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03. März 2014, 12:53 Uhr

Krypto-Währung in der Krise

Hacker suchen die Bitcoin-Wahrheit

Die Krypto-Währung Bitcoin ist in einer existentiellen Krise, nachdem am Freitag die Bitcoin-Handelsplattform Mt. Gox Insolvenz beantragte. Jetzt wollen Hacker herausfinden, wie es zu diesem Totalversagen kommen konnte.

Als am Freitag die Bitcoin-Handelsplattform Mt.Gox Insolvenz beantragte, war zwar der Höhepunkt der Krise um Bitcoin erreicht - aber eine Antwort auf die wichtigste Frage noch immer nicht gefunden: Wie kann eine auf Dezentralität und Stabilität getrimmte virtuelle Cash-Währung so von einer einzigen Institution abhängen? Und wie konnte es überhaupt zu so einem Totalversagen kommen?

Für Mt.-Gox-Chef Mark Karpelès ist der zweite Teil der Frage halbwegs klar: In einer Stellungnahme auf seiner Website erklärt er, dass "höchstwahrscheinlich" Datendiebstahl der Grund für das plötzliche Verschwinden riesiger Mengen Bitcoin war, das zum Mt.-Gox-Crash führte. Ihm zufolge kamen auf Mt. Gox rund 750.000 Bitcoin von Mt.-Gox-Kunden und 100.000 Bitcoin der Bank abhanden. Eine Bitcoin ist am Montagmittag um die 430 Euro wert. Allein die kurzfristigen Verbindlichkeiten von Mt. Gox belaufen sich den Angaben der Betreiber zufolge auf etwa 47 Millionen Euro, die Summe der derzeit nicht zugänglichen Vermögenswerte aber liegt weit höher.

Eine Auswertung aller vergangenen Bitcoin-Transaktionen soll Klarheit bringen - und Karpelès den Weg ebnen, Mt. Gox wiederauferstehen zu lassen, um seine Schulden zurückzahlen zu können. Zumindest in Japan können besorgte Mt.-Gox-Kunden über eine Hotline Hilfe suchen - wahrscheinlich ist das japanische Unternehmen (mit Sitz in Shibuya) dazu rechtlich verpflichtet.

Denn dass Bitcoin eine Zukunft hat, daran möchte Karpelès nicht zweifeln, zeigte sich auf einer Pressekonferenz. "Die Bitcoin-Branche ist gesund und wächst, auch in Zukunft. Das Wichtigste ist nun, den Schaden zu minimieren."

Vertrauenskrise bei japanischen Hackern

Dass es dazu kommt, daran zweifeln derzeit viele. "Die aktuellen Ereignisse im Zusammenhang mit Mt.Gox haben das Vertrauen in Bitcoin geschwächt", sagte etwa Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele der "Neuen Osnabrücker Zeitung" am Samstag. "Vertrauen ist aber, neben den rechtlichen Rahmenbedingungen, zusammen mit Stabilität und Sicherheit einer der wichtigsten Bausteine einer Währung." Thiele zieht den dauerhaften Bestand von Bitcoin in Zweifel.

Zumindest das Vertrauen in Mt. Gox und den Aufklärungswillen Mark Karpelès' ist offenbar bei einigen japanischen Hackern nicht vorhanden. Sie brachen angeblich in die Mt.-Gox-Server ein und sicherten "Beweismaterial". Darunter ist auch ein Telefongespräch, das Karpelès mit Vertretern der japanischen Mizuho-Bank geführt haben soll - bei Reddit erfolgt derzeit eine Aufarbeitung.

Vielleicht wird all diese Aufklärungsarbeit nur zu einer einfachen Einsicht führen, das jedenfalls befürchten viele Beobachter: Dass die Entwicklung einer Handelsplattform mit Millionenumsätzen einfach ein paar Nummern zu groß war für den oder die Mt.-Gox-Programmierer - immerhin ist Mt. Gox ein Bank-gewordenes Kartenspiel-Forum (Mt. Gox stand anfangs für "Magic the Gathering Online Exchange"). Die Frage sei nun weniger, wie man den Schaden minimiere, sondern mehr, wie man ein zweites Mt.-Gox-Desaster verhindere.

Denn ihren Glauben an die Idee Bitcoin, existentielle Krise hin oder her, wollen viele der nun geschädigten Händler nicht aufgeben.

fkn

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