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07. Oktober 2019, 16:55 Uhr

Persönlichkeitsrechte und soziale Medien

Liebe Leserin, lieber Leser,

Von Anton Rainer

es kann sehr einfach sein, einem Kleinkind zum Geburtstag eine Freude zu machen. Ob es nun Umzugskartons sind, Plüschdecken vom Flohmarkt oder eine simple Avocado: Babys sind, was Geschenke angeht, oft genügsamer als die durchschnittliche Hauskatze. Insofern lohnt ein Blick auf die Liste von Geschenken, die Lio, schon jetzt berühmter Sohn des Influencer-Paares Bianca und Julian Claßen, zu seinem ersten Geburtstag einsacken konnte. Bereit? Geht los:

Einen Fußball, ein Fußballtrikot, einen bemalbaren Teppich, zwei Glockenspiele, eine "Fütter-mich"-Giraffe und einen "Fütter-mich"-Dino, einen zweiten Plastikdino und einen Plastik-Nemo für die Badewanne, einen Mini-Zug, eine Mini-Autobahn, einen sprechenden Bauernhof (deutsch und englisch), eine Tröte, ein Two-in-one-Motorrad, zwei Bilderbücher, Gummistiefel und Matschhose sowie insgesamt vier mehr oder weniger interaktive Lern-und-Spielewürfel.

Das nachhaltigste Geschenk aber kommt wohl von seinen Eltern: Bibi und Julienco wollen Lios Gesicht künftig auch vor der Kamera zeigen. Das junge Paar erklärt seine Beweggründe in einem Video "chilly-milly" vom heimischen Sofa aus, dabei ist die Entwicklung im shared universe der YouTube-Influencer nichts weniger als eine Revolution.

Wie viel die beiden auch sonst von sich preisgaben, ihr Sohn blieb vor den wachen Augen der Selfiekamera verborgen. Mit krassen Einschränkungen für die influencenden Eltern: "Wir haben jedes Video im Schnitt 30-, 40-, 50-mal probegeguckt", sagt Julian, ob Lio mit dem Rücken zu sehen war oder sich sein Gesicht gespiegelt hat - vor allem aber: "Wenn wir eine Challenge gedreht haben, dann immer in seinen eineinhalb Stunden Mittagsschlaf." Der Content-Stress im "BeautyPalace" ist zum Glück bald vorbei. Man will sich gar nicht vorstellen, welchen organisatorischen Aufwand ein Video wie "24h mit XXL G-Körbchen" bedeutet haben mag.

Kinder- und Jugendschützer sehen das Phänomen Sharenting zumindest skeptisch, Persönlichkeitsrechte und Privatsphäre könnten bei einem in aller Öffentlichkeit aufwachsenden Kind unmöglich geschützt werden - vor allem, wenn es die Entscheidung zum Posten selbst nicht treffen kann. Ich verstehe natürlich, dass junge Eltern keine große Lust haben, ihren Kinderwagen mit Tüchern zu verhüllen. Aber zwischen "Baby verstecken" und "Baby in die Kamera recken" kann man sich doch noch einige Zwischentöne vorstellen.

Andererseits ist die Entscheidung aus betriebswirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar: Der Markt für Kindfluencer wächst rasant, in gewisser Weise betreibt das Ehepaar Claßen Nachwuchsförderung. Wie viele Sponsorengelder die beiden bisher verpassten, lässt der Geschenkeregen zum Geburtstag zumindest erahnen.

Seltsame Digitalwelt: Ungeplante Obsoleszenz

Uns Journalisten geht es nicht anders als allen anderen: Das Beste an jeder Messe sind die Goodies, die man mit nach Hause bringt. T-Shirts und Pullis sind die Königsklasse, Sticker und Brillenputztücher das Minimalprogramm. Am meisten aber freute ich mich immer schon über kleine Gadgets, elektronischen Krimskrams, der billig genug war, um ihn zu verschenken - aber im Alltag zumindest zeitweise nützlich erschien.

Auf der Start-up-Messe "Bits & Pretzels" griff ich also nach USB-Sticks und Mousepads, nach Display-Cleanern und Kabeln. Die Ernüchterung kam auf dem Nachhauseweg: Mein nächster Laptop hat USB-A hinter sich gelassen, Mousepads habe ich durchs Trackpad ersetzt. Display-Cleaner brauche ich seit dem Erfolg oleophober Handy-Bildschirme eigentlich nie und das einzige, was in meinem Haushalt noch mit Micro-USB geladen wird, ist ein Fahrradlicht. Tatsächlich nützlich erschien mir nur ein süßer Schlüsselanhänger in Form eines kleinen blauen Roboters. Dann stellte ich fest, dass man ihn mit einem Handgriff in einen Audio-Splitter verwandeln kann - für die nichtexistente Kopfhörerbuchse an meinem iPhone. Vielleicht bleibe ich nächstes Mal doch bei Kugelschreibern.

App der Woche: "Takoway"
getestet von Tobias Kirchner

In "Takoway" startet der Spieler eine Rätselreise mit dem kleinen Oktopus Tako, der aus seiner Gefangenschaft entkommen will. Dafür müssen Rätsel gelöst werden, die vor allem mit der Perspektive spielen. Mit einer vorgegebenen Anzahl an Bewegungen gilt es ans Ziel zu kommen, während man immer wieder den Blick auf das Level wechseln muss, um den richtigen Weg zu finden. Dadurch ergeben sich kurzweilige Rätsel, in einer skurrilen Welt. So trifft Tako auf verschiedene Charaktere. Dazu gehört beispielsweise Salamander Chuck oder Seeschnecke Edgar, die "Takoway" zu einem liebevollen Abenteuer machen.

Für 2,69 Euro (Android) oder 3,49 (iOS), von Daylight Studios: iOS, Android

Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

Ich wünsche Ihnen eine erholsame Woche

Anton Rainer

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