Blogger-Posse Arrington-Startups siegen bei Arringtons Wettbewerb

Der "Techcrunch"-Gründer kommt nicht aus den Schlagzeilen: Aus einem Start-Up-Wettbewerb, den sein Ex-Blog ausrichtete, gingen vom ihm mit finanzierte Firmen als Sieger hervor.


Die "TechCrunch"-Soap geht weiter: Wegen Interessenskonflikten musste der Gründer des erfolgreichen Tech-Blogs, Michael Arrington, gehen - doch er hinterlässt einen faden Beigeschmack in einem jetzt beendeten Wettbewerb. Auf der von "TechCrunch" ausgerichteten Disrupt-Konferenz wurde das vielversprechendste Start-up gekürt. Der Sieger: eine Art Social Network namens Shaker, bei dem ausgerechnet Arrington als - so nennt es "TechCrunch" selbst - "anstehender Investor" seine Finger im Spiel hat.

Dazu kommt: Auch die Zweit- und Drittplatzierten, Prism Skylabs und Bitcasa, werden unter anderem von Arrington finanziert. Gründe genug, dass selbst frühere Kollegen des Bloggründers wie Sarah Lacy sich jetzt wundern: "Könnte mir bitte jemand erklären, was bei Shaker radikal neu ist?" Auch außerhalb der "TechCrunch"-Redaktion gibt es einiges Unverständnis für die Entscheidung, fasst der "Guardian" zusammen.

Hat Michael Arrington einfach nur in die besten Start-ups investiert oder hatte er möglicherweise etwas damit zu tun, dass sie so weit kamen im Wettbewerb, könnte man jetzt fragen. In einem "TechCrunch"-Beitrag vor der finalen Entscheidung legte Arringtons Nachfolger auf dem Chefsessel, Erick Schonfeld, offen, trotz Arringtons Verbindung zu den Firmen sei er in die Auswahl der Finalisten nicht eingebunden gewesen. Arrington selbst heizte etwaige Spekulationen jedoch an, indem er in den Kommentaren klarstellte: "Erick, wie du weißt, hatte ich einen signifikanten Einfluss auf die Liste der Finalisten." Vier der sieben Start-ups, die am Ende im Finale standen, hätten auch auf Arringtons Liste gestanden.

Ob Shaker und die beiden Verfolger jedoch nicht trotz der Verbindungen die Auszeichnung verdienen, lässt sich in diesem Wirrwarr kaum mehr beurteilen. Das Chaos, dass der Streit zwischen Arrington und seiner früheren Chefin Arianna Huffington hinterlassen hat, vernebelt den Wettbewerb wie er in der Vergangenheit Arringtons Berichterstattung vernebelt haben soll.

Und nur, weil der Journalist bei AOL raus ist, heißt das nicht, dass er die Sache ruhen lassen würde. Auf Twitter macht Arrington Späße auf Kosten seiner ehemaligen Arbeitgeber und kündigt zudem an, sein eigenes Ding zu machen. Via Twitter meldete er am Donnerstag, er werde in wenigen Tagen sein "neues (persönliches) Blog" starten. Noch vor wenigen Tagen buhlte Arrington darum, seine Firma zurückkaufen zu können. Was er jetzt von sich gibt, liest sich wie eine Kampfansage, die nicht nur AOL, sondern auch "TechCrunch" selbst gilt: Netzwerkeffekte, so schreibt Arrington, schlügen die "geistiges Eigentum" jederzeit. Sprich: Die Marke "Techcrunch" ist gar nicht so viel wert ohne Arrington und seine Beziehungen - sagt Arrington.

Korrektur: In der ersten Fassung dieses Textes hieß es, Michael Arrington sei Mitglied der Jury gewesen. Das ist falsch. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.

can



zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.