Big-Brother-Award Neue Schnüffler sucht das Land

Es gibt Preise, über die sich nicht jeder Geehrte freut. Der Big-Brother-Award gehört dazu. Er wird Unternehmen verliehen, die sich beim Sammeln und Verwerten von Verbraucherdaten besonders eifrig zeigen. Die Jury sammelt jetzt Vorschläge für das Jahr 2004.


Big-Brother-Award: "Gemeinste Datenkraken"

Big-Brother-Award: "Gemeinste Datenkraken"

Der deutsche Big-Brother-Award blickt bereits auf eine vierjährige Tradition zurück. Im Jahr 2000 wurde die Rabatt-Karte "Payback" als Datensammelkarte angeprangert. 2001 stand ein Scoringverfahren der Firma Informa ganz oben auf dem Treppchen, das Menschen in wünschenswerte und weniger wünschenswerte Kunden einteilt - laut der Jury ein "vollautomatisches Vorurteilssystem".

Auch in diesem Jahr will der Bielefelder Verein FoeBuD wieder die "gemeinsten Datenkraken" küren. Bis zum 31. August bitten die Internetaktivisten um "qualifizierte Vorschläge" zum Big-Brother-Award. Eine Jury aus Menschenrechtlern, Daten- und Verbraucherschützern werde daraus die Preisträger für das Jahr 2004 auswählen. Verliehen wird die Trophäe am 29. Oktober in Bielefeld.

Die Liste der Preisträger liest sich wie das Who-is-Who der deutschen Wirtschaft: Von Deutscher Post, T-Online und Microsoft bis hin zu GEZ und Bayer AG ist fast alles vertreten.

Im Jahr 2002 bekam das Pannenprojekt TollCollect einen Award verliehen, weil mit seiner Technik, sollte sie jemals tatsächlich funktionieren, eine "neue Dimension der Beobachtung von Verkehrsteilnehmern" möglich werde. Im Jahr 2003 standen die RFID-Funketiketten und als einer ihrer Verfechter der Metro-Konzern im Fokus der Datenschützer. Mit den "Schnüffelchips", die eines Tages den Barcode ersetzen sollen, könnten Kunden jederzeit geortet und überwacht werden, begründete die Jury ihre Entscheidung.



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