Belauschte Internettelefonie USA fördern Abhörsoftware

Ein Forschungsprojekt in den USA untersucht Möglichkeiten, übers Netz geführte Telefonate abzuhören. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Möglichkeit, Anonymisierungs-Server zu überlisten. Die Forschung wird staatlich finanziert.


Voice over IP: "Subtiles Wasserzeichen"
VoIP-Info.de

Voice over IP: "Subtiles Wasserzeichen"

Das FBI macht sich Sorgen über Skype. Das Internettelefonie-Programm erlaubt es zwei Computernutzern über das Voice over Internet Protocol (VoIP) miteinander zu telefonieren - am herkömmlichen Telefonnetz vorbei. Was für den normalen Konsumenten eine kostengünstige wenn nicht gar kostenlose Alternative zum herkömmlichen Telefon darstellt, ist für die Bundespolizisten in den USA ein potentieller "Schutzraum für Kriminelle, Terroristen und Spione".

Am vergangenen Freitag legte die Federal Communications Commission der USA deshalb fest, dass einige VoIP-Betreiber ihre Angebote abhörbar machen müssen. Gleichzeitig finanziert die nationale Forschungsgesellschaft NSF, vergleichbar der Deutschen Forschungsgemeinschaft, jetzt ein Projekt, mit dem das VoIP-Lauschen noch effektiver gemacht werden soll. Anonymisierungs-Tools aus dem Netz sollen durch die Forschungsergebnisse ihren Schrecken für die Fahnder verlieren.

"Aus der Sicht der Verfechter der Privatsphäre ist das ein Angriff auf diese", gab Xinyuan Wang von der George Mason University im Staat Virginia gegenüber CNet.com zu. "Aus Sicht der Polizei ist das eine Methode, Dinge zurückzuverfolgen." Mit Skype soll die Technik schon erfolgreich getestet worden sein. Nun sollen Wang und seine Kollegen sie zu einer einsatzfähigen Nachfolgesoftware für das berüchtigte "Carnivore"-Schnüffelsystem des FBI ausbauen.

Bislang können zwei Skype-Nutzer ihren Kontakt verschleiern, indem sie einen Proxy-Anonymizer wie Proxify.us, FindNot.com oder Anonymizer.com nutzen. Solche Dienste machen die IP-Adresse des jeweiligen Nutzers unsichtbar. Mit herkömmlichen Methoden kann das FBI dann nur noch sehen, dass jemand mit einem Anonymizer verbunden ist - aber nicht, mit wem er über diesen Anonymisierer spricht. Je mehr Menschen über einen Server telefonieren, desto schwieriger wird es, die Gesprächspartner zuzuordnen.

Wangs Team entwickelte nun eine stets einzigartige, nicht zu entdeckende Signatur, die den Skype-Datenpaketen aufgeprägt wird, bevor sie ins Netz wandern. Überall auf ihrem Weg zum Empfänger und natürlich auch direkt vor der Ankunft könnte dadurch eindeutig der Absender identifiziert werden. Wang selbst spricht von einem "Wasserzeichen". Das System funktioniert nach seinen Angaben über eine leichte Veränderung der Zeitabstände, in denen die Pakete verschickt werden. Die Markierung sei "sehr subtil". Damit sie funktioniert, müssen aber wohl Veränderungen an der Software des jeweiligen Nutzers vorgenommen werden.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.