Bertelsmann Napster? Was für ein Napster?

Vor knapp zwei Wochen machte die Nachricht Schlagzeilen, mit der Antwort ließ Bertelsmann sich Zeit: Chef Gunter Thielen können die Pläne von Konkurrenten, Bertelsmann wegen des Napster-Engagements zu verklagen, nicht beunruhigen.

Medienberichte, Bertelsmann-Konkurrenten planten eine möglicherweise auf eine Milliarde Dollar taxierte Klage gegen den Gütersloher Konzern, wollte Bertelsmann bislang offiziell nicht kommentieren. Vorstand Gunter Thielen wagte sich nun vor: Ganz beiläufig beantwortete er eine entsprechende Frage im Kreise von Frankfurter Wirtschaftsjournalisten. Nein, so Thielen, das könne ihn nicht beunruhigen. Er sehe da kein Prozessrisiko.

Bertelsmann habe die Rechtslage eingehend geprüft und fühle sich sicher: Der von Konkurrenten beanstandete Kredit an Napster sei zweckgebunden zum Aufbau eines legalen Vertriebswegs vergeben worden. Thielen stellt damit gar nicht in Frage, dass Napster diesen Kredit - aus seiner Perspektive - zweckentfremdet verwendet habe, um das schließlich per Gerichtsurteil beendete illegale Tauschgeschäft weiter zu führen. Getreu der strategischen Linie, für die sich Bertelsmann bereits im Oktober 2000 entschied, sagt sich Thielen damit von jeder Mitschuld frei: Bertelsmann sei in dieser Sichtweise nichts weiter als ein Kreditgeber mit den besten Absichten.

Genau das aber wird von einigen der Bertelsmann-Konkurrenten bezweifelt. Sie argumentieren, dass mit der Kreditvergabe an den zu diesem Zeitpunkt so gut wie zahlungsunfähigen Napster dieser in eine so weitreichende Abhängigkeit von Bertelsmann geraten sei, dass ohne Zustimmung der Gütersloher bei Napster wohl kaum mehr etwas geschehen sei. Ergo trage Bertelsmann auch eine Mitverantwortung für Napsters Verhalten nach Vergabe des Kredites. Spätestens mit dem Zeitpunkt, als der ehemalige Bertelsmann-Manager Konrad Hilbers dann die Geschäftsführung von Napster übernommen habe, sei das P2P-Unternehmen direkt durch Bertelsmann kontrolliert worden.

Das sahen auch die Richter im Insolvenzverfahren gegen Bertelsmann so, was der Klage Rückhalt geben dürfte. Ob sich das allerdings zu Bertelsmanns Ungunsten auswirken wird, bleibt abzuwarten: Als Hilbers die Geschäftsführung Napsters übernahm, hatte die ehemalige P2P-Börse ihren Betrieb längst eingestellt. Hilbers übernahm bei Napster das Ruder, um einen legalen Abo-Dienst als elektronischen Vertriebskanal der Musikindustrie aufzubauen.

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