Kryptowährung Bitcoin "Ich glaube, der Preis wird bis auf 3000 Dollar steigen"

Bitcoin macht wieder Schlagzeilen: Zunächst knackte die Kryptowährung die 1000-Euro-Marke, dann brach der Kurs massiv ein. Wie sind die Aussichten der Digitalwährung?

Münzen und Scheine im Bitcoin-Look (Symbolbild)
REUTERS

Münzen und Scheine im Bitcoin-Look (Symbolbild)

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Für Bitcoin-Fans und -Investoren ist das Jahr 2017 aufregend gestartet: Mit dem höchsten Wert seit 2013 hat die Kryptowährung auch jenseits ihrer Nische wieder auf sich aufmerksam gemacht.

Zwischenzeitlich stieg der Bitcoin-Kurs am Donnerstag auf umgerechnet rund 1150 Dollar (1085 Euro) und knackte so beinahe den bisherigen Rekord von 1165 Dollar. Doch am selben Tag ging es dann auch gleich wieder abwärts: Innerhalb weniger Minuten fiel der Bitcoin-Wert, auf zeitweise wieder unter 900 Dollar.

Solche Kursschwankungen sind bei Bitcoin nichts Neues. Und über die letzten Monate hinweg gab es bei der Digitalwährung zumindest einen klaren Aufwärtstrend, was manchen Marktbeobachter überraschte.

Erinnerungen an 2013

Ein ähnliches Hoch wie jetzt hatte die Kryptowährung bereits im November 2013, darauf folgte ein herber Kurssturz. Bitcoin verloren in den folgenden Monaten bis zu zwei Drittel ihres Werts, der Bitcoin-Wert dümpelte zwischen 300 und 500 Dollar. Als Gründe für den Einbruch gelten unter anderem technische Probleme und der Skandal um die Bitcoin-Börse Mt.Gox.

Analysten halten Bitcoin trotz mancher Unabwägbarkeiten grundsätzlich für eine interessante Anlage. Der Wirtschaftswissenschaftler Ingo Fiedler von der Universität Hamburg sagt SPIEGEL ONLINE: "Wenn man den Betrugsfall bei Mt.Gox herausrechnet, dann ist die Währung auf lange Sicht stetig gestiegen." Das erwarte er auch mit Blick in die Zukunft.

"Wer in Bitcoin investiert, muss eine gewisse Gelassenheit an den Tag legen", sagt Fiedler allerdings auch. "Wer schnelles Geld machen will, ist bei Bitcoin an der falschen Adresse." Am besten sei es, nach dem Bitcoin-Kauf ein paar Jahre lang gar nicht erst auf den Kurs zu achten und sich dann erst das Ergebnis anschauen, rät der Experte für Digitalwährungen. "Ich würde davon abraten, einen Großteil des Vermögens zu investieren."

Bis zu 3000 Dollar möglich?

Ihre Bitcoin-Investitionen zahlen sich mittlerweile vor allem für Kunden aus, die früh an die Digitalwährung geglaubt haben. Bitcoin war im Jahr 2009 mit einem Wert von wenigen Cent gestartet.

Auf Erfolgskurs sieht die Digitalwährung auch Vinny Lingham. Der Online-Unternehmer, der bereits für 2016 einen Sprung auf 1000 Dollar vorausgesagt hatte, sagte SPIEGEL ONLINE auf Anfrage, offenbar mit ungebrochenem Optimismus: "Ich glaube, dass der Preis bis auf 3000 Dollar steigen wird."

Für den jüngsten Erfolg der Währung macht Lingham vor allem die halbierte Belohnung für sogenannte Miner verantwortlich, die es seit dem Sommer 2016 gibt: Erfolgreiche Bitcoin-Miner können seitdem nur noch 12,5 statt 25 Bitcoin pro digital geschürftem Block verdienen.

China dominiert den Bitcoin-Markt

Damit sei die Inflationsrate gesenkt worden, da weniger Bitcoin in Umlauf gebracht werden, sagt Lingham. Außerdem seien staatlich und wirtschaftlich unabhängige Anlagemöglichkeiten wie Bitcoin derzeit aufgrund erhöhter Zinsraten in den USA und "geopolitischer Unsicherheiten" gefragt.

Weil Bitcoin unabhängig von Regierungen und Zentralbanken ist, hänge der Kurs von Angebot und Nachfrage ab, erklärt der Hamburger Experte Fiedler. Je mehr Bitcoin gekauft werden, desto höher sei auch der Preis. Den größten Einfluss auf die Entwicklung hat laut Fiedler China, wo dem Experten zufolge ein Großteil der Bitcoin gehandelt wird. "Sobald der chinesische Yuan schwächelt, ist ein Preisschub bei Bitcoin zu beobachten", sagt Fiedler.

Von klassischen Währungen unterscheidet sich Bitcoin recht grundsätzlich. Bitcoin sind ein virtuelles Zahlungsmittel ohne zentrale Abwicklungsstelle, bei dem der Weg eines jeden Bitcoin aufgezeichnet und jede Transaktion in einer sogenannten Blockchain gespeichert wird. Wer mit Bitcoin bezahlt hat, lässt sich nur mit extrem viel Aufwand erkennen, weshalb mitunter auch Kriminelle auf Bitcoin setzen. So zahlten beispielsweise Kunden der Onlineplattform Silk Road mit Bitcoin für Waffen und Drogen.



insgesamt 48 Beiträge
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winandy 06.01.2017
1. Währung oder Spekulationsobjekt?
Bitcoin ist im Grunde eine gute Idee: einfache Bezahlung online. Ich hab's schon öfter gemacht. Wenn Bitcoin sich aber als Zahlungsmittel durchsetzen soll, dann braucht es Stabilität und Verlässlichkeit. Die Kursschwankungen (nach unten und oben) sind deshalb ein großes Problem. Sie machen Bitcoin zu einem spekulativen Investment. Die Karawane wird irgendwann weiter ziehen und Bitcoin als Spielfeld für Zocker hat dann ausgedient. So wie einst die Tulpen. Wohin soll es also gehen? Spekulationsobjekt oder Zahlungsmittel? Beides gleichzeitig geht nicht.
pizza-thunfisch 06.01.2017
2. Bitcoin: Idee überzeugend
Ich denke der Tulpenvergleich (Tulpenmanie) hinkt stark, da Bitcoins konzeptionell völlig verschieden sind und als Zahlungsmittel entwickelt wurden. Tulpenzwiebeln sind vergänglich und unpraktisch als Zahlungsmittel. Ausserdem können sie beliebig produziert werden. Man braucht sich nur den Kursverlauf anschauen und sieht, dass nach einem Crash 1637 alles vorbei war. Bitcoins haben schon öfter Kursverfälle mitgemacht. Ich würde es eher mit einer sehr praktischen Form von Gold vergleichen (IT-Gold eben). Nur weil Gold einen prinzipiellen Wert hat, wird das Meiste nämlich dennoch nicht zu Schmuck o.Ä. verarbeitet, sondern liegt als Gegenwert auch sinnlos als Barren irgendwo rum ;). Ich denke allerdings ebenfalls, dass Bitcoins nicht Spekulationsobjekt sein, sondern ihre ursprüngliche funktion als unabhängiges Zahlungsmittel, insbesondere in Krisensituationen, erfüllen sollten. Ich habe aber festgestellt, dass man immer häufiger damit zahlen kann und bin diesbezüglich einigermassen optimistisch.
pauschaltourist 06.01.2017
3.
Zwar bin ich erst seit 17 Jahren im Internet unterwegs, doch eine Notwendigkeit der Zahlungsweise per Bitcoin für legale Waren oder Dienstleistungen habe ich noch nicht erfahren. Die Eingangs gestellte Vermutung, es handelte sich möglicherwerweise um ein kapitalistisches Spekulationsgut würde ich sogar erweitern: Das Bitcoin-System ist ein ausgeklügeltes Ponzi-Schneeballsystem. Und es wird von den meisten Nutzern kriminell genutzt. Auch eine Geschäftsidee: Eine Bitcoin-Börse eröffnen und bei günstiger Gelegenheit die Einlagen zur privaten Verwendung umbuchen. Dank der Anonymität dieser "Währung" das perfekte Verbrechen. Dass sich mittlerweile bereits etablierte und vermeintlich seriöse (sofern das möglich ist) Banken am System beteiligen ist eine Farce.
spmc-12355639674612 06.01.2017
4. Ich persönlich bin der Meinung,
dass das Recht, Geld in Umlauf zu bringen, ein staatliches Hoheitsrecht ist. Dieses kann zwar, wie im Fall der EZB, an eine überstaatliche Institution abgetreten werden, aber nicht von derartigen Organen kontrollierte Privatwährungen sollten nicht erlaubt sein. Im Fall von Bitcoin hat sich dieses "Geld" ja bisher als wunderbare, nicht zurückverfolgbare und nicht lokalisierbare Zahlungsmöglichkeit für zahlreiche Kriminelle entpuppt, aber dadurch ist es noch keine echte Währung. Warum sollte man Geld ausgeben für eine "Währung", die von keiner Institution kontrolliert wird und zu der es nur einen virtuellen Gegenwert gibt?
Kaugemüse 06.01.2017
5. Crash
Es sind genau diese Aussagen, die mich Depp voll in die Blase laufen ließen. Jetzt steh ich vor der Wahl, Verluste realisieren oder cool bleiben.
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