Version dürften Erweiterungen nur noch über den Chrome Web Store installiert  werden können.

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