Cloud-Mining Informatiker warnen vor Bedrohung der Kryptowährung Bitcoin

Eine einzige Organisation hatte zeitweilig die Kontrolle über die Kryptowährung Bitcoin, warnen amerikanische Informatiker. Wenn nicht schleunigst etwas gegen Mining-Zusammenschlüsse unternommen werde, wäre es das Aus des Zahlungsmittels.
Bitcoin: Gefahr durch übermächtige Zusammenschlüsse von Rechnern

Bitcoin: Gefahr durch übermächtige Zusammenschlüsse von Rechnern

Foto: PAWEL KOPCZYNSKI/ REUTERS

Zwei Informatiker der amerikanischen Cornell University fürchten um die die Zukunft der virtuellen Währung Bitcoin. Ihren Untersuchungen zufolge steuerte ein einziger Akteur mehrmals über die Hälfte der in Bitcoin investierten Rechenkraft bei. Das sei eine große Gefahr.

Bitcoin werden berechnet, Mining nennt man das, "Schürfen". Dafür braucht man ordentlich Rechenleistung. Wer die nicht hat, kann sich Hilfe holen: Ghash.io zum Beispiel ist ein anonymer Dienstleister, der die Rechenkraft sogenannter Bitcoin-Miner vermietet und ihnen so die Berechnung von Bitcoin leichter macht. Derzeit sollen sich nach eigenen Angaben 180.000 Miner an Ghash beteiligen.

Nun hatte Ghash laut den beiden Informatikern über zwölf Stunden regelmäßig de fakto das Sagen über die Kryptowährung. Das, so Ittay Eyal und Emin Gün Sirer im Blog "Hacking, Distributed" , sollte Grund genug sein für eine neue Version von Bitcoin und Maßnahmen gegen solche Mining-Zusammenschlüsse.

Mining-Zusammenschlüsse seien gefährlich für die Währung

"Ghash hatte die komplette Kontrolle darüber, welche Transaktionen in der Blockchain auftauchen und welche Miner Bitcoins gutgeschrieben bekommen. Sie könnten alle Mining-Profite für sich behalten, wenn sie wollten." Die wertvolle Bitcoin-Datenbank werde von einer einzigen Organisation kontrolliert, die dafür überdies enorm viel Energie aufbieten müsse.

Betrieben wird der Dienst von der Bitcoin-Börse CEX.io. "Niemand weiß, was Ghash letztlich vor hat", warnen Elal und Sirer. Auch wenn man annehme, dass Ghash nur Gutes im Sinne habe, sei diese Entwicklung absolut schädlich für Bitcoin als Währung, deren Dezentralität doch so wichtig sei. Dass Mining-Zusammenschlüsse eine Gefahr für solche neuartigen Zahlungsmittel seien, sei ja schon lange bekannt und Lösungen längst vorgeschlagen .

Das Versprechen wurde angeblich gebrochen

Dem Tech-Blog "Ars Technica" schrieb Ittay Eyal , wer 51 Prozent der Bitcoin-Rechenleistung bereitstelle, könne kontrollieren, welche Bitcoin-Transaktionen stattfinden. Er sei "ein Monopolist, der beliebig Transaktionskosten festlegen oder Transaktionen blockieren kann." Das würde dem Grundgedanken der virtuellen Währung widersprechen, die als freies System, unabhängig von jeglicher Kontrolle konzipiert sei.

Dass ihre Ansammlung von Bitcoin-Rechenkraft problematisch ist, wissen auch die Betreiber von Ghash . In einer Stellungnahme erklärte die Organisation: "Die zusätzliche Bitcoin-Rechenleistung im Pool ist begrüßenswert, aber mehr als 51 Prozent aller Rechenkraft zu erreichen, ist eine ernsthafte Gefahr für die Bitcoin-Community." Man werde verhindern, jemals diese Grenze zu überschreiten, heißt es weiter. Ein Versprechen, das Eyal und Sirer nun widerlegt sehen.

Bitcoin-Verband sieht keine Gefahr

Das zentrale Bitcoin-Wiki  nennt "viel Rechenleistung" als einen möglichen Angriffspunkt gegen die Währung, sieht aber keine konkrete Gefahr darin. Der deutsche Bundesverband Bitcoin erklärte auf Anfrage, dass er die Warnung der beiden Informatiker für "übertrieben dramatisch" halte. "Zwar ist es mit 51 Prozent der Hashrate durchaus möglich das Netzwerk anzugreifen und Transaktionen zu löschen. Allerdings ist es aus mehreren Gründen praktisch sehr unwahrscheinlich, dass es in der Realität umgesetzt wird."

Eine solche Attacke wäre offen erkennbar und teuer - vor allem aber wäre sie nicht im Interesse der beteiligten Miner. Deshalb sehe der Bundesverband Bitcoin zum derzeitigen Zeitpunkt keinen Grund für Zweifel an der Integrität des Systems.

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Ripple

Ripple (Marktkapitalisierung etwa 1,5 Mrd. Dollar)
Ripple (XRP) ist zwar eine eigene Digitalwährung, vor allem aber ein währungsneutrales Tauschnetzwerk, über das diverse Arten von Zahlungsmitteln getauscht werden können. Deswegen taucht Ripple  in einigen Listen gar nicht als eigenes Digitalgeld auf.
Chris Larsen von Ripple Labs: "Über das Ripple-Netzwerk können Einzelpersonen und Institutionen klassische Währungen tauschen, Kryptowährungen, Mobilfunkminuten, Bonuspunkte und vieles mehr."

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