Passwort für Bitcoin vergessen Noch zwei Versuche, um an 200 Millionen Euro zu kommen

Der Programmierer Stefan Thomas besitzt ein Millionenvermögen – in der Kryptowährung Bitcoin. Doch weil er sich an bestimmte Zugangsdaten nicht erinnern kann, kommt er womöglich nie wieder heran. Was nun?
Stefan Thomas: Sein Problem ist nicht neu, durch die »New York Times«-Berichterstattung im Zuge des Bitcoin-Hochs wurde es jetzt aber weltbekannt

Stefan Thomas: Sein Problem ist nicht neu, durch die »New York Times«-Berichterstattung im Zuge des Bitcoin-Hochs wurde es jetzt aber weltbekannt

Foto: NICHOLAS ALBRECHT / The New York Times/Redux/laif

Manchmal wollte Stefan Thomas einfach aufgeben und mit der Sache abschließen. Er kam irgendwann an einen Punkt, an dem er sich selbst sagte: »Das soll Vergangenheit sein, für deine eigene geistige Gesundheit.« So erzählte er es der »New York Times« , die über die missliche Lage berichtet, in der er sich seit Jahren befindet.

Stefan Thomas ist ein bekannter, aus Deutschland stammender Programmierer, der in San Francisco lebt – und dessen Name dieser Tage um die Welt geht. Jenseits der Techszene ist Thomas nun bekannt als der Mann, der sein Passwort vergessen und jetzt nur noch zwei Chancen hat, an 7002 Bitcoins zu kommen. Das entspräche derzeit fast 200 Millionen Euro.

Thomas besitzt einen riesigen Digitalschatz, kann aber die Truhe nicht öffnen. Dem Artikel zufolge besitzt der IT-Experte einen verschlüsselten Speicher, IronKey genannt, auf dem sich jene privaten Schlüssel befinden, die er benötigt, um seine Bitcoin zu nutzen und sie dann beispielsweise über eine Kryptowährungs-Handelsplattform in Dollar umzuwandeln. Der IronKey sei mit einem Passwort gesichert, wird das Problem skizziert: Der Nutzer habe zehn Versuche, dieses richtig einzugeben. Nach zehn Falscheingaben sei dann kein Zugriff auf die auf dem IronKey gespeicherten Daten mehr möglich.

Stefan Thomas hat mittlerweile achtmal versucht, das Passwort korrekt einzugeben, heißt es, etwa auf Basis für ihn typischer Kennwörter. Ein Erfolg blieb aber aus. Der Zettel, auf dem Thomas sich einst das Passwort notiert hatte, ist seit Langem nicht mehr aufzufinden.

Es geht oft um Millionen Euro

Fälle wie der von Thomas machen immer wieder Schlagzeilen: Wenn Bitcoins lange gehalten werden, ist das nicht immer Absicht. Infrage kommen hier beispielsweise auch Todesfälle unter Bitcoin-Besitzern, bei denen sich Kryptowährungsfans vorher keine Gedanken um ihr digitales Erbe gemacht haben. Oder Bitcoins, an die aus anderen Gründen niemand mehr herankommt.

Die Gesamtmenge an Bitcoins ist technisch auf 21 Millionen begrenzt, rund 18,5 Millionen sind bereits im Umlauf. Die auf Kryptowährungen spezialisierte Firma Chainalysis schätzt, dass davon wohl rund 20 Prozent – was umgerechnet mehr als 100 Milliarden Euro entspricht –, als verloren gelten müssen, weil Nutzer keine Zugriffsmöglichkeit mehr darauf haben.

Für Nutzer, die ihre privaten Schlüssel oder etwa ihre Zugangscodes zu Wallets verloren haben, sind solche Situationen äußerst unangenehm: Gerade wer in der Anfangszeit von Bitcoin mit der Digitalwährung in Kontakt kam, konnte für teils sehr wenig Geld an vergleichsweise viele Bitcoins kommen, an Anteile, die Jahre später nun vielleicht Millionen oder gar Milliarden Euro wert sind. Bekannt geworden ist etwa die Geschichte von James Howells, der den Zugang zu 7500 Bitcoins verlor, weil eine seiner Festplatten im Müll landete.

Stefan Thomas erhielt seine 7002 Bitcoins bereits 2011, in einem Jahr, in dem ein Bitcoin zunächst kaum einen Euro und später auch mal mehr als 20 Euro wert war. Anfang 2021 lässt sich ein Bitcoin für knapp 30.000 Euro verkaufen.

Der »New York Times« zufolge bekam Thomas die 7002 Bitcoins damals von einem Kryptowährungs-Enthusiasten – als Dank dafür, dass Thomas ein Erklärvideo zu Bitcoin produziert hatte. Der Clip mit dem Titel »What is Bitcoin?« steht bis heute im Netz. Auf YouTube ist er mittlerweile fast zehn Millionen Mal abgerufen worden .

»Eine schmerzhafte Erinnerung. Ich hoffe, andere können aus meinen Fehlern lernen«

Den Zugang zu den privaten Schlüsseln beziehungsweise zu seinem Speichergerät hat Thomas noch im selben Jahr verloren. Laut einem älteren »Wired«-Artikel  hatte Thomas ursprünglich sogar drei Speicherorte, der IronKey galt aber schon 2011 als letzte Hoffnung, an die Bitcoins zu kommen.

Auf Twitter teilte Thomas am Dienstag den »New York Times«-Bericht über sich und kommentierte dazu: »Eine schmerzhafte Erinnerung. Ich hoffe, andere können aus meinen Fehlern lernen. Testet eure Back-ups regelmäßig, um sicherzustellen, dass sie noch funktionieren. Ein Quäntchen Voraussicht hätte ein Jahrzehnt des Bedauerns verhindern können.«

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Twitter-Nutzer wie Aaron Levie , der Chef des Cloud-Unternehmens Box, kommentierten Thomas' Situation mit nicht ernst gemeinten Sprüchen wie »Das bisher beste Argument, 12345678 zu deinem Krypto-Passwort zu machen« oder »Das teuerste vergessene Passwort der Geschichte «. Andere überlegten sich, wie man den Fall unterhaltsam verfilmen könnte , oder berichteten von eigenen Bitcoin-Leidensgeschichten .

Eine etwas harmlosere Story aus dem Bereich hat auch noch Stefan Thomas selbst auf Lager: Der »San Francisco Business Times« vertraute er 2018 an , dass er mal das Angebot ausgeschlagen hatte, die Domain Bitcoin.io weiterzuverkaufen – für angeblich 3000 Bitcoins.

Es waren nicht seine einzigen Bitcoins

Der Idee, dass Menschen ihr Geld selbst verwalten sollten, stehe Thomas heute skeptischer gegenüber als früher, heißt es im Artikel der »New York Times«. »Diese ganze Idee, dass man seine eigene Bank ist – lassen Sie es mich so formulieren: Machen Sie Ihre eigenen Schuhe?«, sagt er. »Der Grund, warum wir Banken haben, ist der, dass wir uns mit all diesen Dingen, die Banken tun, nicht beschäftigen wollen.«

Seinen IronKey bewahrt Thomas laut dem Bericht an einem sicheren Ort auf, in der Hoffnung, dass Kryptografie-Experten neue Wege finden, komplexe Passwörter zu knacken. Die Chancen dafür stehen nicht unbedingt schlecht: Facebooks ehemaliger Sicherheitschef Alex Stamos bot Thomas über Twitter an , ihm für eine Erfolgsbeteiligung in Höhe von 10 Prozent beim Knacken des IronKey zu helfen. Ein Scherz, betonte Stamos später . Zuvor schrieb er allerdings auch, man rede ja nicht über einen Kryptoprozessor der NSA, so Stamos, sondern über ein älteres 50-Dollar-Gerät für Privatnutzer.

Trotz seines Passwortdramas muss man sich über die Finanzen von Stefan Thomas übrigens wohl keine Sorgen machen: Thomas war unter anderem bereits Chief Technology Officer (CTO) beim Start-up Ripple, dessen eigene Digitalwährung ähnlich wie Bitcoin über die vergangenen Jahre hinweg enorm an Wert gewann (zuletzt jedoch geriet Ripples Geschäft unter Druck ). Thomas ist also jemand, der sich mit Kryptowährungen extrem gut auskennt und der sehr früh in den Bereich einstieg, er wird viele persönliche Kontakte zu anderen Experten aus der Branche haben.

Außerdem deutete Thomas der »New York Times« gegenüber an, dass er jenseits der 7002 unzugänglichen Bitcoins noch weitere Bitcoins besitze oder besessen habe. Und in jenen Fällen kann er sich laut dem Artikel auch an seine Passwörter erinnern.

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