Betrugsfall Beschlagnahmte Bitcoins sind 50 Millionen Euro wert – doch ein Passwort fehlt

Seit mehreren Jahren sitzt die Staatsanwaltschaft Kempten auf mehr als 1700 Bitcoins. Der Staatskasse könnten sie Millionen Euro bringen. Doch ein fehlendes Passwort verhindert den Verkauf.
Bitcoin-Münzen, als Symbol für die Digitalwährung

Bitcoin-Münzen, als Symbol für die Digitalwährung

Foto: Jens Kalaene/ dpa

Mehr als 50 Millionen Euro: So viel sind derzeit die Bitcoins wert, die die Staatsanwaltschaft Kempten vor einigen Jahren von einem Computerbetrüger beschlagnahmt hat. Wie die »Allgäuer Zeitung« berichtete , liegt der Staatsanwaltschaft zwar eine digitale Geldbörse (Wallet) vor, über die der Zugriff auf die Bitcoins möglich wäre. Der ehemalige Besitzer der Börse weigert sich jedoch, das zur Börse gehörende Passwort zu verraten.

Der Fall drehte sich um insgesamt 1800 Bitcoins, an die der Betrüger illegal, nämlich mithilfe der Rechenleistung von Computern anderer Menschen gekommen war. Bei entsprechenden Betrugsmaschen spricht man von Cryptojacking, mehr dazu lesen Sie hier.

86 der 1800 beschlagnahmten Bitcoins konnte die Staatsanwaltschaft im Jahr 2018 verkaufen, an diese kam sie auch ohne das geheim gehaltene Passwort. Die Behörde erlöste so rund 500.000 Euro für die Staatskasse. Die restlichen gut 1700 Bitcoins, die eines Tages ebenfalls verkauft werden sollen , aber sind weiter im Besitz der Staatsanwaltschaft, ohne dass sie darauf zugreifen kann.

Auch für den Betrüger sind die Bitcoins außer Reichweite

Aufgegeben habe sie jenes Digitalvermögen aber nicht, bestätigt die Staatsanwaltschaft Kempten auf SPIEGEL-Nachfrage. Regelmäßig prüfe man, ob es neue technische Möglichkeiten gebe, doch noch an die Bitcoins zu kommen.

Der Computerbetrüger war im Jahr 2014 verurteilt worden, nach Angaben der Behörde hat er seine Haftstrafe inzwischen verbüßt. Auf die Bitcoins könne auch der Mann selbst nicht mehr zugreifen, heißt es: Experten der Strafverfolgungsbehörde hätten den virtuellen Geldbeutel vor einem Zugriff von außen abgesichert.

Vor allem durch die finanzielle Dimension weckt die Lage der Staatsanwaltschaft Kempten Erinnerungen an die Situation von Stefan Thomas, über die Sie hier mehr erfahren. Thomas, ein bekannter Programmierer, der in San Francisco lebt, besitzt ebenfalls Bitcoins, bei ihm geht es sogar um mehr als 200 Millionen Euro. Thomas hat das Problem, dass er selbst sich an ein bestimmtes Passwort nicht mehr erinnern kann. Aus diesem Grund blieb ihm bisher der Zugang zu seinem digitalen Schatz aus dem Jahr 2011 verwehrt – zu 7002 Bitcoins.

mbö/dpa
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