Journalist und Anonymous-Unterstützer Fünf Jahre Haft für Barrett Brown

Der amerikanische Journalist und Anonymous-Unterstützer Barrett Brown ist im Zusammenhang mit einer Hacker-Aktion zu 63 Monaten Haft verurteilt worden. Außerdem muss er 890.000 Dollar Strafe zahlen.

Poster, das für Browns Freilassung wirbt: Er war schon 28 Monate in U-Haft
freebarrettbrown.org

Poster, das für Browns Freilassung wirbt: Er war schon 28 Monate in U-Haft


Barrett Brown bleibt in Haft. Der 2011 im Kontext des Stratfor-Hacks zu Berühmtheit gelangte Journalist und Anonymous-Unterstützer wurde am Donnerstag von einem texanischen Gericht zu einer Gesamtstrafe von fünf Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Außerdem muss Brown eine Entschädigungszahlung in Höhe von 890.000 Dollar leisten.

Ursprünglich war dem Amerikaner vorgeworfen worden, an einem Angriff auf die Server des Sicherheitskonzerns Stratfor beteiligt gewesen zu sein. Doch im März 2014 zogen die Behörden elf der zwölf Anklagepunkte zurück, danach wurde ihm nur noch der Besitz gestohlener Kreditkartennummern vorgeworfen. Die andauernde Inhaftierung Browns begründeten die Richter zuvor mit Fluchtgefahr. Die jeweiligen Maximalstrafen für die einzelnen Vorwürfe hätten sich theoretisch auf ein Strafmaß von 105 Jahren Gefängnis summieren können.

Einen Monat später änderte die Staatsanwaltschaft den Klageinhalt in Absprache mit Brown erneut. Ihm wurde nun vorgeworfen, den kriminellen Hacker unterstützt zu haben, der sich illegal Zugang auf die Stratfor-Server verschafft hatte. Außerdem soll er das FBI bei den Ermittlungen behindert haben.

Für diese Vergehen hätte Brown immer noch bis zu achteinhalb Jahre Haft aufgebrummt bekommen können. Bei der nun verhängten Strafe von 63 Monaten wurden die bislang schon in U-Haft abgesessenen 28 Monate angerechnet, wie "Wired" berichtet.

Damit müsse Brown noch mit einer maximalen Haftzeit von weiteren drei Jahren rechnen. Es sei allerdings wahrscheinlich, dass Brown bereits nach einem Jahr unter verschärften Bedingungen auf Bewährung entlassen werde.

Mit dem Urteil gegen Brown, der zuvor für Titel wie "Vanity Fair" oder "The Guardian" geschrieben hatte, setzen die US-Behörden ein deutliches Signal an die Medien, so die Einschätzung von "Heise Online". Der Schuldspruch solle die Gefährlichkeit von Kontakten zu Anonymous verdeutlichen. In der Urteilsbegründung werde darauf verwiesen, dass sich der erste Verfassungszusatz zum Thema Meinungsfreiheit nicht auf die kriminelle Veröffentlichung von Links erstreckt.

Brown selbst kommentierte das Urteil mit Galgenhumor. "Die US-Regierung hat heute entschieden, dass ich bei der Untersuchung des Cyber-Industriekomplexes so gute Arbeit geleistet habe, dass sie mich nun den Industriekomplex Gefängnis untersuchen lässt."

meu



insgesamt 3 Beiträge
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spon-facebook-1619821760 23.01.2015
1. find ich gut
find ich gut, wie unser VorzeigeFreund Amerika hier die Pressefreiheit feiert!
Badener1848 23.01.2015
2. Vorgeschmack
Bereits jetzt gilt Obama als der Präsident, der am rigidesten gegen Whistleblower und investigative Journalisten vorgeht. Einer geht damit eine Totalüberwachung jeglicher Kommunikation. Ebenso sind Verschlüsselung und anonyme Kommunikation ein Dorn im Auge der Regierenden. Auch bei uns fordern die ersten schon die Vorratsdatenspeicherung und das Ende der Verschlüsselung. Natürlich nur, um Terrorismus und schwere Kriminalität z bekämpfen...
w.moritz 24.01.2015
3. Die Journalisten
die weltweit unter Einsatz ihrer persönlichen Freiheit und gar des Lebens investigativen Journalismus betreiben und damit die Mächtigen und Regierenden in Erklärungsnot bringen gebührt mein höchster Respekt. Den schreibenden Angestellten der deutschen Presse bleiben solche Gefahren erspart und sie müssen sich nicht fürchten. Der letzte Journalist der seine Freiheit verlor war doch der Herr Augstein, weil er Journalismus betrieb. Unsere derzeitigen "Journalisten" schreiben und reden was man ihnen von oben herab diktiert. Also Entwarnung ist angesagt und ihr könnt so weiter agieren von eurem Sessel aus mit genügend Kohle auf der Bank und satter Ruhestandregelung. Hauptsache die Rechtschreibung stimmt und die auch nicht immer. Die Grundsätze des früheren Spiegels sind heute nicht mehr wahrnehmbar oder Sie kenen die Geschichte des eigenen Verlages nicht. Weiter so und ihr verdient euch das Unwort des Jahres immer weiter. W.Moritz,Worms
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