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Patrick Beuth

Computergenerierte Kunst Ominöse Obama-Biografie wird zum Bestseller bei Amazon

Patrick Beuth
Ein Netzwelt-Newsletter von Patrick Beuth

Liebe Leserin, lieber Leser,

mal angenommen, Sie würden eine Biografie über eine berühmte Person schreiben, welchen Titel würden Sie ihr geben? Wie wäre es mit dem Schema »Vorname Nachname Buch«?

Klingt vielleicht nicht besonders originell, hätte aber einen Vorteil: Ihr Publikum würde es schnell finden. Denn genau nach diesem Schema sucht es schließlich im Internet, sei es per Suchmaschine oder direkt bei Amazon. Aus diesem Grund, nehme ich zumindest stark an, hat es das 61 Seiten dünne »Barack Obama Book« in der vergangenen Woche unter die 100 meistverkauften Bücher auf Amazon.com geschafft, obwohl die ebenfalls brandaktuellen, 751 Seiten starken Memoiren des Ex-Präsidenten den wesentlich verlockenderen Titel »A Promised Land« (hier ein Auszug) haben.

Doch die Story, die »Slate« entdeckt hat , handelt nicht nur von SEO (Search Engine Optimization), sondern vor allem von KI, also sogenannter künstlicher Intelligenz. Reporter Dan Kois schreibt: »Ich glaube nicht, dass das ›Barack Obama Book‹ von einem menschlichen Wesen geschrieben wurde. Aber ich glaube, dass die KI, die es ausgespuckt hat, ein paar ganz vernünftige Dinge über Obama geschrieben hat.«

Einen echten Beweis hat er nicht, der angebliche Verlag oder Verfasser des Buchs, University Press, hat ihm nicht geantwortet. Aber Kois hat Textauszüge in GLTR eingegeben, das steht für Giant Language Model Test Room , entwickelt unter anderem von zwei deutschen Forschern in den USA. GLTR zeigt – vereinfacht gesagt – an, welche Wörter in einem Satz oder Absatz typisch für eine KI und welche eher untypisch wären. Das Ergebnis des Tests von Kois sprach recht deutlich für ein KI-Buch über Obama. Auch Kois selbst fand Passagen, die dermaßen seelenlos oder schlicht seltsam geschrieben waren, dass er nicht an einen menschlichen Autor glaubte.

Computer-Kunst: Die Künstlerin Anna Ridler hat eine KI Tulpen malen lassen

Computer-Kunst: Die Künstlerin Anna Ridler hat eine KI Tulpen malen lassen

Foto: BEN STANSALL/ AFP

Womit ich bei meinem eigentlichen Kern dieses Newsletters angekommen wäre: Würden Sie das Kunstwerk einer KI erkennen, wenn Sie es sehen? Einen Text, der von einem Computer geschrieben wurde? Ein Porträtfoto von einem Menschen, den es nicht gibt? Ein Deepfake-Video von einer Szene, die nie stattgefunden hat? Üben Sie es! Denn erstens lernen Sie dabei, wie weit die Technik ist, und zweitens trainieren Sie sich eine Medienkompetenz an, die immer wichtiger wird. Drittens machen die Rätsel und Tests ziemlich viel Spaß.

Hier sind meine Linktipps dazu:

Seltsame Digitalwelt: Laptop-Ständer aus dem Baumarkt

Foto: Patrick Beuth

Ich brauchte im Homeoffice endlich einen richtigen Laptop-Ständer, bisher lag der Computer wahlweise auf einer Assange-Biografie oder einem Märchenbuch. Aber im Onlinehandel waren mir die schicken Versionen zu teuer und die billigen zu hässlich. Also suchte ich auf YouTube nach DIY-Anleitungen und wurde bei Felix Bahlinger fündig, der 2013 eine lustige Idee hatte : Fünf Metallrohre mit Gewinden und sechs Winkel ergeben einen beinahe schon steampunkigen Laptop-Ständer, Gesamtpreis rund 15 Euro. Den habe ich nun nachgebaut. Aber ich glaube, das geht noch besser, mit Farbe oder Verzierungen. Wenn Sie einen kreativen Vorschlag haben, schreiben Sie mir an patrick.beuth@spiegel.de – ich bin gespannt.

Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

  • »Der Staat und seine Hacker«  (vier Leseminuten)
    Wo Hochleistungscomputer im Keller versuchen, Passwörter zu knacken: Jannis Brühl von der »Süddeutschen Zeitung« hat die Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich, kurz Zitis, besucht.

  • »Dänemark hilft NSA beim Ausspähen von Dänen«  (sechs Leseminuten)
    Ähnlich wie der deutsche Bundesnachrichtendienst kooperiert auch Dänemarks Auslandsgeheimdienst mit der NSA. Und auch dort sind offenbar Dinge passiert, die rechtlich mindestens fragwürdig waren, wie Kai Biermann in der »Zeit« schreibt.

  • »DeepMind's Journey from Games to Fundamental Science«  (Podcast, Englisch, 45 Minuten)
    Gespräch mit einem Genie: Azeem Azhar interviewt Demis Hassabis, CEO und Mitgründer von DeepMind, dem mittlerweile zu Google gehörenden Labor, das an künstlicher Intelligenz forscht. Auch für Einsteiger gut verständlich.

Kommen Sie gut durch die Woche.

Ihr Patrick Beuth

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Getty Images/ shapecharge

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