BGH-Entscheidung Exhibitionismus per Webcam ist strafbar

Sexuelle Handlungen vor Kindern sind strafbar - auch dann, wenn die Minderjährigen nur online per Webcam zusehen. Das bestätigte der Bundesgerichtshof in Karlsruhe und verwarf die Revision eines Exhibitionisten.


Ein Kontakt im Internet kann genügen - um wegen sexueller Belästigung von Kindern verurteilt zu werden, muss ein Täter seinen Opfern nicht real begegnet sein. Der Bundesgerichtshof (BGH) bestätigte mit einem entsprechenden Beschluss die Verurteilung eines Exhibitionisten, der sich laut Gericht selbst befriedigt hatte, während Kinder online per Video-Übertragung zusahen.

Bundesgerichtshof: Auch Onanie vor laufender Webcam ist sexuelle Belästigung von Kindern
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Bundesgerichtshof: Auch Onanie vor laufender Webcam ist sexuelle Belästigung von Kindern

Das Landgericht München I hatte den mehrfach wegen Sexualdelikten vorbestraften Mann am 15. Dezember 2008 zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht befand ihn damals wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern und der "Verbreitung pornografischer Darbietungen durch Teledienste" für schuldig. Der Mann legte Revision ein - nach Ansicht des BGH unbegründet.

Der Verurteilte hatte im Internet in einem Video-Chat per Webcam Kontakt zu fünf Kindern aus Belgien. Er äußerte dabei, er wolle mit den Kindern Geschlechtsverkehr haben und entblößte seinen Unterleib. Zudem forderte er ein zwölfjähriges Mädchen mit drastischen Worten auf, sich auszuziehen. Danach soll er onaniert haben.

Der BGH begründete seine Entscheidung, es bestehe kein Zweifel, dass laut Gesetz "Kinder zum Schutz ihrer ungestörten Gesamtentwicklung vor solchen Wahrnehmungen umfassend bewahrt werden sollen."

Das gelte selbst dann, wenn sich Täter und Opfer nicht in unmittelbarer räumlicher Nahe zueinander befinden, sondern nur per Internet Kontakt haben. Die Kinder konnten wegen der simultanen Bildübertragung alle Handlungen des Mannes sehen. Der Verurteilte soll nun in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen werden.

tko/dpa/AFP



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