Offenbar mehrere Häfen betroffen Belgische Staatsanwaltschaft untersucht Cyberattacken auf Ölfirmen

Medien berichten von Hackerangriffen auf Öl- und Logistikfirmen in Belgien. Nun hat das Land Ermittlungen eingeleitet – die mutmaßlich Betroffenen geben sich allerdings schweigsam.
Container im Hafen von Antwerpen

Container im Hafen von Antwerpen

Foto: ERIC PIERMONT/AFP

In Europa sind mehrere Länder von mutmaßlichen Cyberangriffen auf Ölfirmen betroffen. Die belgische Staatsanwaltschaft teilte am Donnerstag mit, dass sie Ermittlungen zu einer großen Cyberattacke auf Hafenanlagen im Land eingeleitet habe. Einem spezialisierten Ölmakler in Rotterdam zufolge betreffen die Angriffe mehrere europäische Häfen, wodurch die Entladung von Schiffen gestört worden sei.

In den Niederlanden berichtete der Manager der in Rotterdam ansässigen Ölfirma Riverlake von einem Hackerangriff, der die Entladung von Öltankern verhindere. »Es hat einen Cyberangriff auf mehrere Terminals gegeben, von denen einige gestört wurden. Ihre Software wurde gehackt und sie können keine Lastkähne abfertigen. Im Grunde ist das Betriebssystem ausgefallen.«

Ziel des Angriffs in Belgien seien mehrere Hafenanlagen insbesondere in Antwerpen gewesen, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Antwerpen der Nachrichtenagentur AFP. Die Ermittlungen seien an eine auf Cyberkriminialität spezialisierte Einheit der Polizei übergeben worden. Er bestätigte damit entsprechende Medienberichte.

Am Dienstag hatte die belgische Tageszeitung »De Tijd« berichtet , der Logistikkonzern Sea Invest sei Opfer einer Cyberattacke geworden. Unter Bezug auf nicht namentlich genannte Insider schrieb die Zeitung, der Angriff habe schon am 28. Januar stattgefunden und einen großen Teil der Computersysteme des Unternehmens lahmgelegt.

Supermarkt bangt um Ananas und Bananen

Die daraus resultierenden Probleme bei der Firma, die weltweit neben Ölprodukten und Dünger auch große Mengen Obst und andere Lebensmittel umschlägt, könnten die Versorgung mit Ananas und Bananen beeinträchtigen, sagte ein Sprecher der belgischen Supermarktkette Colruyt der Zeitung.

Man werde sich zu dem Bericht nicht äußern, sagte eine Sprecherin des Unternehmens »De Tijd«. Auf eine Anfrage des SPIEGEL hat das Unternehmen bis zum Donnerstagmittag nicht reagiert.

Einer Mitteilung der Preisagentur Argus  zufolge sollen überdies mehrere Öllager in Belgien und den Niederlanden von Cyberattacken betroffen sein. Auch hier haben die angeblich betroffenen Firmen nicht auf Medienanfragen reagiert. Einem »Bloomberg«-Bericht  zufolge dürfte die Tanklager-Betreiberfirma Evos Group eines der betroffenen Unternehmen sein. Ein Firmensprecher bestätigte »Bloomberg«, Störungen der IT-Systeme hätten die Anlagen in Terneuzen, Gent und auf Malta betroffen.

In Deutschland hatten zwei deutsche Ölversorgungsunternehmen bereits am Montag mitgeteilt, Opfer von Cyberangriffen geworden zu sein. Am Samstag wurden die Systeme des Mineralöllieferanten Oiltanking Deutschland GmbH von Unbekannten angegriffen. In der Folge kam es zu Probleme beim Betanken von Tankwagen. Auch das Schwesterunternehmen Mabanaft ist von dem Hackerangriff betroffen. Die Generalstaatsanwaltschaft Hamburg bestätigte dem »Handelsblatt«, dass ein Ermittlungsverfahren wegen Erpressung gegen Unbekannte geführt werde.

Ausgangspunkt des Verfahrens war demnach eine Strafanzeige eines Unternehmens, das Opfer einer Ransomware-Attacke geworden ist. Bei einem solchen Angriff sperren oder verschlüsseln Hacker die Computersysteme von Betroffenen, um Lösegeld (Englisch: Ransom) für die Freigabe der Daten zu erpressen. »Wir wissen über den Angriff Bescheid und haben den deutschen Behörden unsere Unterstützung angeboten«, sagte eine Sprecherin von Europol am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP.

mak/AFP