Bitcoins US-Senatoren fürchten Drogenhandel mit Internet-Währung

Bitcoins sollen aus dem Verkehr gezogen werden, fordern zwei US-Politiker. Sie fürchten, die digitale Währung erlaube den anonymen Online-Handel mit Drogen - womit sie durchaus recht haben. Händler und Käufer ausfindig zu machen, dürfte allerdings schwer werden.
Virtuelle Währung Bitcoin: Anonymes Wechselgeld im Internet

Virtuelle Währung Bitcoin: Anonymes Wechselgeld im Internet

Hamburg - Mehrere Berichte über illegalen, anonymen Drogenhandel via Internet haben sie aufgescheucht: Die US-Senatoren Charles Schumer und Joe Manchin von der Democratic Party fordern ein schnelles und hartes Vorgehen der Behörden. Die sollen, so die Forderung der Politiker, einen Online-Schwarzmarkt für Drogen abschalten und die digitale Währung Bitcoins aus dem Verkehr ziehen.

"Die Untergrund-Website, auf der Sie alle denkbaren Drogen kaufen können" , so hatte "Gawker" Anfang Juni den weitgehend anonymen Online-Markt "Silk Road" vorgestellt - die Kunde vom illegalen Einkaufsparadies machte daraufhin die ganz große Runde. Auf der Website können registrierte Mitglieder tatsächlich diverse Drogen, wie Haschisch oder Ecstasy, in unterschiedlichen Stückelungen von Anbietern aus verschiedenen Ländern kaufen.

Die Betreiber der Website haben alle Register gezogen, um Kunden und Anbieter vor Strafverfolgung zu schützen. So ist die Website nicht über eine leicht zu merkende URL, sondern nur über eine kryptische Adresse zu erreichen. Zudem ist für den Zugang eine Anonymisierung der Verbindung über das Tor-Netzwerk vonnöten.

Die Bezahlung der Waren erfolgt wiederum anonym mit sogenannten Bitcoins. Die bestehen aus verschlüsselten Zeichenfolgen, die über ein Peer-to-Peer-Netzwerk ausgetauscht werden - Landesgrenzen sind dabei egal. Wer da mit wem handelt, lässt sich nur schwer nachverfolgen, Eingriffe von Banken und Staaten zur Steuerung der Währung funktionieren nicht. Herkömmliches Geld lässt sich in Bitcoins umtauschen - zu tagesaktuellen Wechselkursen. Außerdem belohnt das System Nutzer, die Rechenkapazität für das Netzwerk zur Verfügung stellen, nach mathematischen Regeln mit frischen Bitcoins.

"Schalten Sie das Netzwerk ab"

Dieser Aufwand macht den Kauf von Drogen via Silk Road zwar umständlich, sorgt aber auch dafür, dass es Ermittlungsbehörden schwer gemacht, Anbieter und Käufer zu identifizieren. Die Ware kommt mit unauffälligen Postsendungen zu den Bestellern, etliche Anbieter geben ihren Sitz mit in Kanada an. Und selbst wenn ein solches Drogenpaket auf dem Postweg aufgespürt würde, wäre es dem Empfänger nicht nachzuweisen, dass er die verbotene Ware tatsächlich selbst und absichtlich bestellt hat. Auf diese Weise ausfindig gemacht Besteller könnten sich immer auf die Behauptung zurückziehen, jemand habe ihnen einen Streich spielen oder sie anschwärzen wollen.

In einem Offenen Brief schreiben die Senatoren den Strafverfolgungsbehörden nun: "Wir fordern Sie auf, sofortige Maßnahmen zu ergreifen und das Silk-Road-Netzwerk abzuschalten." Gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärte eine Sprecher der amerikanischen Anti-Drogenbehörde DEA (Drug Enforcement Administration), man sei "absolut" beunruhigt wegen der Bitcoins und anderer digitaler Währungen. Man sei allerdings ohnehin permanent dabei, neue Technologien und Methoden zu untersuchen, die von Drogennetzwerken verwendet werden. Ob man nun gerade spezifische Untersuchungen unternehmen, wollte er aber nicht bestätigen.

Wer steht hinter der Bitcoin-Bank?

In Bitcoin-Foren wird unterdessen diskutiert, ob die Behörden nicht doch eine Handhabe hätten, um die digitale Währung zu stoppen. Unter dem Titel: "Werden Konten bei der Mt. Gox Bank möglicherweise eingefroren?"  tauschen Bitcoin-Nutzer Meinungen darüber aus, ob es Strafverfolgern gelingen könnte jene Umschlagplätze zu schließen, in denen echtes Geld in Bitcoins und umgekehrt getauscht wird. Dies scheint derzeit der schwache Punkt des Netzes zu sein.

Doch hier zuzuschlagen, wird den Ermittlern nicht leicht gemacht. Auf der Seite der Tauschplattform Mt. Gox   ist nur eine E-Mail-Adresse zur Kontaktaufnahme angegeben. Wer hinter der Bitcoin-Börse steht und welchen Hintergrund er hat, ist unbekannt.

Der Zugang zu Silk Road ist unterdessen selbst für jene, die den Weg zu dem Angebot kennen, schwer geworden. Durch die enorme Publicity, die der Seite in den letzten Tagen zuteil wurde, wird die Seite von Anfragen überrannt. Neue Nutzerkonten können aktuell nicht mehr eingerichtet werden, Bestandsnutzer werden von einem schlichten Login-Screen begrüßt.

Mit Material von Reuters
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