Bildbearbeitung Hyperrealismus selbst gemacht

Wenn die Realität mal nicht ausreicht, überdreht man sie eben. Gemälde und Fotos bekommen so einen ganz eigenen, eindringlichen Look. Das Magazin "Docma" zeigt, wie das mit Photoshop geht.
Von Olaf Giermann
Hyperrealistisches Porträt

Hyperrealistisches Porträt

Foto: Oleg Doroshenko - Fotolia/ Bearbeitung: Olaf Giermann
Praxistipp

Die in diesem Workshop vorgestellten Techniken können Sie prinzipiell mit jeder Photoshop-Version ab CS3 umsetzen. In früheren Versionen als CS6 müssen Sie im Raw-Konverter umdenken und benötigen gegebenenfalls zusätzliche Plug-ins.

Mit den Arbeitsmaterialien stelle ich Ihnen praktische Aktionen für die Anwendung von "HDR-Tonung" zur Verfügung. Beachten Sie bitte, dass Sie programmierungstechnisch bedingt gegebenenfalls den HDR-Tonung-Schritt für Ihre spezielle Photoshop-Version neu aufzeichnen müssen.

Überschärfte Realität, eine Übersteigerung der Wirklichkeit. Nun ja. Der Begriff Hyperrealismus kann heutzutage alles Mögliche meinen. Für malende/zeichnende Künstler steht er traditionell vor allem für eine sehr genau beobachtende und eine extrem detailliert-präzise Wiedergabe der Realität. Aus fotografischer Sicht steht der Begriff für viele Anwender und Experten vor allem für extreme, eigentlich surreale Tonemappings, die aus HDR-Workflows resultieren. Ich wage hier den Versuch, Ihnen den hyperrealen Spagat zwischen Foto und Gemälde näherzubringen - ohne dass Sie tatsächlich lernen müssen, fotorealistisch zu malen.

Bei den Arbeitsmaterialien habe ich eine Reihe von Referenz-Links für Sie zusammengestellt, mit denen Sie sich einen Eindruck verschaffen können, was alles mit Hyperrealismus gemeint sein kann. In erster Linie geht es natürlich um das zeichnerisch/malerische Überzeichnen der Realität und nicht um das bloße - nicht minder komplizierte - künstlerische Nachstellen derselben. Hier sehen Sie zwei an bekannte Vorbilder angelehnte Bearbeitungsbeispiele, die die Bandbreite des Hyperrealismus verdeutlichen.

Fotostrecke

:

Foto: Foto: Christoph Künne

Der Bearbeitungsablauf ist bei allen Beispielen immer derselbe:

  • Bild in Camera Raw (oder Lightroom oder einem anderen Raw-Konverter) vorbereiten,
  • Details in Photoshop verstärken (zum Beispiel mit HDR-Tonung, wie im Folgenden gezeigt),
  • Details soften/stilisieren/retuschieren,
  • Strukturen nachträglich herausarbeiten,
  • finale Korrekturen in Farbe, Schärfe und Strukturen.

Tatsächlich ist dies kein linearer Ablauf, sondern Sie können und sollten nach jedem einzelnen Punkt den erzielten Effekt abmildern und auf diesem Zustand wieder mit denselben Schritten wie zuvor aufbauen. Das subtile Schritt-für-Schritt-Aufbauen eines Effektes führt oft zu besseren Ergebnissen, als wenn Sie dasselbe in einem einzelnen Durchgang zu erreichen versuchten. Empfehlenswert ist hier das Arbeiten in 16 Bit/Kanal, damit Sie Rundungsverluste vermeiden und durch die zahlreichen Filter folgen keine Bildqualität verschenken.

Vorbereitung in Camera Raw

Damit Sie in Photoshop die Details später optimal herausarbeiten können, müssen Sie in der Raw-Entwicklung zunächst sicherstellen, dass die relevanten Bildstellen auch möglichst viele der aufgezeichneten Details zeigen und dass das Bild frei von Objektivfehlern ist.

Fotostrecke

Bildbearbeitung Hyperrealismus

Foto: DOCMA

Und JPEGs? Die gezeigte Vorgehensweise ist natürlich genauso mit JPEGs als Ausgangsfotos möglich, indem Sie die JPEGs mit Camera Raw öffnen. Seien Sie sich aber bewusst, dass die spätere Detailverstärkung hier deutlich die Bildfehler aufzeigen kann, die sich aufgrund der geringen Farbtiefe und der zwangsläufigen Kompressionsartefakte des JPEG-Formats ergeben. Dank der späteren Weichzeichnung der Details spielt das für den hyperrealistischen Effekt glücklicherweise keine so große Rolle.

Tipp: Sollten Sie ausschließlich im JPEG-Format fotografieren können, stellen Sie sicher, dass Sie in den Voreinstellungen der Kamera die bestmögliche JPEG-Qualität (= die geringste Kompressionstufe) und keine beziehungsweise nur eine sehr geringe Schärfung wählen.

Details betonen

Mit dem Filter "HDR-Tonung" steht Ihnen in Photoshop ein mächtiges Detailverstärkungswerkzeug zur Verfügung. Es hat jedoch seine Tücken, die Sie umschiffen müssen. Außerdem finden Sie es nicht im "Filter"-Menü, sondern unter "Bild > Korrekturen".

Fotostrecke

Bildbearbeitung Hyperrealismus

Foto: DOCMA

HDR-Tonung anwenden, ohne die Ebenen zu verlieren

"HDR-Tonung" bewirkt dummerweise, dass Ihr Bild auf die Hintergrundebene reduziert wird. Sie erhalten zwar einen entsprechenden Warnhinweis, den Sie jedoch ruhig bestätigen können. Nehmen Sie die gewünschten Einstellungen im Filter vor und bestätigen Sie ihn mit "OK". Der einfachste Weg, Ihre Ebenen nun wiederzubekommen, besteht darin, das Filterergebnis in die Zwischenablage zu kopieren ("Strg/Cmd-A", "Strg/Cmd-C"), in der "Protokoll"-Palette auf den Schritt vor der Reduzierung auf den Hintergrund zurückzugehen und dann das Filterergebnis mit "Strg/Cmd-V" als Ebene einzufügen.

Gefunden in

DOCMA 71

Doc Baumanns Magazin für digitale Bildbearbeitung

Juli/August 2016

Docma-Shop Docma - Abo und Gratis-Ausgabe Docma - Magazin für Digitale Bildbearbeitung 
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.