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"Big Brother Awards" 2016: Das sind die Gewinner

Foto: Oliver Berg/ dpa

Überwachungspreis "Big Brother Award" geht an Berliner Verkehrsbetriebe

Der Verfassungsschutz und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bekommen einen "Big Brother Award", für besonders eifrige Überwachungsversuche. Auch eine Versicherung gehört zu den Trägern des unliebsamen Preises.

Der Laudator konnte es selbst kaum glauben: Die "Big Brother Awards" gibt es schon seit 16 Jahren, und noch kein einziges Mal ist der Verfassungsschutz mit dem Negativpreis des Datenschutzvereins Digitalcourage bedacht worden, für besonders eifrige Überwachung.

Mit der Verleihung der diesjährigen "Big Brother Awards" am Freitag ändert sich das: Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat in der Kategorie "Lifetime" eine der unliebsamen Auszeichnungen gewonnen. Die Laudatio hielt Juror Rolf Gössner. Er selbst wurde rund 40 Jahre lang vom Verfassungsschutz überwacht, es gibt eine 2000 Seiten dicke Akte über ihn. "Dieser Geheimdienst ist bisher erstaunlicherweise völlig ungeschoren davongekommen. Wir konnten es selbst kaum glauben, hat er doch schon mehr als genug verbrochen, vergurkt und vertuscht", so Gössner.

Er rate dem Verfassungsschutz "dringend zum Einstieg in den unverdienten Ruhestand - im Interesse von Bürgerrechten, Demokratie und Verfassung". Die Jury begründet die Entscheidung außerdem damit, dass die 65-jährige Geschichte des Inlandgeheimdienstes "vielfach von Skandalen und Machtmissbrauch, Datenschutz- und Bürgerrechtsverletzungen handelt".

Unter anderem habe sich das Bundesamt mit seinen V-Leuten unkontrollierbar in die Neonazi-Szene verstrickt, schütze die deutschen Bürger nicht vor Spähangriffen des US-Geheimdienstes NSA und vernichte Akten und brisante Dokumente, um der parlamentarischen Kontrolle zu entgehen.

Generali-Versicherung bekommt auch einen Preis

Nicht nur den Verfassungsschutz hat es erwischt, unsere Fotostrecke zeigt alle Gewinner im Überblick . Unter anderem bekommen auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) einen "Big Brother Award", in der Kategorie "Technik". In der Begründung bezieht sich der Verein auf die kontaktlose Chipkarte des gesamten Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB), die VBB-Fahrcard. Sie lasse die Speicherung von Bewegungsprofilen zu  , beschwert sich die Jury. Der VBB bestreitet das.

Die Generali-Versicherung erhält den "Big Brother Award" in der Kategorie "Verbraucherschutz". Ausgezeichnet wird ein Bonusprogramm, das sportlich aktiven Kunden bei Drittanbietern einen Preisnachlass verspricht, wenn sie ihre Fitnessdaten übermitteln. Die Jury kritisiert, dass man einen Preisnachlass dafür bekomme, sich überwachen zu lassen.

In der Kategorie "Wirtschaft" erhält die Online-Plattform "Change.org" den Preis für den Umgang mit sensiblen Nutzerdaten. Der Software-Konzern IBM gewinnt einen "Big Brother Award" für eine Software, die soziales Verhalten von Mitarbeitern im Firmennetzwerk auswertet.

Jury und Ex-Justizministerin kritisieren Überwachungsmethoden

In einem Gastbeitrag zu den "Big Brother Awards" kritisiert die ehemalige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger noch einmal generell die Überwachungsmethoden der Strafverfolgungsbehörden. Das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung halte sie etwa für eine schwerwiegende Verletzung von Grundrechten.

"Ich bin davon überzeugt, dass sehr viele Bürger nicht wollen, dass sie ausgespäht, überwacht und kontrolliert werden", sagt Leutheusser-Schnarrenberger. Niemand wolle, dass alle IT-Nutzer und Flugpassagiere verdächtigt werden - eine Äußerung, mit der sie auf die gerade erst beschlossene Fluggastdatenspeicherung anspielte. "Nur wenn es einen konkreten Tatverdacht gibt, darf die Polizei Informationen über das Telefonverhalten bekommen."

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