Bookmark-Dienste So bringen Sie Ordnung ins Internet

Die Favoritenliste ist so lang, dass man nicht mal ihr Ende findet? Die Lesezeichen auf dem Computer sind stets älter als die auf dem Handy? Derartige Probleme lösen Dienste wie Delicious und Pinboard: Sie speichern die Lieblingslinks einfach online. Vier Angebote im Überblick.
Bücher mit Notizzetteln: Im Internet ist eine ähnliche Beschriftung mit Diigo möglich

Bücher mit Notizzetteln: Im Internet ist eine ähnliche Beschriftung mit Diigo möglich

Foto: Corbis

Theoretisch sollen bereits die üblichen Lesezeichen- und Favoritenlisten das Surfen einfacher machen. Das würden sie vielleicht auch, wenn sie denn übersichtlich wären, immer auf dem neuesten Stand und von jedem Gerät aus erreichbar. In der Praxis ist das selten der Fall. Oft sind die Leisten voll mit Links, die man gerade nicht braucht, während sich die gesuchten Websites hinter seltsamen Begriffen verbergen. Ordnung ins Linkchaos sollen spezielle Bookmark-Dienste bringen: Mit ihnen lassen sich die Lesezeichen effizienter verwalten.

Der bekannteste Bookmark-Dienst dürfte Delicious  sein. Erst vor wenigen Monaten wurde der 2003 gestartete Service von Yahoo an die YouTube-Gründer verkauft. Sie unterzogen ihn einem Relaunch. Beworben wird seitdem besonders das neue Feature "Stacks", mit dem man "Playlisten für das Internet" erstellen können soll.

Praktisch bedeutet das, dass man zu einem bestimmten Begriff kommentierte Linklisten ins Web stellen kann. Jeder Link lässt sich mit Tags und Beschreibungen ausstatten. Anschließend genügt ein Klick auf den "Share"-Button und schon können sich andere Nutzer den "Stack" (hier ein Beispiel)  zu einem bestimmten Thema anschauen. "Social Bookmarking" nennt sich das. Dasselbe funktioniert natürlich auch mit einzelnen Links. Auf Wunsch lassen sich mit Delicious, einem stark auf die Visualisierung setzenden Dienst, auch private Linklisten anlegen. Delicious gibt es kostenlos als Firefox-Plugin und als Webversion.

Pinboard - Delicious für Minimalisten

Als Gegenmodell zu Delicious inszeniert sich Pinboard . Der Webdienst wirbt mit dem Slogan "Social Bookmarking für Introvertierte" für sich, auf der Website ist auch von "Antisocial Bookmarking" die Rede. So liegt der Fokus vor allem auf dem privaten Linksammeln und -verwalten. Zu den Features von Pinboard zählt unter anderem eine Volltextsuche und die Möglichkeit, Twitter-Nachrichten zu archivieren. Besonders im Vergleich zu Delicious wirkt das Layout der Seite minimalistisch (in einen Beispiel-Account lässt sich hier  hineinschauen).

Die Nutzung der normalen Pinboard-Funktionen ist kostenlos, lediglich die Anmeldung für den Dienst kostet rund sieben Euro. Es gibt spezielle Firefox-Add-Ons , die den Bookmark-Dienst in den Browser einbauen.

Für eine Jahresgebühr von umgerechnet 18,60 Euro können Nutzer ihre Lesezeichen von Pinboard sichern lassen. So können Artikel zum Beispiel auch dann noch gelesen werden, wenn die zugehörige Web-Seite nicht mehr online ist.

Zotero - Bookmarking für Forscher

Auch Zotero , ein Open-Source-Bookmark-Dienst, ist direkt in den Firefox-Browser integriert. Zotero kommt aus dem Universitätsbereich, die Software wird vom Center for History and New Media  der George Mason University (liegt in der Nähe von Washington) entwickelt. So empfiehlt sich Zotero auch vor allem zum Sammeln, Verwalten und Zitieren wissenschaftlicher Quellen. Die eigene Bibliothek lässt sich über den Browser verwalten, es gibt aber auch eine Zotero-Software für MacOS, Windows und Linux.

Erkennt Zotero eine Website als kompatibel, übernimmt der Dienst beim Speichern zum Beispiel automatisch die passenden Quellenangaben. Das soll allerdings vor allem bei amerikanischen Seiten funktionieren. Mit wenigen Klicks lassen sich anschließend Literaturlisten anlegen. Beim Interface orientiert sich Zotero an iTunes. Die Nutzung der Software ist kostenlos. Wie sich Zotero in der Praxis anwenden lässt, zeigt ein englischsprachiges Video  auf der Website des Dienstes.

Diigo - Virtuelle Notizzettel

Ein weiterer größerer Bookmark-Dienst ist Diigo , eine Software, die als Toolbar  für den Firefox-Browser und den Internet Explorer verfügbar ist. Diigo empfiehlt sich besonders dann, wenn man nicht nur Websites, sondern zum Beispiel auch bestimmte Textpassagen schnell wiederfinden will. Mit virtuellen Notizzetteln und Markern lassen sich nämlich einzelne Elemente der Internetseiten optisch hervorheben. Auf der Diigo-Website wird diese Funktion in einem Video  vorgestellt. Die eigene Diigo-Bibliothek lässt sich über den Web-Browser aufrufen.

Diigo gibt es kostenlose Version, aber auch in sogenannten Basic- und Premium-Varianten für knapp 15 beziehungsweise 30 Euro im Jahr. Bei der Basic-Variante wird zum Beispiel auf Werbung verzichtet, die Premiumvariante bietet zusätzlich die Möglichkeit, Kopien beliebig vieler Websites auf Diigos Servern zu speichern. Bezahlen kann man per Kreditkarte oder via Paypal.

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