Streit über Elektrohund New Yorker Politiker will Bewaffnung von Robotern verbieten

Als im Februar im Stadtteil Bronx ein Roboterhund durch New York City lief, erregte das viel Aufsehen. Jetzt will ein Mitglied des Stadtrats erreichen, dass Maschinen wie der Hund niemals bewaffnet werden.
Boston-Dynamics-Roboter Spot: Die New Yorker Polizei nennt ihr Testexemplar »Digidog«

Boston-Dynamics-Roboter Spot: Die New Yorker Polizei nennt ihr Testexemplar »Digidog«

Foto: Yoshio Tsunoda / imago images

Ein Mitglied des Stadtrats von New York City sorgt sich darum, dass in der US-Metropole bewaffnete Roboter zum Einsatz kommen könnten. »Niemand will eine Zukunft, in der unsere Stadt aussieht und sich anfühlt wie eine Episode von Black Mirror«, sagte der Demokraten-Politiker Ben Kallos  unter Anspielung auf die dystopische britische Serie. Technologie zum Bewaffnen von Robotern gebe es bereits: »Um so etwas zu verhindern, müssen wir jetzt handeln, bevor die Technologie den Gesetzen zuvorkommt.«

Als präventive Maßnahme will Ben Kallos nun den sogenannten Public Oversight of Surveillance Technology (POST Act)  erweitern und es dem New York City Police Department (NYPD) in Zukunft verbieten, bewaffnete Roboter einzusetzen oder mit deren Einsatz zu drohen. Ebenso drängt Kallos darauf , dass Roboter nicht auf eine Weise eingesetzt werden dürfen, »die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Todesfällen oder schweren Körperverletzungen führt«.

Wie viele andere Lokalpolitikerinnen und -politiker Kallos' Sorge vor bewaffneten Robotern teilen, wird sich erst noch zeigen. Die Diskussionen über seinen Vorschlag haben gerade erst begonnen. Der Vorstoß des Demokraten passt jedoch zu einer seit Jahren weltweit laufenden Debatte, ob Regierungen autonome Waffensysteme, die manchmal auch als Kampf- oder Killerroboter bezeichnet werden, verbieten sollten.

Ein aus dem Netz bekannter Roboter

Handlungsbedarf in New York City sieht Ben Kallos, nachdem im Februar ein Robotereinsatz des NYPD weltweit Schlagzeilen gemacht hatte. Mit einem kurzen Video war dokumentiert worden, dass die Polizei im Stadtteil Bronx im Zuge eines Einbruchs, bei dem die Lage am Tatort unklar war, einen Roboterhund getestet hatte.

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Das Modell, das ohne jegliche Bewaffnung zum Einsatz kam, nennt die Polizei »Digidog«. Praktisch handelt es sich dabei um einen lauffähigen Roboter der Firma Boston Dynamics, der unter dem Namen Spot bekannt ist und für rund 75.000 Dollar verkauft wird. Spot wird in der Regel über einen Tablet-Controller von einem Menschen gesteuert. Der Roboter bietet aber auch Funktionen, mit deren Hilfe er sich in bestimmten Umgebungen selbstständig bewegen kann .

Eine NYPD-Sprecherin hatte im Februar der Zeitung »New York Post« erklärt, der »Digidog« sei mit Lampen und Kameras ausgerüstet. So ermögliche er es der Polizei, seine Umgebung gewissermaßen in Echtzeit zu sehen.

Die Roboter von Boston Dynamics sind vielen Internetnutzerinnen und -nutzern aus viralen Videos bekannt, die ihre Fähigkeiten zelebrieren. Zum Spot beispielsweise existiert ein Clip, in dem der Roboterhund aufräumt, Türen öffnet und Pflanzen eintopft.

»Als Nächstes werden sie ihn bewaffnen«

Das YouTube-Video, das den Roboterhund auf New Yorks Straßen zeigte, hatten im Februar viele Nutzerinnen und Nutzer mit Sprüchen wie »Mehr als unheimlich« oder »Als Nächstes werden sie ihn bewaffnen« kommentiert. Das NYPD hatte Kritik an ihrem Vorgehen damit gekontert, dass man schon seit den Siebzigerjahren Roboter einsetze, »um in Geiselsituationen und bei Gefahrgutvorfällen Leben zu retten.« Der Spot werde derzeit getestet, um seine Fähigkeiten im Vergleich zu anderen Modellen zu bewerten. Im vergangenen Jahr war der »Digidog« auch schon im Stadtteil Brooklyn unterwegs gewesen.

Dem Magazin »Wired«  sagte Ben Kallos auf Nachfrage, er habe »kein Problem damit, einen Roboter zur Entschärfung einer Bombe einzusetzen«. Dem Politiker geht es also keineswegs um ein Komplettverbot von Robotern wie dem Spot.

Robert Playter, der Chef von Boston Dynamics, betonte »Wired« gegenüber, die Nutzungsbedingungen seiner Firma würden es den Käufern der Roboter verbieten, diese mit Waffen auszustatten oder sie Waffen benutzen zu lassen.

Jene Nutzungsbedingungen hatten jedoch bereits im Februar Künstler auf die Probe gestellt. Für eine Livestreaming-Aktion  hatten sie einen Spot mit einer Paintball-Gun ausgerüstet, mit der dieser auf Kunstobjekte schießen sollte. In der Praxis war die Aktion unspektakulärer, als viele Zuschauerinnen und Zuschauer erwartet hatten , Boston Dynamics aber distanzierte sich sofort davon. Sie verurteile die Darstellung ihrer Technologie »in einer Weise, die Gewalt, Schaden und Einschüchterung fördert«, teilte die Firma mit.

mbö
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