Persönlichkeitsrechte und soziale Medien Liebe Leserin, lieber Leser,

Von Anton Rainer


es kann sehr einfach sein, einem Kleinkind zum Geburtstag eine Freude zu machen. Ob es nun Umzugskartons sind, Plüschdecken vom Flohmarkt oder eine simple Avocado: Babys sind, was Geschenke angeht, oft genügsamer als die durchschnittliche Hauskatze. Insofern lohnt ein Blick auf die Liste von Geschenken, die Lio, schon jetzt berühmter Sohn des Influencer-Paares Bianca und Julian Claßen, zu seinem ersten Geburtstag einsacken konnte. Bereit? Geht los:

Einen Fußball, ein Fußballtrikot, einen bemalbaren Teppich, zwei Glockenspiele, eine "Fütter-mich"-Giraffe und einen "Fütter-mich"-Dino, einen zweiten Plastikdino und einen Plastik-Nemo für die Badewanne, einen Mini-Zug, eine Mini-Autobahn, einen sprechenden Bauernhof (deutsch und englisch), eine Tröte, ein Two-in-one-Motorrad, zwei Bilderbücher, Gummistiefel und Matschhose sowie insgesamt vier mehr oder weniger interaktive Lern-und-Spielewürfel.

Julian und Bianca Claßen mit Sohn Lio (hier noch mit verdecktem Gesicht)
BibisBeautyPalace

Julian und Bianca Claßen mit Sohn Lio (hier noch mit verdecktem Gesicht)

Das nachhaltigste Geschenk aber kommt wohl von seinen Eltern: Bibi und Julienco wollen Lios Gesicht künftig auch vor der Kamera zeigen. Das junge Paar erklärt seine Beweggründe in einem Video "chilly-milly" vom heimischen Sofa aus, dabei ist die Entwicklung im shared universe der YouTube-Influencer nichts weniger als eine Revolution.

Wie viel die beiden auch sonst von sich preisgaben, ihr Sohn blieb vor den wachen Augen der Selfiekamera verborgen. Mit krassen Einschränkungen für die influencenden Eltern: "Wir haben jedes Video im Schnitt 30-, 40-, 50-mal probegeguckt", sagt Julian, ob Lio mit dem Rücken zu sehen war oder sich sein Gesicht gespiegelt hat - vor allem aber: "Wenn wir eine Challenge gedreht haben, dann immer in seinen eineinhalb Stunden Mittagsschlaf." Der Content-Stress im "BeautyPalace" ist zum Glück bald vorbei. Man will sich gar nicht vorstellen, welchen organisatorischen Aufwand ein Video wie "24h mit XXL G-Körbchen" bedeutet haben mag.

Kinder- und Jugendschützer sehen das Phänomen Sharenting zumindest skeptisch, Persönlichkeitsrechte und Privatsphäre könnten bei einem in aller Öffentlichkeit aufwachsenden Kind unmöglich geschützt werden - vor allem, wenn es die Entscheidung zum Posten selbst nicht treffen kann. Ich verstehe natürlich, dass junge Eltern keine große Lust haben, ihren Kinderwagen mit Tüchern zu verhüllen. Aber zwischen "Baby verstecken" und "Baby in die Kamera recken" kann man sich doch noch einige Zwischentöne vorstellen.

Andererseits ist die Entscheidung aus betriebswirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar: Der Markt für Kindfluencer wächst rasant, in gewisser Weise betreibt das Ehepaar Claßen Nachwuchsförderung. Wie viele Sponsorengelder die beiden bisher verpassten, lässt der Geschenkeregen zum Geburtstag zumindest erahnen.

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Seltsame Digitalwelt: Ungeplante Obsoleszenz

Uns Journalisten geht es nicht anders als allen anderen: Das Beste an jeder Messe sind die Goodies, die man mit nach Hause bringt. T-Shirts und Pullis sind die Königsklasse, Sticker und Brillenputztücher das Minimalprogramm. Am meisten aber freute ich mich immer schon über kleine Gadgets, elektronischen Krimskrams, der billig genug war, um ihn zu verschenken - aber im Alltag zumindest zeitweise nützlich erschien.

Auf der Start-up-Messe "Bits & Pretzels" griff ich also nach USB-Sticks und Mousepads, nach Display-Cleanern und Kabeln. Die Ernüchterung kam auf dem Nachhauseweg: Mein nächster Laptop hat USB-A hinter sich gelassen, Mousepads habe ich durchs Trackpad ersetzt. Display-Cleaner brauche ich seit dem Erfolg oleophober Handy-Bildschirme eigentlich nie und das einzige, was in meinem Haushalt noch mit Micro-USB geladen wird, ist ein Fahrradlicht. Tatsächlich nützlich erschien mir nur ein süßer Schlüsselanhänger in Form eines kleinen blauen Roboters. Dann stellte ich fest, dass man ihn mit einem Handgriff in einen Audio-Splitter verwandeln kann - für die nichtexistente Kopfhörerbuchse an meinem iPhone. Vielleicht bleibe ich nächstes Mal doch bei Kugelschreibern.

App der Woche: "Takoway"
getestet von Tobias Kirchner

Daylight Studios

In "Takoway" startet der Spieler eine Rätselreise mit dem kleinen Oktopus Tako, der aus seiner Gefangenschaft entkommen will. Dafür müssen Rätsel gelöst werden, die vor allem mit der Perspektive spielen. Mit einer vorgegebenen Anzahl an Bewegungen gilt es ans Ziel zu kommen, während man immer wieder den Blick auf das Level wechseln muss, um den richtigen Weg zu finden. Dadurch ergeben sich kurzweilige Rätsel, in einer skurrilen Welt. So trifft Tako auf verschiedene Charaktere. Dazu gehört beispielsweise Salamander Chuck oder Seeschnecke Edgar, die "Takoway" zu einem liebevollen Abenteuer machen.

Für 2,69 Euro (Android) oder 3,49 (iOS), von Daylight Studios: iOS, Android

Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

Ich wünsche Ihnen eine erholsame Woche

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
-william- 07.10.2019
1. Falsch, falscher, Bibi
Wer sich freiwillig Bibis Beauty Place etc. auch nur eine Minute anschaut und hinterher vielleicht sogar den Like button drückt, hat komplett die Kontrolle über sein Leben verloren. Die heutigen Vorbilder die nur ihre Fans im Sinn haben und auf gar keinen Fall nur Werbung für Produkte machen, um ordentlich Kasse zu machen.
demokrit2017 08.10.2019
2. ganz schlimme Sache
Ein Baby erscheint im Bild. Seine Persönlichkeitsrechte sind verletzt, sein Leben zerstört.
SvenausRbeiHH 08.10.2019
3.
Also ich lese lediglich aus diesem Artikel, dass die beiden Influencer-Größen es wohl schlicht zu anstrengend fanden das Baby "zu verstecken". Wenn es so ist, Glückwunsch, ihr seid prima Eltern. ruhig immer das beste/einfachste für euch, nicht für das Kind...
erzengel1987 08.10.2019
4. Was ist mit den "Hochbegabten" Kindern?
Kinder die von klein auf für die Eltern "arbeiten" müssen, indem sie perfekt ein Instrument spielen oder ähnliches. Kinder die mit vier bereits öffentlich auftreten und wie Circusaffen etwas vorführen vor aller Öffentlichkeit. Wirklich keine wirkliche Kindheit haben dürfen. Allerdings hier sehe ich eher ein anderes Problem. Das Kind wird mit soviel Zeug überflutet^^ das es eine quasi Reizüberflutung an Spielzeug hat. Klar ich hätte mich als Kind über massig Spielzeug gefreut wer nicht. Nur grad bei Kleinkindern gilt. Weniger ist mehr. Ob das Kind nun in der Öffentlichkeit zu sehen ist... das ist alleinige Sache der Erziehungsberechtigten. Die können solange über das Kind entscheiden, bis dieses sich selbst äußern kann. Jede Familie kann somit selbst entscheiden was mit seinen Kindern passiert. Die Eltern sind diejenigen die entscheiden, ob ein Kind religiös erzogen wird oder nicht. Die Eltern entscheiden auch in welche Schulen das Kind geht. Die Eltern entscheiden, ob das Kind Mitspracherecht erhält oder nicht. Was viele nicht gerne hören, die Eltern entscheiden auch, ob körperliche Züchtigung angemessen ist oder nicht. Die Ohrfeige, oder der Schlag auf den Po ist nur in den Mainstreammedien Taboo; es gibt weiterhin noch einige Familien die das anwenden. Oftmals sind es eher konservative Familien, darunter auch urdeutsche Familien. Die Einmischung in die Erziehung durch Medien und Politik empfinde ich als unangemessene Einmischung ins Privatleben. Jedes Elternteil hat seine eigenen Methoden. Ich persönlich würde niemals meine Kinder im Internet, oder Fernsehen veröffentlichen, oder ihm körperlichen Schaden zufügen. Die einzige sinnvolle Einmischung wäre die Einführung einer Impfpflicht.
fatherted98 08.10.2019
5. naja...
....viel Aufregung um wenig Inhalt. Nicht vergessen sollte man, dass die Dame und damit ihre Familie (und eben auch ihr Sohn) von dem durch diese Auftritte verdientem Geld, äußerst gut und luxuriös leben....ob da nun das Gesicht eines Ein-Jährigen mal zu sehen ist oder nicht....wird für dessen Zukunft kaum entscheidend sein....eher das Geld das damit generiert werden kann und ihm evtl. eine finanziell weitgehend sorgenfreie Zukunft sichert. Also mal die Luft rauslassen.....
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