Bastelstunde Tischtennis aus der Computersteinzeit

Ein Berliner Kunststudent hat den Videospielklassiker "Pong" als elektromechanische Apparatur nachgebaut. Hunderte Stunden schraubte er an dem Ungetüm, das dank zweier Percussion-Hölzer stilecht "pingt" und "pongt". In Interview mit SPIEGEL ONLINE erklärt Erbauer Niklas Roy, was ihn dazu motivierte.


Ping-Pong-Spiel: Mechanisierte Nostalgie
Niklas Roy

Ping-Pong-Spiel: Mechanisierte Nostalgie

SPIEGEL ONLINE:

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, solch ein kurioses Spielzeug zu bauen?

Roy: Ich wollte einen Gegensatz zu dem schaffen, was heutzutage in der Spiele-Industrie oder auch bei Tricks in Filmen passiert. Dort werden virtuelle Realitäten hergestellt, welche die reale Welt kopieren. Mein Ziel war, den Spieß umzudrehen und eine virtuelle Welt in die Realität zu transportieren.

SPIEGEL ONLINE: Wie viel Arbeit steckt denn drin in dieser großen Kiste?

Roy: Sehr viel. Von der Idee bis zur fertigen Maschine hat es ungefähr ein Jahr gedauert. Insgesamt sind rund 900 Stunden Arbeit bei dem Projekt zusammengekommen.

SPIEGEL ONLINE: Warum haben Sie ausgerechnet dieses Pingpong-Spiel ausgewählt?

Roy: Weil es ein Symbol ist. Es ist ja eines der ersten Computerspiele überhaupt, das erste kommerziell erfolgreiche jedenfalls. Und es ist eine virtuelle Welt, die von einem Computer in Echtzeit berechnet wird. Obwohl es ein nachgemachtes Tennisspiel ist, ist es dennoch auf den ersten Blick als Videospiel erkennbar. Gleichzeitig eignete es sich auf Grund seiner Einfachheit sehr gut für meine Zwecke.

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Elektromechanik: Tischtennis mit Röhren und Ketten

SPIEGEL ONLINE: Die Bauteile, aus denen Sie Pongmechanik zusammengeschraubt haben, haben Sie die alle neu gekauft?

Roy: Ja, alle bis auf die Telefonrelais. Die stammen aus einer Internet-Auktion. Dort habe ich eine Telefonanlage aus den fünfziger Jahren ersteigert. Die Bauteile haben zusammen ungefähr 2500 Euro gekostet.

SPIEGEL ONLINE: Wo steht das Spiel denn überhaupt?

Roy: Im Augenblick bei mir zu Hause. Aber es war schon beim Festival "Garage" in Stralsund in diesem Sommer ausgestellt. Pongmechanik wird wahrscheinlich im November auch beim Kunstfestival "Viper" in Basel gezeigt und auf alle Fälle beim Hackerkongress des Chaos Computer Clubs im Dezember in Berlin.

SPIEGEL ONLINE: Was waren die größten technischen Herausforderungen?

Roy: Ohne Zweifel der mechanische Teil. Das Ganze besteht ja aus zwei Teilen: der Relais-Steuerung und dem mechanischen Display mit Kollisionsabfrage. Die Mechanik war am kompliziertesten, weil sie natürlich auch am fehleranfälligsten ist.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben bei der Mechanik ja mehrere Ansätze verfolgt, bis es geklappt hat...

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Roy: Anfangs wollte ich sämtliche bewegliche Teile auf Rollen lagern und auf Wagen bewegen. Gleichstrommotoren sollten die Wagen über Schnüre hin- und herziehen. Das hat aber nicht so funktioniert, wie ich mir das vorgestellt hatte. Deshalb habe ich Ketten statt Schnüren verwendet, die nun anstelle von Wagen Gleiter bewegen. Die rutschen einfach nur auf Schienen.

SPIEGEL ONLINE: Man hört ja auch, wenn der Ball den Schläger trifft. Wie ist das technisch gelöst?

Roy: Beim Original-Pong gibt es genau zwei Geräusche: Einen hohen und einen tiefen Piepton. Mir ging es darum, das Ganze möglichst eins zu eins umzusetzen. Deshalb habe ich zwei Klanghölzer im Percussion-Laden gekauft, ein höher und ein tiefer gestimmtes. Und da schlagen Elektromagneten drauf, die aus Türklingeln stammen.

SPIEGEL ONLINE: Woher kommt Ihre Affinität zu Computerspielen und zum Basteln mit Relais?

Roy: Wenn man 30 Jahre alt ist wie ich, dann ist Pong so ziemlich das erste Videospiel, das man gespielt hat. Und als Kind habe ich schon immer viel gebastelt. Ich habe mir Kinderzimmer-Alarmanlagen gebaut und mit Strom experimentiert. Da hatte ich schon immer einen Draht zu.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, dass mechanische Spiele generell eine Zukunft haben?

Roy: Ich kann mir schon vorstellen, dass man ganz neue Spielkonzepte mechanisch umsetzt. Das Problem dabei ist aber, dass Mechaniken sehr störanfällig sind. Die Technik mit Halbleitern und Bildschirmen hat einfach den Vorteil, dass sie wesentlich stabiler läuft. Aber ein Flipperautomat ist ja ein gutes Beispiel für den Erfolg und die Faszination von elektromechanischen Spielen.

Das Gespräch führte Holger Dambeck

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