Blog-Tipps Schnaps und Schmerz für Nerds

Wie mit Hass im Internet Geld verdient wird, warum Hollywood-Filme für Nerds Folter sind und wie viel Drinks James Bond kippt: Ein Streifzug durch abseitige, schöne, skurrile und garantiert äußerst unterhaltsame Blogs aus den Weiten des Netzes.
"Access Main Computer File": Schmerz für Nerds

"Access Main Computer File": Schmerz für Nerds

Wohin mit dem Hass? Was geistig verwirrte Männer in feministischen Blogs an unangenehmen Kommentaren hinterlassen, sammelt die Website hatr.org  . "Das Letzte" sind die aktuellen Einträge überschrieben. Jeder aufgelistete Kurztext für sich ist deprimierend. Losgelöst von den eigentlichen Zielen der ekligen Attacken, bereiten die hasserfüllten Pamphlete in der Zusammenstellung fast schon Lesespaß, so absurd und letztlich lächerlich sind sie.

Auf hatr.org soll der sexistische Quatsch nicht nur dokumentiert werden, ohne dass er die Diskussion der teilnehmenden Blogs stört, sondern über Werbeanzeigen zu Geld gemacht werden. Mit 20 Nutzern ist die Seite Anfang April gestartet, noch befindet sie sich in einer geschlossenen Beta-Phase. Die im Internet gültige Regel "Don't feed the trolls" - fütter die Irren nicht noch zusätzlich - wird von hatr.org einfach umgekehrt: Die Trolle füttern ihre Ziele. Die Einnahmen sollen später einmal gespendet werden.

Die Ohnmacht der Nerds

Ach, Hollywood! In jedem mittelmäßigen Thriller gibt es unglaubliche Technik zu bewundern. Ob ein Strafverfolger auf die Fahndungsdatenbank der Polizei zugreift oder ein Hacker in Sekundenschnelle eine Online-Bank knackt, auf den Computerbildschirmen spielen sich die tollsten Szenen ab - und jeder, der einen Rechner schon einmal aus drei Metern Entfernung gesehen hat, weiß, dass nichts davon tatsächlich so funktionieren kann.

"Access Main Computer File"  sammelt Bilder solch phantastischer Benutzeroberflächen. Was viele Kinozuschauer nicht weiter stören mag, stellt für Nerds nichts weiter als eine Katastrophe dar. Besonders, wenn der vollkommen unrealistische Computer-Hack der Geschichte eine entscheidende Wendung ermöglicht. Wenn die Filmemacher diese Details nicht weiter ernst nehmen, wie viel Sorgfalt haben sie dann wohl auf den Rest des Films verwendet? Schon ein kurz aufblitzender Computerbildschirm kann dem empfindsamen Nerd einen kompletten Film verhageln.

Rühmliche Ausnahmen bestätigen die Regel: In der Fortsetzung des Science-Fiction-Films "Tron", der gerade in den Kinos lief, gibt es nicht nur allerhand aufwendig gestaltete Zukunftssoftware zu bewundern. Auch ein legendärer Texteditor, der vor allem auf Unix- und Linux-Systemen zum Einsatz kommt, ist zu sehen: Emacs. Wie es dazu kam, berichtet einer der Designer des Films, Joshua T. Nimoy (ob der Name wohl echt ist?), in seinem Blog .

Saufen mit und ohne Anstand

Mehr Kultur fordert das US-Blog "American Drink" . Statt immer neue Wodka-Variationen zu trinken, eine Spirituose, die sich durch die Abwesenheit von Eigengeschmack auszeichnet, plädieren die Autoren für eine Rückbesinnung auf die Jahrhunderte alte Drink- und Trinkkultur. Vorgestellt und diskutiert werden klassische Drinks, darunter zum Beispiel der "Old Fashioned", der gerade durch die Fernsehserie "Mad Men" ein Revival erlebt.

Doch Obacht: Was übermäßiger Alkoholkonsum anrichtet, lässt sich auf "Make mine a 007 …"  nachlesen. Die Seite ist leider nicht mehr verfügbar, eine Kopie existiert zum Glück in einem Internet-Archiv. Der Datenschatz: eine genaue Aufstellung, welche Alkoholika in welchen Mengen in den James-Bond-Filmen (bis 2008) konsumiert werden.

Über die Jahre kippt James Bond mehr und mehr Drinks, die Hinweise auf den ohnehin nicht versteckten Alkoholismus des Super-Agenten werden mit jedem Film noch deutlicher. Der Bond der Neuzeit, dargestellt von Daniel Craig, verzichtet dann auch auf die Trinkkultur. Auf die Frage, wie er seinen Martini denn haben möchte, gerührt oder geschüttelt, antwortet der Säufer: "Does it look like I give a damn?"

Hauptsache, es knallt. Mit Kulturproblemen haben auch Alex und Flo von "We like that" zu kämpfen. Zwei bärtige Typen trinken Bier und reden drüber, so lässt sich ihr Videoblog "We like Bier"  gut beschreiben. Doch gleich in der ersten Episode kippen die Bayern Astra-Pilsener aus Hamburg in Gläser, dass es schäumt. Und wundern sich über den herben Geschmack. Vielleicht hätten sie jemanden fragen sollen, der sich damit auskennt.

Ganz anders als die zurückgelehnten Biertrinker von "We like that" präsentiert Marlene Duffy in ihrem Wein-Videoblog "Bottleplot"  Kulturerzeugnisse mit Umdrehungen. An der Grenze zur Hyperaktivität bombardiert sie ihre Zuschauer mit Fakten und Anekdoten. Die ausgebildete Sommeliere macht allerdings gerade Babypause. Vielleicht schauen die Biertrinker trotzdem einmal ins Archiv und lernen dazu, wie man Geschmackserlebnisse seinen Videozuschauern nahebringen kann. Prost!

Das auch noch: Frauen, die wie Knarren klingen

Ratatatatatatat: Auf "Girls Making Gun Sounds"  werden kurze Videos gesammelt, in denen - der Titel verrät es schon - Frauen Waffengeräusche nachmachen.

Das Internet ist ein wundersamer, verrückter Ort.

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