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Schritt für Schritt: Beauty-Retusche mit Gimp

Foto: c't/ Bettina Lechner

Bildbearbeitung Wie Gratis-Software Porträts aufbrezelt

Haut soften, Make-up auftragen, Lippen schminken - bei der Porträt-Retusche mit dem freien Kostenlos-Bildbearbeiter Gimp ist das alles möglich. Das Fachmagazin c't erklärt, wie sanfte Farben weiche Bilder schaffen und härtere Kontraste markante Profile schärfen.
Von Bettina K. Lechner

Wie bei fast jedem Bild, das aus der Digitalkamera kommt, betrachten wir zuerst das Histogramm (es zeigt die Helligkeitsstufen Ihrer Aufnahme) und erhöhen gegebenenfalls die Kontraste.

Das geht so: Duplizieren Sie zunächst die Hintergrund-Ebene (Menü Ebene > Ebene duplizieren, Shift+Strg+D), dadurch arbeiten Sie mit einer Kopie und können vergleichen und notfalls wieder auf das Original zurückgreifen.

Öffnen Sie über Menü "Farben > Werte" das Histogramm und prüfen Sie, ob es an den Enden abgeflacht ist. Ist dies der Fall, können Sie versuchen, eine Neuverteilung der Tonwerte herbeizuführen, indem Sie die Pfeilchen an den Enden vorsichtig hineinziehen. Betrachten Sie dabei stets im Hintergrund das Bild, bei aktivierter Vorschau sehen Sie dort sofort das Ergebnis.

Klicken Sie anschließend auf die Schaltfläche "diese Einstellungen als Kurven bearbeiten" - so gelangen Sie umgehend in den Kurven-Dialog (normalerweise über "Farben > Kurven" erreichbar). Für eine Kontrastverstärkung ziehen Sie die Höhen im oberen Bereich der Kurve leicht nach oben und die Tiefen im unteren Bereich leicht nach unten (S-Kurve).

Eines der wichtigen und gleichzeitig heikelsten Bereiche bei der Porträt-Retusche ist die Haut. Wir werden die Glanzstellen wegpudern, die Fältchen glätten und der Haut einen seidigen Glanz geben, und Farbunterschiede gleichen wir mit einem digitalen Make-up aus.

Feinste Strukturen erhalten, die Haut trotzdem glätten - so gelingt anspruchsvolle Porträt-Bearbeitung mit dem Gratis Bildbearbeiter-Gimp.

Glanzlichter matter machen

Foto: c't/ Bettina Lechner

Wir beginnen damit, die Glanzstellen, die Licht oder auch Blitz hervorrufen, abzudecken. Verwenden Sie hierzu das Heilen-Werkzeug und stellen Sie in den Werkzeugeinstellungen darunter den Modus auf "Nur Abdunkeln".

Reduzieren Sie die Deckkraft auf 55 Prozent und verwenden Sie einen relativ großen und weichen Pinsel (siehe auch Kasten links "Pinsel selbst gemacht"). Nun positionieren Sie den Heilen-Pinsel über einer Stelle neben dem Glanzbereich, nehmen bei gedrückter Strg-Taste matte Haut auf und klicken - ohne Strg-Taste - auf die Glanzstelle. Überarbeiten Sie so alle Bereiche auf Stirn, Nase, Kinn und Wangen.

Mit dem Pinsel-Modus "Nur Abdunkeln" haben Sie den Vorteil, dass die Glanzstellen sanft abgedunkelt und nicht einfach übermalt werden.

Mit der gleichen Technik entfernen Sie auch diverse Hautunreinheiten, unerwünschte Muttermale, Augenringe et cetera. Verkleinern Sie zu diesem Zweck jedoch die Größe der Heilen-Pinselspitze auf etwa den Umfang des Fleckchens. Falls das Heilen-Werkzeug mit den zuvor beschriebenen Werkzeugeinstellungen zu schwach ist, stellen Sie den Modus auf "Normal" zurück und erhöhen Sie die Deckkraft.

Fältchen glätten

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Zum Entfernen der Spuren, die die Zeit hinterlässt, nutzen wir ebenfalls das Heilen-Werkzeug. Verändern Sie in den Werkzeugeinstellungen den Modus auf "Weiche Kanten" (damit werden die Farben gedämpfter dargestellt) und reduzieren Sie die Deckkraft wieder auf rund 50 Prozent. Skalieren Sie die Heilen-Pinselgröße etwa auf den Umfang der Fältchen und überarbeiten Sie die Bereiche genauso, wie zuvor bei den Glanzstellen beschrieben. Vergessen Sie nicht die kleinen Fältchen um die Augen und den Halsbereich.

Die bisherigen Schritte können anfangs viel Detailarbeit erfordern, doch es lohnt sich - je genauer Sie jetzt arbeiten, desto schöner wird das Ergebnis der nachfolgenden Arbeitsschritte.

Seidiger Schimmer

Nun tragen wir eine "Grundierung" auf - sie verleiht dem Teint einen seidigen Schimmer. Duplizieren Sie die aktuelle Ebene (Shift+Strg+D). Rahmen Sie mit Hilfe des Freie-Auswahl-Werkzeugs das Gesicht und das Dekolleté ein. Da wir die Augen und den Mund nicht mit dabei haben wollen (sie verlieren sonst an Glanz), rahmen Sie diese Bereiche bei gedrückter Strg-Taste (ein Minus erscheint beim Auswahlwerkzeug) ein - damit haben Sie sie von der Auswahl abgezogen. Für eine weiche Auswahlkante öffnen Sie das Menü "Auswahl > Ausblenden" und geben circa fünf Pixel ein (abhängig von der Auflösung Ihres Bilds).

Foto: c't/ Bettina Lechner

Öffnen Sie nun "Filter > Verbessern > Flecken entfernen". Richtig gelesen! Wir nützen diesen effektvollen Filter, um den Seidenschimmer zu erzeugen, denn er zeichnet weniger stark weich als etwa der Gaußsche Weichzeichner. Lassen Sie die Einstellung "Anpassend" und bestätigen Sie mit OK. Falls das Ergebnis zu schwach ist, wiederholen Sie den Filter (Strg+F) beziehungsweise. aktivieren Sie die Option "Rekursiv" (dazu den Filter nochmals öffnen (Shift+Strg+F)).

Reduzieren Sie nun im Ebenen-Dialog die Deckkraft dieser "Falten-Frei-Ebene" so weit, bis die Haut des Models nicht mehr so unnatürlich glatt wirkt, als wäre sie aus Madame Tussots Wachsfiguren-Kabinett. In unserem Beispiel war das bei 65 der Fall.

Wir benötigen die Auswahl noch für den nächsten Schritt - daher bitte aktiv lassen.

Farbunterschiede ausgleichen "Make-up"

Foto: c't/ Bettina Lechner

Der letzte Schritt zur perfekt retuschierten Haut ist das Digital-Make-up: Wir gleichen damit farbige Unregelmäßigkeiten aus - wie hier etwa am Kinn oder an der Stirn.

Aktivieren Sie im Werkzeugkasten die Pipette und nehmen Sie mit einem Radius von drei Pixel (Werkzeugeinstellungen) Farbe von der Haut auf, wo sie gute Durchschnittswerte aufweist (hier z.B. Rot: 218/Grün: 156/Blau: 109, von der Stirn).

Die Farbe wird standardmäßig als Vordergrundfarbe abgelegt - diese tragen wir nun mit der Sprühpistole innerhalb der vom vorherigen Schritt noch aktiven Auswahl auf. In den Werkzeugeinstellungen reduzieren Sie die Deckkraft des Werkzeugs auf circa 80. Ziemlich hoch, doch wir arbeiten ja auf der "Falten-Frei-Ebene", die ebenfalls über eine reduzierte Deckkraft verfügt. Falls Sie die Auswahl beim Auftragen stört, blenden Sie sie über Menü "Ansicht > Auswahl anzeigen" aus (Strg+T).

Vergessen Sie aber bitte nicht, dass die Auswahl trotzdem aktiv ist! Die Einstellung bleibt auch erhalten, wenn Sie eine neue Auswahl erzeugen. Blenden Sie sie zur Sicherheit nach diesem Arbeitsschritt über denselben Menübefehl wieder ein und heben Sie danach die Auswahl auf (Shift+Strg+A).

Für den nächsten Schritt benötigen wir eine neue Ebene aus den beiden vorhandenen. Blenden Sie daher die Hintergrundebene aus (das Original) und klicken Sie mit der rechten Maustaste auf den Ebenendialog "Neu aus Sichtbarem", um auf einer neuen vereinten Ebene weiterzuarbeiten. Nennen wir sie "mundpartie".

Lippenstift, Lipliner & Glosseffekt, Zähne

Foto: c't/ Bettina Lechner

Als nächstes tragen wir Lippenstift auf beziehungsweise intensivieren das vorhandene Rot der Lippen. Mit der hier vorgestellten Technik sind Sie völlig flexibel - Sie können nicht nur die Lippenfarbe frei wählen (etwa an die Kleidung oder einen im Foto sichtbaren Nagellack anpassen) -, die aufgetragene Farbe wirkt dabei auch völlig natürlich, weil die Struktur der Lippen sichtbar bleibt.

Haken dabei: Die Lippen müssen so exakt wie möglich ausgewählt werden, jede kleine Unregelmäßigkeit wirkt leider sehr unschön und kann die Retusche aufdecken. In Fällen wie diesem hilft die Schnellmaske, da wir damit die Auswahl ganz einfach nachträglich korrigieren können. Klicken Sie zum Aktivieren der Schnellmaske im Bildfenster auf die linke untere Ecke (Strg+Q). Das Bild wird mit einer knallroten Folie überzogen - anschließend malen Sie mit einem weißen Pinsel die Folie dort weg, wo Sie die Auswahl benötigen - also über die Lippen.

Verwenden Sie einen Pinsel mit weicher Kante (am besten die zuvor selbstangelegte Pinselspitze, siehe auch Kasten "Pinsel selbst gemacht"), drücken Sie D, um im Werkzeugkasten die Vordergrund- respektive Hintergrundfarbe auf Schwarzweiß zurückzusetzen und dann die Taste X, um Weiß als Vordergrundfarbe zu wählen. Zoomen Sie stark in das Bild und malen Sie exakt entlang der Lippen.

Um die Auswahl zu prüfen, deaktivieren Sie zwischendurch die Schnellmaske durch erneuten Klick auf die Bildfenster-Ecke (Strg+Q). Wenn Sie fertig sind, deaktivieren Sie die Schnellmaske endgültig und wählen das Menü "Auswahl > Vergrößern - 2 Pixel" und unmittelbar danach die Auswahl > Ausblenden - 2 Pixel", so lässt sich ein weicherer Übergang entlang der Lippenkanten erzeugen.

Für die Farbe des "Lippenstifts" öffnen Sie "Farben > Farbabgleich". Die Einstellungen hängen nun von der jeweiligen vorhandenen Grundfarbe der Lippen ab, experimentieren Sie mit den Einstellungen, verschieben Sie die Regler nur ganz wenig - häufig intensiviert sich schon bei geringem Anheben der Regler Richtung Rot oder Magenta die Lippenfarbe sehr stark. Variieren Sie auch mit den Optionen "Schatten", "Mitten" und "Glanzlichter".

Um das Rot etwas zu dämpfen oder zu intensivieren, öffnen Sie - bei nach wie vor aktiver Auswahl - "Farben > Kurven" und ziehen Sie die Linie vorsichtig nach oben oder unten.

Maske

Maske

Foto: c't/ Bettina Lechner

Zur Verstärkung der Lippen-Konturen verwendet man im realen Leben einen Lipliner. In GIMP nutzen wir dazu die aktuelle Auswahl. Messen Sie mit der Pipette aus dem Werkzeugkasten die rote Lippenstiftfarbe aus und legen Sie sie als Vordergrundfarbe ab (Werkzeugeinstellungen). Legen Sie für diesen Arbeitsschritt eine neue transparente Ebene (Shift+Strg+N) an, nennen Sie sie beispielsweise "lipliner" und wählen Sie "Bearbeiten > Auswahl nachziehen," "Linienbreite 1 Pixel". Zumeist ist das Ergebnis zu intensiv, reduzieren Sie folglich die Deckkraft der Ebene auf circa 20. Die Kontur soll nicht allzu stark zu sehen, sondern gerade mal unterstützend für den Lippenstift sein. Heben Sie abschließend die Auswahl auf (Shift+Strg+A) und löschen Sie mit dem Radierer die Kontur in den Mundwinkeln und über den Zähnen.

Für einen Glosseffekt hellen wir kurzerhand die schon vorhandene Spiegelung auf. Ist eine solche in Ihrem Foto nicht vorhanden, wählen Sie die hellste Stelle aus. Rahmen Sie sie mit dem Freie-Auswahl-Werkzeug ein, stellen Sie zuvor in den Werkzeugeinstellungen "Kante ausblenden" einen verhältnismäßig hohen Wert (abhängig von der Auflösung Ihres Bildes, hier 10 bei 1200x1300 Pixel) für eine ganz weiche Kante ein. Wechseln Sie von der "lipliner"-Ebene wieder auf die darunter befindliche Ebene. Mittels "Farbe > Kurven" hellen Sie die Schatten auf, indem Sie die Linie im unteren Bereich steiler machen. Es dürfen keine Kanten entstehen. Falls dies der Fall ist, haben Sie entweder zu sehr aufgehellt oder die Auswahl ist zu hart. Im letzteren Fall wählen Sie "Auswahl > Ausblenden" und öffnen anschließend erneut die Kurven. Bestätigen Sie mit OK und heben Sie die Auswahl auf.

Zähne aufhellen

Ganz ohne schädliche Chemikalien hellen wir nun die Zähne auf - erzeugen Sie eine Auswahl um die Zähne - am geeignetsten ist auch hier wieder die Schnellmaske (siehe vorheriger Absatz zum Lippenstift). Stellen Sie sicher, dass Sie auf der Ebene "mundpartie" arbeiten und öffnen Sie über das Menü "Farben" den Dialog "Farbton/Sättigung". Schieben Sie den Regler für Sättigung nach links, um etwaige Verfärbungen zu reduzieren und hellen Sie die Zähne auf, indem Sie den Regler für Helligkeit nach rechts ziehen.

Das Ergebnis verfeinern wir noch mittels "Farben > Kurve": Ziehen Sie die Linie im oberen Bereich vorsichtig nach oben. Bei aktivierter Vorschau sehen Sie das Ergebnis sofort im Bildfenster. Wenn Sie zufrieden sind, bestätigen Sie mit OK.

Augen, Lidschatten und Wimpern

Foto: c't/ Bettina Lechner

Nun betonen wir die Augen mit Schminktechniken, die aus dem realen Leben bekannt sind: Wir tragen Kajal und Lidschatten auf, sorgen für dichtere Wimpern, "zupfen" Augenbrauen weg und ziehen sie ein wenig nach.

Legen Sie eine neue transparente Ebene an, benennen Sie sie etwa: "kajal-rechts". Verfügen Sie über ein Grafiktablett, können Sie testen, wie ruhig Ihre Hand ist und mit einem dünnen Pinsel schwarze beziehungsweise. dunkelbraune Linien oberhalb und unterhalb des Augenlids auftragen. Wenn Sie, wie ich, damit kein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen, verwenden Sie das Pfad-Werkzeug - denn mit ihm ziehen wir nicht nur eine saubere Linie, sondern können dieser auch noch gewollte feine Unregelmäßigkeiten hinzufügen, sodass die Eyeline wie echt wirkt. Und so geht es:

Aktivieren Sie im Werkzeugkasten das Pfad-Werkzeug. Klicken Sie damit einmal auf den äußeren Winkel des Auges, direkt auf das Lid. Lassen Sie die Maustaste los und bewegen Sie die Maus zum inneren Winkel des Auges - je nach Wunsch aber auch nur bis zur Augenlidmitte (abhängig vom jeweiligen Model-Typ), also zum Endpunkt des Kajalstrichs und klicken erneut, halten Sie dabei jedoch gleich die Maustaste gedrückt und ziehen Sie schräg rechts nach unten. Dadurch ziehen Sie die sogenannten Griffpunkte aus dem Anker und die Verbindungslinie biegt sich. Bewegen Sie den Griffpunkt so, dass die Biegung exakt der Wölbung des Auges entspricht.

Foto: c't/ Bettina Lechner

Diesen Pfad lassen wir mit einem etwas "zittrigen" Pinselstrich von GIMP nachziehen: Klicken Sie für die Werkzeugeinstellungen im Werkzeugkasten auf das Pinsel-Werkzeug (bitte nicht erschrecken! Der Pfad wird dadurch automatisch ausgeblendet, doch er ist noch vorhanden. Sie können ihn jederzeit wieder einblenden, indem Sie im rechten Dock in den Pfad-Dialog wechseln - standardmäßig die dritte Lasche - und dort auf das erste leere Kästchen vor dem Pfad-Namen "Unbenannt" klicken - ein Auge erscheint und die Pfadlinie im Bildfenster ebenfalls. Gerne können Sie hier dem Pfad auch gleich einen richtigen Namen geben. So lässt er sich später einfacher von den anderen unterscheiden: Doppelklicken Sie auf "Unbenannt" und nennen Sie ihn etwa "kayal li ob".

Zurück zu den Pinseleinstellungen: Stellen Sie eine relativ weiche Pinselspitze - zum Beispiel "unsere" selbstangelegte (siehe Kasten "Pinsel selbst gemacht") ein, skalieren Sie auf 0.02, aktivieren Sie "Verblassen" - die Länge ist abhängig von Auflösung - dadurch soften Sie den Pinselstrich gegen Ende automatisch ab und fügen Sie "Zittern" hinzu - Menge nur ganz wenig -, sodass gerade mal eine leichte Unregelmäßigkeit sichtbar wird, beispielsweise. 0.66.

Foto: c't/ Bettina Lechner

Mit diesen Einstellungen werden wir den Pfad nachziehen lassen. Sie brauchen dazu den Pfad nicht einmal einzublenden - GIMP verwendet automatisch den im Pfad-Dialog markierten Pfad, unabhängig von seiner Sichtbarkeit. Stellen Sie die Vordergrundfarbe für den Kajal ein (zum Beispiel Farbton aus der Iris) und wählen Sie "Bearbeiten > Pfad nachziehen". Aktivieren Sie in diesem Dialog die Option "Mit Hilfe eines Malwerkzeugs nachziehen" (Pinsel), bestätigen Sie den Dialog und reduzieren Sie gegebenenfalls die Deckkraft der Ebene ein wenig. Falls die Pfadkurve noch sichtbar ist, blenden Sie sie über den Pfad-Dialog aus oder wechseln Sie zu einem anderen Werkzeug.

Falls Sie den Kajal-Strich nachträglich etwas verschieben wollen, werden Sie feststellen, dass die Ebene genauso groß ist wie das gesamte Bild - damit sich die Kajal-Ebene handlicher verschieben lässt, wählen Sie "Ebene > Ebene automatisch zuschneiden".

Wiederholen Sie den Schritt für das andere Auge.

Für den unteren Lidstrich stellen Sie den Pinsel noch eine Stufe dünner und zeichnen Sie über "Filter > Weichzeichnen > Weichzeichnen" etwas unscharf, falls der Effekt zu stark sein sollte.

Lidschatten

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Für den Lidschatten legen wir wieder eine neue transparente Ebene an. Die Farbe des Lidschattens sollte zur Augenfarbe beziehungsweise zum Model-Typ passen - meist arbeitet man mit mehreren Schichten, zur Grundierung einen Hautton (Farbe z. B. Rot: 221/Grün: 187/Blau:150), danach ein sehr dezentes Braun, das gut zu den Augen und den Haaren passt. Das kann aber auch Grau oder Blau sein, helle Farben wirken vergrößernd auf das Auge, dunkle verkleinernd. Aktivieren Sie die Sprühpistole und streichen Sie bei reduzierter Deckkraft über das Lid. Versuchen Sie verschiedene Werkzeugeinstellungen wie "Verblassen" oder "Farbe aus Farbverlauf".

Damit das Ergebnis nicht zu "aufgemalt" wirkt, kombinieren Sie die Lidschattenebene mittels Modus "Multiplizieren" mit der (weit) darunterliegenden "Falten-Frei-Ebene". Das Ergebnis wird etwas dunkler - reduzieren Sie daher gegebenenfalls. die Deckkraft der Ebene.

Arbeiten Sie mit mehreren Ebenen, tragen Sie verschiedene Farben auf und mixen Sie sie mittels Ebenenmodi oder auch indem Sie den Modus der Sprühpistole direkt verändern.

Im Web finden Sie übrigens zahlreiche Schmink-Videos, die Ihnen helfen, die perfekte Farbkombination zu finden, und sie liefern auch Tipps für das korrekte Auftragen. Suchen Sie beispielsweise nach "lidschatten auftragen".

Wenn Sie einen besonderen Akzent setzen wollen, tragen Sie noch etwas Glitzer rund um das Auge auf: Stellen Sie eine kräftige gelbe Farbe ein und den Modus der Sprühpistole beziehungsweise des weichen Pinsels auf "Vernichtend", nehmen Sie die Deckkraft weit zurück (etwa auf 14) und klicken Sie damit rund um das Auge.

Wimpern

Foto: c't/ Bettina Lechner

In diesem nächsten Schritt verlängern und verdichten wir die Wimpern. Legen Sie auch zu diesem Zweck eine neue transparente Ebene "wimpern" an. Wie schon beim Kajal ist hier das Pfad-Werkzeug die perfekte Wahl für ein realistisches Ergebnis:

Klicken Sie mit dem Pfad-Werkzeug auf das Bild, und zwar beginnen Sie beim oberen Ende der Wimper. Lassen Sie die Maustaste los, positionieren Sie die Maus für den zweiten Anker-Punkt auf das Augenlid und klicken und ziehen Sie sofort bei gedrückter Maustaste aus dem Ankerpunkt. Die Griffpunkte erscheinen, mit deren Hilfe Sie die Biegung der Wimper bestimmen. Die Kurve sollte im unteren Drittel etwas mehr gebogen sein als im oberen.

Stellen Sie eine dunkelbraune Vordergrundfarbe ein - beispielsweise Rot: 60, Grün: 34, Blau: 34 - und wählen Sie "Bearbeiten > Pfad nachziehen: Linienbreite 1 Pixel". Die Wimper sollte jedoch am oberen Ende etwas abgesoftet werden, tupfen Sie daher mit dem Radierer bei geringer Deckkraft vorsichtig darüber. Die erste Wimper ist fertig!

Foto: c't/ Bettina Lechner

Die weiteren Wimpern werden Kopien von dieser ersten: Noch erstreckt sich die Ebene aber über das gesamte Bild - etwas unhandlich fürs Drehen und Skalieren - daher verkleinern wir sie mittels Menü "Ebene > Ebene automatisch zuschneiden". Duplizieren Sie diese Ebene, verschieben Sie sie ein wenig und rotieren Sie sie mit dem Drehen-Werkzeug aus dem Werkzeugkasten: Klicken Sie damit auf die Ebene und ziehen Sie an der rechten unteren Ecke etwas nach oben. Bestätigen Sie den Dialog. Reduzieren Sie auch die Deckkraft der Ebene geringfügig. Duplizieren Sie wiederum die "wimpern"-Ebene und positionieren Sie diese erneut etwas weiter weg. Drehen, skalieren Sie sie ein bisschen; für verschiedene Schattierungen experimentieren Sie mit den Ebenenmodi im Ebenen-Dialog. Fahren Sie so fort. Wenn Sie auf diese Art und Weise einige Wimpern erzeugt haben, sollten Sie sie auf einer gemeinsamen Ebene verschmelzen - damit reduzieren Sie die Anzahl der Ebenen, und es geht schneller, aus diesen wieder ein neues Duplikat zu erzeugen: Blenden Sie hierzu im Ebenen-Dialog also nur alle "wimpern"-Ebenen ein und klicken Sie im Ebenen-Dialog mit der rechten Maustaste auf "Sichtbare Ebenen vereinen".

Foto: c't/ Bettina Lechner

Duplizieren Sie diese, verschieben Sie sie und so weiter wie gehabt. Falls die Wimpern zu glatt wirken, zeichnen Sie am Schluss mittels "Filter > Weichzeichnen > Weichzeichnen" flott unscharf.

Wenn Sie mit den oberen Wimpern fertig sind, duplizieren Sie die Ebene, ziehen Sie sie nach unten und spiegeln Sie sie mit dem Spiegeln-Werkzeug horizontal (Einmal-Klick auf die Ebene). Da die Wimpern unterhalb des Auges kürzer sind, löscht man mit dem Radierer mittels weichen Pinsels die Spitzen weg.

Duplizieren Sie die fertigen "Wimpern" des einen Auges und passen Sie sie für das zweite Auge an. Spiegeln Sie die Wimpern, und verändern Sie gegebenenfalls die Belichtung der Wimpern, falls dies die Lichtverhältnisse erfordern - verwenden Sie dazu am besten das Menü "Farben > Kurven".

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Wenn Sie die Wimpern deutlicher sehen wollen, legen Sie unterhalb der Wimpern-Ebenen eine neue weiße Ebene an. Das erleichtert das Bearbeiten mit Radierer und Weichzeichner.

Tipp: Wimpern händisch zu erzeugen, ist recht aufwendig. Bewahren Sie deshalb die Wimpern für andere Modelle in einer gesonderten Datei auf. Und so speichern Sie die Wimpern in einer neuen Datei: Ziehen Sie aus dem Ebenen-Dialog die Wimpern-Ebene direkt auf den Werkzeugkasten. Die Ebene wird dadurch automatisch in einer neuen - noch unbenannten Datei - geöffnet, speichern Sie die als xcf-Datei ab.

Augenbrauen formen

Die Augenbrauen sind ein weiterer wichtiger Bereich, der für ausdrucksstarke Augen sorgt. Bringen Sie sie in eine schöne Form, indem Sie mit dem Heilen-Werkzeug überstehende Härchen entfernen. Klicken Sie - wie schon bei den Glanzstellen beschrieben - bei gedrückter Strg-Taste auf ein haarloses Stück Haut und überdecken Sie damit die "Ausläufer" der Augenbrauen. In unserem Beispiel sind die Augenbrauen recht hell - daher will ich sie intensivieren und so noch mehr formbetonen.

Legen Sie eine neue transparente Ebene "augenbrauen" an. Wir werden mit einem sanften Farbverlauf darüber malen. Die Farben holen wir aus den vorhandenen Augenbrauen: Messen Sie mit der Pipette einmal eine dunklere und einmal - bei gedrückter Strg-Taste wird diese sofort als Hintergrundfarbe abgelegt - eine hellere Farbe aus den vorhandenen Augenbrauen aus. (Achtung: Wechseln Sie beim Ausmessen auf die richtige, das Modell enthaltene Ebene!) Die hier ausgemessenen Farben sind Vordergrundfarbe: Rot: 186/Grün: 116/Blau: 76; Hintergrundfarbe: Rot: 237/Grün: 214/Blau: 199.

Aktivieren Sie einen kleinen Pinsel, setzen Sie in den Werkzeugeinstellungen darunter bei "Farbe aus Farbverlauf" ein Häkchen. Malen Sie mit großzügigen Strichen über die Augenbrauen, immer von rechts nach links außen, beziehungsweise beim zweiten Auge umgekehrt. Am Ende zeichnen Sie wieder ein wenig weich (Filter > Weichzeichnen > Weichzeichnen) und reduzieren Sie bei Bedarf die Deckkraft der Ebene.

Rouge

Etwas Rouge auf den Wangenknochen betont die Gesichtsform beziehungsweise kann diese auf Wunsch optisch auch leicht verändern. Auch hierzu finden Sie im Web Video-Tutorials, die für die jeweilige Gesichtsform Tipps parat haben. Legen Sie zu diesem Zweck eine neue transparente Ebene "rouge" an.

Tragen Sie mit der Sprühpistole und einem sehr großen weichen Pinsel mit sehr geringer Deckkraft etwas Rot auf. Verwenden Sie am besten das Lippenrot. Streichen Sie zwei bis drei Mal über die Wangenknochen und korrigieren Sie eventuell entstandene Streifen mit dem Wischfinger- und dem Weichzeichner-Werkzeug.

Zuschnitt und Weichzeichnen

Foto: c't/ Bettina Lechner

Falls Ihr Porträt noch nicht freigestellt ist, schneiden Sie es mit dem Zuschneide-Werkzeug zu. Hilfreich ist es, in den Werkzeugeinstellungen die Hilfslinien "Goldener Schnitt" einzublenden. Die Linien sollten jeweils auf Augen und Mund zu liegen kommen - dann haben Sie den perfekten Ausschnitt. Klicken Sie auf das Bild, um es zuzuschneiden. Retuschieren Sie mit dem Klonen-Werkzeug eventuell ins Bild hineinragende Elemente weg. (Eine ausführliche Beschreibung zum Thema Wegretuschieren lesen Sie im Artikel "Störende Elemente wegretuschieren.")

Um das Gesicht stärker zu betonen, zeichnen Sie mit dem Weichzeichner-Werkzeug und einem sehr großen weichen Pinsel rundherum etwas unscharf - so dürfen die äußeren Spitzen der Haare und der Hintergrund ruhig ein wenig in der Unschärfe "verschwinden".

Belichtung und Farbtouch

Foto: c't/ Bettina Lechner

Wir sind fast fertig! Wir wollen dem Beauty-Porträt am Ende noch etwas Feinschliff verleihen, indem wir die Farbverhältnisse, den Kontrast und die Belichtung sanft verändern. Je nach Aufnahmeverhältnissen können jedoch diese Abschlussarbeiten stark variieren und sind daher nur als Kreativ-Impuls für die Bearbeitung Ihrer eigenen Bilder zu sehen.

Wir haben in den letzten Schritten (Lidschatten, Wimpern, Augenbrauen etc.) zahlreiche neue Ebenen angelegt - erzeugen Sie nun aus all diesen Ebenen eine weitere, indem Sie im Ebenen-Dialog mit der rechten Maustaste "Neu aus sichtbarem" wählen.

Duplizieren Sie diese Ebene zweimal, wir haben dann das Modell dreimal übereinander stehen. Stellen Sie den Ebenenmodus der zweiten Ebene auf "Multiplikation" - damit intensivieren Sie die Farben - und den Ebenenmodus der obersten Ebene auf "Bildschirm" - diese wirkt aufhellend. Noch ist das Ganze viel zu intensiv und unnatürlich. Auf der Multiplikationsebene wandeln Sie daher das Bild über "Farben > Komponenten > Kanalmixer" in ein Schwarzweiß-Bild um, aktivieren Sie im Dialog die Option "Monochrom" und stellen Sie mit den Reglern die einzelnen Rot-Grün-Blau-Kanäle so ein, dass fast nur noch die Schatten zu sehen sind, bestätigen Sie abschließend. Die Tiefen des Bilds wirken jetzt noch intensiver.

Reduzieren Sie auf der Bildschirmebene mittels Menü "Farben > Farbton/Sättigung" die Helligkeit.

Reduzieren Sie bei beiden Hilfsebenen "Bildschirm" und "Multiplikation" die Deckkraft (zwischen 30 und 60) nach Ihrem Geschmack. Nun ist Ihr kreatives Auge gefragt. Experimentieren Sie also mit den zahllosen Möglichkeiten, die GIMP zu bieten hat. Verändern Sie über "Farben > Kurven" einzelne Kanäle oder versuchen Sie über die fantastischen "Filter > Künstlerisch > warmes Leuchten" beziehungsweise über "Filter > Licht und Schatten > Lichteffekte" die Belichtung zu verbessern. Lassen Sie in Ihre Technik auch Ebenenmasken mit einfließen, um bestimmte Bereiche zu intensivieren oder abzusoften. Grundsätzlich gilt das Motto "Weniger ist mehr" - denn ein zu aufgesetztes Make-up wirkt rasch unnatürlich. Betonen Sie den jeweiligen Model-Charaktertyp - romantisch mit mehr Weichzeichner, feurig mit intensiveren Rottönen, sportlich mit weniger Make-up et cetera. Porträt-Retusche erfordert viel Fingerspitzengefühl und Geduld, macht aber gleichwohl viel Spaß.

Gefunden in: c't Special 1/2010 - Digitale Fotografie ( Heft bestellen  / c't- Sonderhefte im Überlick  )

Fotostrecke

Beauty Retusche: Kurzanleitung für verschiedene Stile

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