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Markus Böhm

Betrug am Black Friday Keine Geschenke – aber das Geld ist weg

Markus Böhm
Ein Netzwelt-Newsletter von Markus Böhm

Liebe Leserin, lieber Leser,

an diesem Wochenende habe ich mich online blenden lassen, auf Ebay Kleinanzeigen. In Hamburg wollte jemand seine VR-Brille, eine Oculus Quest 2, die sonst mehr als 300 Euro kostet, samt Zubehör angeblich für 220 Euro loswerden. In Wuppertal – in der Nähe eines guten Freundes – hatte jemand eine Playstation 5 samt »Fifa 22« und einem zusätzlichem Controller für 600 Euro eingestellt. Beide Preise waren selbst für Gebrauchtware gut, erst recht im Falle der Playstation 5, die noch immer schwer zu bekommen ist .

In der Hoffnung auf ein schönes Weihnachtsgeschenk kontaktierte ich den Account mit der VR-Brille, mein Freund den mit der Konsole. Etwas später hatten wir beide E-Mails von Ebay Kleinanzeigen im Postfach. »Wir haben das Nutzerkonto des Anbieters, mit dem du Kontakt hattest, eingeschränkt«, warnte das Unternehmen. »Wir nehmen an, dass das Nutzerkonto missbräuchlich durch Dritte verwendet wurde. Ohne Wissen des eigentlichen Kontoinhabers wurden entweder seine bestehende Anzeigen verändert, neue Anzeigen aufgegeben, oder Nachrichten in dessen Namen versendet.«

Vermutlich also waren wir beide zur selben Zeit an Onlinebetrüger geraten, die mit übernommenen Accounts Menschen abzocken wollten. Leute wie uns, die sie mit attraktiven, aber nicht völlig unrealistischen Preisen köderten.

App von Ebay Kleinanzeigen: Manche Accounts werden missbraucht

App von Ebay Kleinanzeigen: Manche Accounts werden missbraucht

Foto: Rüdiger Wölk / imago images

Zum Glück hätten weder mein Kumpel noch ich für die angebotenen Gadgets bezahlt, ohne sie vorher in Augenschein zu nehmen. »Die Anzeige um zwei Uhr nachts hochgeladen?«, hatte sich mein Freund gewundert, als wir zum ersten Mal über das Playstation-Angebot chatteten. »Der nimmt das Bargeld und verprügelt uns.« Mich hatte bei der Quest 2 ins Grübeln gebracht, warum der Verkäufer mit einer Restgarantie von MediaMarkt warb, obwohl die Brille in Deutschland nie offiziell auf den Markt gebracht worden war.

Dass wir die vermeintlichen Verkäufer trotz solcher Bedenken überhaupt kontaktiert haben, zeigt eins: Die Aussicht auf Schnäppchen kann zur Folge haben, dass man seine Skepsis hintenan stellt.

Im besten Fall verschwendet man – so wie wir – nur etwas Lebenszeit und ein paar Gedanken daran, was man beim Abholen solcher Artikel beachten sollte, um mit Gerät, aber ohne blaues Auge davonzukommen. Im schlimmsten Fall überweist man irgendwelchen Leuten Geld für Dinge, die es womöglich gar nicht gibt. Aus gutem Grund enthält die Warn-E-Mail von Ebay Kleinanzeigen einen Absatz, der mit der Frage »Zu spät?« beginnt: Er richtet sich an Personen, die potenziellen Betrügern schon etwas bezahlt haben.

Die Gefahr, dass man im Netz auf Betrugsmaschen wie Fake-Angebote oder ganze Fake-Shops hereinfällt, ist dieser Tage besonders groß. Erstens trichtert der Handel einem mit Bannern und Newslettern ein, dass jetzt, zum Black Friday und Cyber Monday, die große Schnäppchenzeit angebrochen habe. Zwischen all den Rabatten und Gutschein-Codes, die derzeit verschickt, gedruckt und gepostet werden, fällt es Betrügern leicht, gefälschte Nachrichten mit angeblich ganz tollen Deals in die Mail-Postfächer Sparwilliger einzuschleusen.

Zweitens sind es nur noch viereinhalb Wochen bis Weihnachten – und beispielsweise bei PC-Hardware, Kühlschränken und Fahrrädern sieht es auf dem Markt gar nicht gut aus, wie ich neulich hier zusammengefasst habe . Chipmangel und Lieferkrise sorgen für nervös machende Engpässe, auch bei der Jagd nach Spielekonsolen: Wäre die Playstation 5 nicht ständig ausverkauft, käme niemand auf die Idee, 600 Euro für eine bereits ausgepackte Konsole auszugeben, die neu und regulär ähnlich viel kosten würde.

Zum Jahresende 2021 ist es so wohl noch wichtiger als in den Vorjahren, beim Onlineshopping einen kühlen Kopf zu bewahren, wie schon mein Kollege Jörg Breithut schrieb : Er wies am Samstag zum Beispiel auf das Risiko sehr langer Lieferzeiten hin, wenn man selbst bei Bestellungen in seriösen Onlineshops ausschließlich nach dem Preis geht.

Ich selbst habe mir vier Regeln gesetzt, die mich zumindest vor dem möglichen Betrug mit der Quest 2 geschützt hätten:

  • Jenseits von Kleinbeträgen überweise ich kein Geld an unbekannte Dritte. Wenn ich etwas Größeres von Privatpersonen kaufe, hole ich es selbst ab oder poche auf Funktionen wie das sogenannte Sichere Bezahlen , das bei Ebay Kleinanzeigen angeboten wird. Solche Services zu nutzen, kostet zwar oft eine kleine Gebühr. Dafür aber ist der Käufer abgesichert, falls am Ende statt eines coolen Gadgets nur ein Haufen Technikschrott geliefert wird. Oder auch gar nichts.

  • Auch beim Bezahlen in Onlineshops bevorzuge ich Bezahlfunktionen, bei denen ich erst nach Erhalt der Ware bezahle (wie die gute alte Rechnung) oder zumindest theoretisch die Chance habe, mein Geld bei Problemen zurückzubekommen. Kreditkarte und PayPal sind Beispiele dafür. Aber Achtung: Bei der in der Welt von Ebay Kleinanzeigen verbreiteten Bezahlart »PayPal Freunde und Familie« sind Rückbuchungen nicht möglich. (Einen Vergleich vieler gängiger Online-Bezahlmethoden finden Sie hier auf Verbraucherzentrale.de .)

  • Außerdem versuche ich, so gut es geht, Websites nicht direkt aus Werbe-E-Mails aufzurufen. Zu groß ist die Gefahr, dass die Nachricht am Ende doch nicht vom Anbieter selbst kommt und ich mich im schlimmsten Fall mit meinen Daten auf einer Fake-Website einzuloggen versuche.

  • Ebenso setze ich, wenn die Preise für ein Produkt ohnehin vielerorts ähnlich sind, auf Anbieter, mit denen ich im Zweifel persönlich in Kontakt treten kann: über eine Telefonhotline oder einfach durch den Besuch eines Ladenlokals in der Nähe.

Fremdlinks: drei Tipps aus anderen Medien

  • »11 Leben – Die Welt von Uli Hoeneß « (17-teilige Podcast-Serie, pro Folge ein bis drei Stunden)
    Als »11 Leben« im September 2020 startete, war noch von elf Folgen die Rede. Seitdem ist der Podcast, an dem »Rasenfunk«-Moderator Max-Jacob Ost schon seit 2018 arbeitet, mutiert: zu einem letztlich 17-teiligen Epos, das anhand von Uli Hoeneß' Karriere die Geschichte des deutschen Fußballs erzählt. Ein Zeitfresser, definitiv, mit Hang zur Extraschleife: Dafür werden Hörerinnen und Hörer immer wieder mit interessanten Anekdoten, Interviews und Soundschnipseln überrascht.

  • »Meta delays encrypted messages on Facebook and Instagram to 2023 « (Englisch, drei Leseminuten)
    Meta, das früher Facebook hieß, hatte schon 2019 angekündigt, Chatnachrichten von Nutzerinnen und Nutzern langfristig nicht nur in WhatsApp, sondern auch in Instagram und seinem Facebook Messenger per Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zu sichern. Wie der »Guardian« berichtet, wird dieser Plan nun frühestens 2023 umgesetzt.

  • »Amazon Prime: 50 Prozent günstiger mit Sozialpass oder bei Befreiung des Rundfunkbeitrags « (zwei Leseminuten)
    »Caschys Blog« berichtet über eine Neuerung bei Amazon: Fortan bekommen Personen, die in Deutschland wohnen und von der Rundfunkbeitragspflicht befreit sind oder Sozial- oder Familienpässe bestimmter Großstädte wie Hamburg und Köln besitzen, das Prime-Abo des Konzerns zum halben Preis. Hier geht es direkt zu Amazons Info-Seite zum Thema .

Ich wünsche Ihnen eine gute Woche,

Markus Böhm

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