Betrugswelle Staatsanwaltschaften gehen gegen Abo-Abzocker vor

Sie biedern sich als Lebenshilfe an, als Hobby-Communitys, als Hausaufgabenhilfe oder Gartenberatung - und entpuppen sich nach der Anmeldung als Abo-Fallen, mit denen arglosen Web-Nutzern das Geld aus der Tasche gezogen werden soll. Endlich wird die Luft dünn für die windigen Dienstleister.

In Deutschland laufen zurzeit zahlreiche Verfahren wegen Betrugs mit kostenpflichtigen Abonnements im Internet. Allein bei der Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main sind mehrere Verfahren gegen rund 25 Webseiten mit etwa 14.000 Geschädigten anhängig, wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Doris Möller-Scheu am Montag der Nachrichtenagentur AP sagte. Unter anderem wird in einem Verfahrenskomplex gegen 16 Firmen und 23 Beschuldigte ermittelt, darunter ein Inkassounternehmen.

Allein bei diesem Verfahrenskomplex, über den der Hessische Rundfunk zuvor berichtete, sind 8000 Geschädigte betroffen, wie Möller-Scheu sagte. Bei Durchsuchungen in Deutschland und der Schweiz seien zahlreiche Unterlagen sichergestellt worden. Bei den Ermittlungen gehe es um die Frage, ob bei den Internet-Angeboten Betrug beziehungsweise bei dem Inkassounternehmen Beihilfe zum Betrug vorliege.

Es gehe bei solchen Ermittlungsverfahren um sehr unterschiedliche Seiten, die vermeintlich kostenlos sind und bei denen dann plötzlich Kosten eingefordert würden, etwa über den unbemerkten Abschluss eines Abonnements.

Gegenwehr: So kämpfen Verbraucherschützer gegen Web-Abzocke

Möller-Scheu nannte als Beispiel ein weiteres Verfahren mit rund 1000 Geschädigten. Dabei öffnete sich bei einem eigentlich kostenfreien Routenplaner im Internet ein Fenster mit einem Gewinnspiel. Die Geschädigten gaben zur Teilnahme an dem Gewinnspiel ihre Adressen und persönliche Daten ein und schlossen damit unwissentlich ein Abonnement ab. Zwar wäre dies zu erkennen gewesen, wenn die Geschädigten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen gelesen hätten. Es werde aber geprüft, ob hier eine Täuschungshandlung im Sinne von Betrug vorliege, sagte Möller-Scheu.

Bei den verschiedenen Verfahrenskomplexen wird laut Staatsanwaltschaft auch geprüft, inwieweit die verschiedenen Angebote miteinander zusammenhängen. So gehe man auch der Frage nach, ob das Inkassounternehmen möglicherweise mit dem Internetangebot nachbarschaftspost.com zusammenhängt, sagte Möller-Scheu.

Mehrere Verbraucherzentralen hatten vor dem Anbieter gewarnt. Verbraucher waren über Telefonanrufe mit einer Bandansage aufgefordert worden, auf eine Webseite zu gehen, um mit Hilfe einer Codenummer eine Nachricht von einem Nachbarn abfragen zu können. Allerdings wurde den Angaben zufolge mit der Eingabe der Daten ein kostenpflichtiger Zweijahresvertrag abgeschlossen.

Die Verbraucherzentralen im Lande sind die Spezialisten in Sachen Internet-Betrug: Auktionsbetrug, vor allem aber solche Abo-Abzockmaschen machen seit mehreren Jahren das Gros der Beratung der Zentralen aus. Die Verbraucherzentrale NRW stellt ausführliche Informationen über die Methoden der Abzocker und Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren, auf ihrer Internet-Seite zur Verfügung .

pat/AP