Bios-Sicherheitslücken Forscher sehen Millionen Rechner in Gefahr

Auf einer Konferenz in Vancouver haben zwei Sicherheitsforscher vor Lücken im Bios vieler Computer gewarnt. Die betroffenen Hersteller arbeiten bereits an Updates - doch es ist abzusehen, dass das wenig bringen wird.
Hier steckt das Bios: Tief im Rechner - und trotzdem aus der Ferne erreichbar für Hacker und Geheimdienste

Hier steckt das Bios: Tief im Rechner - und trotzdem aus der Ferne erreichbar für Hacker und Geheimdienste

Foto: Peter Stuge

Ein Bedrohung für Hunderte Computer? Für Tausende? Nein, viel mehr. "How Many Million BIOSes Would You Like To Infect? ", lautet der drastische Titel, den die Sicherheitsforscher Xeno Kovah und Corey Kallenberg für ihren jüngsten Vortrag gewählt haben. Die Rede ist also von Millionen gefährdeten Rechnern.

Auf der CanSecWest-Konferenz in Vancouver haben die beiden Experten vor Schwachstellen gewarnt, die das sogenannte Bios eines Computers betreffen. Das ist die Software, die direkt auf der Hauptplatine eines Rechners sitzt und beim Einschalten als erstes geladen wird.

"Weil die Leute ihr Bios nicht aktualisieren, bestehen die Schwachstellen, die in den letzten Jahren bekannt wurden, noch immer", zitiert die "Wired" Xeno Kovah. Auf der Website der Forscher  heißt es, die Wahrscheinlichkeit sei hoch, dass der Großteil der Systeme, die derzeit genutzt werden, von mindestens einer Sicherheitslücke gefährdet ist.

Es können also nicht nur Geheimdienste spionieren

Bisher war bereits davon auszugehen, dass Geheimdienste Bios-Schwachstellen für Angriffe ausnutzen. Ende 2013 enthüllten der SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE den geheimen Werkzeugkasten der NSA. Im hausinternen Bestellkatalog der Abteilung ANT finden sich Schadprogramme, die sich ebenfalls im Bios einnisten. Sie funktionieren sogar weiter, wenn die Festplatte gelöscht und ein neues Betriebssystem aufgespielt wird.

Kovahs und Kallenbergs Entdeckung zeigt nun, dass nicht nur ein Geheimdienst mit Milliarden-Etat in der Lage ist, Rechner dank Bios-Schwachstellen auszuspionieren.

Die beiden haben ein Schadprogramm mit dem Namen LightEater entwickelt, mit dem sich die Firmware auf Rechnern von Gigabyte, Acer, MSI, HP und Asus manipulieren lässt - zumindest theoretisch. Die Forscher haben bislang nur exemplarisch einige Attacken durchgeführt, ihre Software dient Testzwecken.

Eine Sache von Minuten

LightEater ermöglicht es, in den sogenannten System Management Mode von Rechnern einzudringen, wenn deren Bios bestimmte Schwachstellen aufweist. Hat man dort Code eingeschleust, lässt sich etwa der Flash-Speicher des Bios nach eigenen Wünschen überschreiben. Dass Rechner verschiedener Hersteller bedroht sind, liegt laut dem Duo daran, dass die Firmen oft ähnliche Code-Bestandteile einsetzen.

Die Forscher beschreiben zwei Wege, die Bios-Schwachstellen auszunutzen, darunter eine Attacke per Fernzugriff, bei der Angriffscode zum Beispiel per Phishing-E-Mail geschickt wird. Unkomplizierter soll das Vorgehen bei einem physischen Zugriff auf das Gerät sein - eine Möglichkeit, die zum Beispiel Grenzbeamte oder Reinigungskräfte haben könnten.

Es wird Updates geben - man muss sie nur einspielen

Kovah und Kallenberg erklärten laut "Wired" , es sei ihnen mitunter gelungen, ein Bios binnen zwei Minuten für ihre Zwecke zu manipulieren. Bei einem Test hat es das Team offenbar auch geschafft, Daten von einem Computer abzugreifen, auf dem Tails läuft  - das ist jene Linux-Distribution, die Whistleblower Edward Snowden für sichere Kommunikation empfiehlt.

Ihre Erkenntnisse haben die Forscher den betroffenen Herstellern mitgeteilt, die laut dem Bericht bereits an Updates arbeiten. Die entscheidende Frage wird allerdings weiter die sein, wie viele Nutzer diese Aktualisierungen am Ende auch wirklich einspielen.

mbö