Mutmaßlicher Betrug bei Africrypt Bitcoin-Händler verschwinden mit Kryptowährung im Milliardenwert

Die Betreiber der Kryptobörse Africrypt versprachen Renditen von bis zu zehn Prozent pro Tag. Nun sind die Gründer-Brüder mit Bitcoins im Wert von etwa 1,8 Milliarden Euro abgetaucht. Hätten Anleger etwas ahnen müssen?
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Dan Kitwood / Getty Images

Es klang vielversprechend, geradezu spektakulär: Eine Rendite von bis zu zehn Prozent sollten Kunden erhalten, wenn sie ihr Geld in den Handel mit Kryptowährungen bei Africrypt investierten – pro Tag. Doch dann kam alles anders, geradezu spektakulär anders. Die zwei Gründer der südafrikanischen Handelsbörse sind verschwunden, und mit ihnen rund 70.000 Bitcoins.

Wie Bloomberg berichtet , haben sich der 17-jährige Ameer C. und sein 20-jährige Bruder Raees vermutlich aus dem Staub gemacht. Die beiden hatten die Firma vor zwei Jahren gegründet. Die Geschwister seien mittlerweile nicht mehr erreichbar und offenbar nach Großbritannien verschwunden, mitsamt der Bitcoins ihrer Kunden im derzeitigen Wert von rund 1,8 Milliarden Euro .

Der Verdacht, dass es sich um einen sogenannten Exit-Scam handelt, kam zum ersten Mal Mitte April auf, als der Bitcoin ein Allzeithoch von etwa 54.000 Euro erreicht. Die Beute, mit der die Africrypt-Brüder verschwanden, war zu diesem Zeitpunkt etwa 3,7 Milliarden Euro wert. Mittlerweile ist der Bitcoin-Kurs unter anderem aufgrund eines harten politischen Kurses der chinesischen Regierung gegen Kryptowährungen fast um die Hälfte abgesackt.

E-Mails an Anleger bleiben plötzlich aus

Am 13. April jedenfalls erhielten die Africrypt-Investoren eine letzte E-Mail von Ameer C. Darin schrieb er laut dem südafrikanischen Nachrichtenportal »IT Web« , dass alle Africrypt-Geschäfte aufgrund »einer Sicherheitspanne« gestoppt werden mussten, von der auch die von Africrypt selbst verwalteten digitalen Börsen (Wallets) der Anleger betroffen seien. Es sei nicht klar, inwieweit persönliche Kundendaten ausgelesen wurden, hieß es in der Nachricht. Aber dass angeblich Einlagen gestohlen worden seien, ging durchaus aus der E-Mail hervor.

Kurios ist vor allem jene Passage der E-Mail, in der C. laut Bloomberg die Kunden darum bat, die vermeintliche Datenpanne nicht an Anwälte oder Behörden zu melden, da sonst der Wiederbeschaffungsprozess der fehlenden Beträge verzögert werde. C. versprach, die Kunden auf dem Laufenden zu halten. Doch dann passierte nichts mehr. Die Website ging offline, lediglich die Bitcoin-Weisheiten von Africrypt auf der Fotoplattform Instagram sind noch abrufbar . Die Brüder verfassten seither keine beschwichtigenden E-Mails mehr an ihre Investoren.

Die wurden deshalb skeptisch. Rund 20 Investoren beauftragten eine Anwaltskanzlei damit, die Africrypt-Gründer aufzuspüren und das Geld zurückzuholen, das mittlerweile unter anderem durch sogenannte Mixer und an große Kryptopools geschickt worden sein soll, um die Nachverfolgung des Geldes zu erschweren, wie das Finanzportal »Moneyweb« berichtet .

Es kam noch dicker: Die südafrikanische Finanzaufsicht hatte laut »IT Web« die Untersuchung des Falls zunächst wieder einstellen müssen, weil Bitcoin in Südafrika nicht als Finanzprodukt gilt. Sie versucht nun aber, einen anderen Weg zu finden, um eine Zuständigkeit beanspruchen zu können.

Beliebte Masche bei Betrügern

Kryptoexperte Jens Mattke und sein Team beobachten schon seit einigen Jahren, dass sich Betrugsfälle mit Bitcoin und Co. häufen. Das liege vor allem an der Zielgruppe, die sich geändert habe, sagt der Wirtschaftsinformatiker von der Universität Bamberg im Gespräch mit dem SPIEGEL. »Am Anfang haben vor allem Anleger investiert, die Ahnung haben von Kryptowährungen«, sagt Mattke. »Mittlerweile investieren mehr Menschen mit weniger technischem Wissen, die gehört haben, dass man innerhalb von wenigen Monaten reich werden kann.«

Dabei läuft Kryptobetrug seiner Erfahrung nach immer ähnlich ab. »Es werden hohe Renditen versprochen, viel Werbung gemacht und verfälschte Aussagen von Promis verwendet«, sagt Mattke. Das seien Zeichen dafür, dass das Unternehmen auf die Profitgier der Menschen abziele. »Wenn man froh sein kann, Konditionen von fünf Prozent pro Jahr zu bekommen, dann klingen zehn Prozent am Tag einfach zu gut, um wahr zu sein.«

Sollte sich herausstellen, dass die Africrypt-Brüder ihre Kunden tatsächlich geprellt haben, könnte es sich um den bisher größten Kryptobetrug überhaupt handeln. Dabei sind die Brüder längst nicht die Einzigen mit der Masche. Laut den Analysten von »Chainalysis« ist Betrug seit Jahren das ertragreichste Kryptoverbrechen, gefolgt von Schwarzmarkthandel und Bitcoin-Erpressungen.

Allein im vergangenen Jahr ergaunerten Kriminelle demnach 2,6 Milliarden Dollar mit Betrugsmaschen, davon floss am meisten Geld an die Firma Mirror Trading International. Das Unternehmen versprach Zinsgewinne in Höhe von 0,5 Prozent pro Tag, bevor sich der Chef aus dem Staub machte. Die Beute: Kryptowährung aus 471.000 Digitalbörsen im Wert von etwa 490 Millionen Euro.

Worauf Krypto-Anleger achten sollten

Jens Mattke empfiehlt Anlegern, sich die Online-Kryptobörse vor dem Einstieg in den Digitalwährungshandel zunächst einmal genau anzuschauen. Wer technisch nicht so affin sei, solle Freunde fragen, die sich damit auskennen. »Wie bei allen Investments müssen die Gefühle ausgeblendet werden und der Verstand einsetzen«, sagt der Wissenschaftler. Studien zeigten, dass es sich empfiehlt, vor dem Kauf zunächst einen Tag abzuwarten, um sich vom »Gefühlsrausch des Moments« zu distanzieren.

Außerdem sollte man darauf achten, dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) dem Anbieter vertraut. »Wenn der Token-Verkauf auf der Bafin-Website gelistet wird, dann ist das schon mal ein sehr gutes Zeichen«, sagt der Forscher.

Bei Onlinebörsen sei vor allem problematisch, dass die privaten Schlüssel nicht mehr beim Kunden liegen – und die Plattformbetreiber den vollen Zugriff auf die Bitcoin-Börsen haben. Am sichersten sei immer noch eine Hardware-Wallet, also etwa ein USB-Stick, auf dem der private Schlüssel für den Zugriff auf das Geld verschlüsselt abgespeichert wird. Allerdings sei das nicht ganz so einfach einzurichten, sagt Mattke. »Daher würde ich das nicht allen meinen Bekannten empfehlen.«